Bengalische Raketen im Radkasten

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
Grenzübergang Lichtenbusch Hooligans Fußballfans Gewalt
Die Bundespolizei hat am Freitag am Grenzübergang Lichtenbusch gewaltbereite Fußballfans aus dem Verkehr gezogen, ihnen die Einreise nach Belgien untersagt und feuerwerkstechnisches Material beschlagnahmt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. In Brüssel wurde am Freitagabend Fußball gespielt, und in Aachen staute sich der Verkehr auf der Autobahn. Das Qualifikationsspiel zwischen der deutschen und der belgischen Nationalmannschaft hatte offenbar hohe Anziehungskraft auch auf Besucher, die in keinem Stadion der Welt erwünscht sind, die dennoch auf allen möglichen Wegen versuchen, ans Ziel ihrer Wünsche zu gelangen: Hooligans und Krawallfans.

Mehr als 40 von ihnen, die in einer speziellen Datei („Gewalttäter Sport”) erfasst werden, erhielten einen Platzverweis und durften die Grenze ins Nachbarland nicht überschreiten. Unfassbar, was sie alles an Krawallutensilien dabeihatten: Baseballschläger, bengalische Raketen, Schwarzpulver, Schusswaffenmunition, auch ein Schlagstock und Mundschutz, rechtsradikale CDs wurden ebenfalls sichergestellt. Bernd Küppers, Sprecher der Bundespolizei: „Man sollte es nicht denken. Da ist einiges zusammengekommen.”

Mehrere Dutzend Beamte der Bundespolizeiinspektion Aachen, die durch Kräfte aus St. Augustin verstärkt worden war, nahmen 1500 Ausreisende ab 8 Uhr morgens genau unter die Lupe. Sowohl in den Zügen von Köln nach Aachen waren die Polizisten tätig als auch an den Autobahnübergängen nach Belgien und in die Niederlande, an den kleineren Grenzstellen fanden Stichproben statt. Die massivsten Kontrollen gab es naheliegenderweise am Grenzübergang Lichtenbusch, wo die A 44 komplett dicht gemacht wurde und der Verkehr einspurig über den Parkplatz geleitet wurde.

Diese Zangsverlangsamung hatte, vor allem im Berufsverkehr, kilometerlange Staus zur Folge, bot andererseits den Spürnasen der Bundespolizei, im Fachjargon „fankundige Beamte” genannt, ausreichend Gelegenheit, ihre Pappenheimer herauszufischen. In Lichtenbusch war das Dirk Heggen, der im Fußballalltag mehr mit Alemannia Aachen zu tun hat, der als Vorposten auf der Autobahn alle Ankommenden in Augenschein nahm und seinen Kollegen bedeutete, wen sie aus der Schlange herauswinken und genauer unter die Lupe nehmen sollten.

Fast 10000 Gewalttäter

Immerhin sind in der seit 1994 existierenden Datei „Gewalttäter Sport” fast 10000 meist junge Männer aufgelistet, von denen am Freitag bis 17.30 Uhr genau 42 aus dem Reiseverkehr gefischt werden konnten. Ein Eintrag in die Datei, die in drei Kategorien je nach Schwere der Gesetzesverstöße erfolgt, kann bis zu einem bundesweiten Stadionverbot führen, möglicherweise zeitlich befristet.

Dabei schauten die Beamten durchaus genau hin, falls notwendig wurden auch Leibesvisitationen vorgenommen. Einmal wurden sogar pyrotechnische Materialien entdeckt, die im Radkasten eines Autos versteckt waren. Der Fahrer erhielt eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. In einem anderen Pkw wurden Tonträger mit neonazistischem Inhalt entdeckt, hier wurde eine Anzeige wegen Volksverhetzung fällig. Verdächtig machten sich etwa Fahrzeuginsassen, die Eintrittskarten für das Fußballspiel bei sich führten, die nicht auf ihren Namen ausgestellt waren - entweder auf fremden Namen besorgt oder gleich beim belgischen Fußballverband geordert. Der Normalo-Fußballanhänger muss nämlich beim DFB seine Personalausweis-Nummer angeben, um ein Ticket zu ergattern.

Und was passiert mit den Fußballfans, wenn sie die Rote Karte erhalten? Sie werden - unter Polizeibegleitung - auf die Gegenfahrbahn geleitet und können dann die Heimfahrt antreten, können unter Umständen auch zu Fuß zurückgehen, dürfen aber auf keinen Fall die Grenzpfähle passieren. Sprecher Bernd Küppers: „Wenn sie einreisen, ist das eine Straftat.” Die beispielsweise mit einer Geldbuße geahndet werden könne. Wie erkennt man die Schwarzen Schafe? Dirk Heggen: „Man hat ein gewisses Näschen.” Auch der Sprengstoffspürhund steht mit einem solchen unterstützend zur Seite.

Was sagen die Grenzpendler und Reisende, die ganz unschuldig in der Schlage stehen und Zeit verlieren? Heggen: „Die Leute finden das ausgesprochen gut, alle hatten Verständnis.” Schließlich beschädigten die Fußballschläger das Ansehen der Bundesrepublik.

In das dichte Netz gingen am Hauptbahnhof auch drei Inder, die sich illegal in Deutschland aufhielten. Sie wurden dem Ausländeramt übergeben.
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