Belgien unter Schock: Amoklauf in Kinderhort - drei Tote

Von: Dorothée Junkers, dpa
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Belgien / Amoklauf
Kriminaltechniker sichern in der Kindertagesstätte „Fabeltjesland” Spuren des Amoklaufes. Zwei Kinder und eine Betreuerin kamen ums Leben. Foto: dpa

Brüssel. Entsetzen in Belgien: Ein Amokläufer hat am Freitagmorgen in einer Kindertagesstätte im ostflämischen Dendermonde zwei kleine Kinder und eine Betreuerin erstochen. Elf Babys und Kleinkinder sowie zwei Erwachsene wurden teilweise schwer verletzt.

Der 20 Jahre alte Täter floh auf einem Fahrrad, wurde aber gut eineinhalb Stunden später von der Polizei gefasst. Über sein Motiv herrscht nach der ersten Vernehmung völlige Unklarheit. Innenminister Guido De Padt sprach von einer „Hölle” für die Eltern.

Der Mann habe schwarz geschminkte Augen gehabt, berichtete Staatsanwalt Christian Du Four. Der Rest seines Gesichts sei weiß angemalt gewesen. Er sei im Gegensatz zu Medienberichten vor seiner Wahnsinnstat weder in einer psychiatrischen Anstalt gewesen noch sei er der Polizei aufgefallen. Auch habe er nicht unter Drogeneinfluss gestanden. Der junge Mann wollte bei den ersten Vernehmungen nichts zur Tat sagen. Du Four: „Er kooperiert nicht mit uns.”

Vor dem Tatort legten am Nachmittag mehrere Menschen Blumen nieder. Belgiens Premierminister Herman Van Rompuy sagte, das Land stehe unter Schock. Am Abend besuchten Prinzessin Mathilde und Kronprinz Philippe in einem Betreuungszentrum für die unter Schock stehenden Angehörigen, Betreuer und Einsatzkräfte.

Wie Zeugen berichteten, fuhr der Täter auf einem Fahrrad vor der Kindertagesstätte „Fabeltjesland” („Märchenland”) vor und klingelte. Er war sehr hager und hatte knallrote Haare, sagten Augenzeugen. Unter dem Vorwand, er habe ein Frage, sei ihm dann offensichtlich die Tür geöffnet worden, berichtete der flämische Rundfunksender VRT. In der Krippe befanden sich 18 kleine Kinder im Alter von höchstens drei Jahren und sechs Betreuer.

Der Mann sei geradewegs in den Bereich für Babys gegangen und habe dort mit einem Messer um sich gestochen, berichtete Du Four. „Danach ist er in einen anderen Bereich gegangen und hat dort seine Tat wiederholt.” Es brach Panik aus. „Einige der Kinder haben leider schwere Verletzungen”, sagte die Sprecherin des örtlichen Sankt- Blasius-Krankenhauses, Dominique Potteau. Die Eltern mussten ihre Kinder zunächst mit Hilfe von Digitalbildern identifizieren. „Das Entsetzen ist enorm”, sagte Bürgermeister Piet Buyse.

Vor dem Ort der Schreckenstat versammelten sich zahlreiche betroffene Eltern. Katastrophenalarm wurde ausgelöst. Polizei und Rettungskräfte veröffentlichten zwei Notfall-Telefonnummern und richteten ein Betreuungszentrum ein. Die Polizei hatte einen Polizeihubschrauber und Spürhunde eingesetzt, um den Täter zu suchen. Bei seiner Festnahme wurde der Mann verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. In einem Sack habe er noch ein Messer bei sich gehabt, sagte Staatsanwalt Du Four. Dies sei aber nicht die Tatwaffe gewesen: Diese habe man später in der Kinderkrippe gefunden.

Innenminister De Padt zeigte sich bestürzt und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. „Ich bin völlig fassungslos, und meine Gedanken gelten nun in erster Linie den Eltern, die diese Hölle mitmachen müssen.” Er war umgehend nach Dendermonde gefahren. Die Gemeinde zählt gut 43.000 Einwohner und liegt etwa 30 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Brüssel.

Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters sprach von einer „unglaublichen” Tat, die das Land „mit Horror und Trauer” erfülle. „Dieses Blutbad wird mit Sicherheit Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen.” Die staatliche Organisation „Kind en Gezin” („Kind und Familie”), die auch für die Kontrolle vieler Kindertagesstätten zuständig ist, reagierte mit Entsetzen. „Wir müssen rasch untersuchen, wie der Mann in die Krippe gelangen konnte”, zitierte der Rundfunksender VRT Leen Du Bois von „Kind en Gezin”.
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