Aachen - Bewährungshelfer attackiert: Verzweiflungstat oder Mordversuch?

Bewährungshelfer attackiert: Verzweiflungstat oder Mordversuch?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
fleischer hans willi gericht
Weil er seinen Bewährungshelfer und Polizisten mit einem Messer und einer Spritzenkanüle angegriffen haben soll, musste sich Hans Willi K. (Mitte) vor dem Aachener Schwurgericht verantworten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Angeklagte Hans Willi K. (69) schaffte es kaum die Treppen hoch zu dem Saal im ersten Stock des Aachener Landgerichts, in dem das Aachener Schwurgericht seit Mittwoch über K.s Tat befinden wird. Dem 69-jährigen gelernten Fleischer droht lebenslange Sicherungsverwahrung, weil er seinen Bewährungshelfer angegriffen haben soll.

Im Mai diesen Jahres sollte der schwer kranke K., der seinerzeit im Landesprogramm „KURS“ (Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) betreut wurde, aus gesundheitlichen Gründen in eine betreute Einrichtung in Blankenheim gebracht werden.

Auf dieser Fahrt geschah die Tat, für die sich K. nun vor Gericht verantworten muss und für die ihm lebenslange Sicherungsverwahrung droht. Polizeibeamte hatten K. morgens in Begleitung seines Bewährungshelfers in Merkstein aus seiner Wohnung geholt und sich mit ihm auf den Weg nach Blankenheim gemacht. Während der Fahrt über die Landesstraße 240 soll K. dann laut Anklageschrift in der Nähe von Boscheln von hinten auf den vor ihm sitzenden Bewährungshelfer eingestochen haben. Mit einem Messer, das er in der Socke versteckt hatte, soll er den Mann dabei von hinten an der Schulter verletzt haben.

Als die Beamten ihn überwältigen wollten, habe er sich laut Anklage mit einer Spritzenkanüle gewehrt und auch dabei einen Polizisten verletzt.

Die Anklage lautete in diesem Fall auf heimtückischen Mordversuch, denn der 69-Jährige soll den Angriff geplant haben. Sein Verteidiger Rainer Dietz allerdings machte nach der Anklageverlesung geltend, dass sich sein Mandant eigentlich zunächst habe selbst töten wollen, weil er nicht aus seiner Wohnung habe ausziehen wollen. „Er öffnete zum Beispiel während der Fahrt die Türe und wollte sich hinausstürzen“.

Bereits vor der Fahrt habe er den Versuch gemacht, sich vor einen herankommenden Lastwagen zu stürzen. Es handele sich mithin keineswegs um einen Mordversuch, sondern um eine Verzweiflungstat des 69-Jährigen. Der wolle sich im übrigen zu den Vorwürfen einlassen.

Der Prozess geht am 15. November weiter.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert