Brüssel - Belgien knipst die Lampen aus

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Belgien knipst die Lampen aus

Von: afp
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Brüssel. Wenn der belgische Astronaut Frank De Winne bei einem Weltraumaufenthalt einen Blick auf die Heimat werfen will, kann er sich bisher einfach an den Autobahnen orientieren - vorausgesetzt, dort unten herrscht Nacht über Europa.

Denn die fast lückenlose Beleuchtung Hunderter Straßenkilometer in Belgien ist mit einem Teleobjektiv auch vom All aus zu sehen, bestätigt Jules Grandsire, Sprecher der Europäischen Weltraumagentur ESA in Köln. Aber bald wird der helle nächtliche Fleck auf diesem Teil des Planeten kleiner werden: Denn ab der Nacht zum Samstag sollen zumindest in Flandern auf einem großen Teil des Autobahnnetzes keine Laternen mehr leuchten.

Zu 100 Prozent erleuchtet

Den Luxus der Illumination leistet sich außer Belgien kaum ein Land der Welt - erst recht nicht in Zeiten neuer Energiesparregeln und knapper Kassen. Mindestens 335.000 Lampen auf 150.000 Masten sind es, die die Autobahnen und andere Schnellstraßen des Königreiches bis dato erhellen. In der französischsprachigen Wallonie stehen von 860 Autobahn-Kilometern 750 unter Strom, in Flandern ist das Netz laut Verkehrsministerium bislang gar zu 100 Prozent erleuchtet, zumindest stundenweise. Das kostet. So musste allein die finanziell besonders klamme Wallonie vergangenes Jahr 9,5 Millionen Euro für 105 Gigawatt-Stunden Strom für Straßenlicht ausgeben - für diese Menge müsste ein durchschnittlicher Atomreaktor etwa vier Tage laufen.

Zwar wurde auch bisher ein Teil der flämischen Schnellstraßen nicht die ganze Nacht über beleuchtet. Aber ab der Nacht zum Samstag soll auf knapp der Hälfte des Netzes „das Licht definitiv abgeschaltet werden”, erklärt das Ministerium. Dauerhafte Beleuchtung gibt es dann noch an besonderen Stellen, etwa an Ausfahrten und auf Stadtautobahnringen. Der übrige Teil wird „dynamisch” geregelt und etwa bei Unfällen und schlechtem Wetter beleuchtet. Hintergrund seien Kosten und Umweltfolgen durch den Energieverbrauch.

Begonnen hatte alles vor rund 60 Jahren. Die Belgier waren aufgeschreckt durch die vielen Verkehrstoten in der Nacht, rekapituliert das wallonische Verkehrsministerium heute. Die Lampen wurden „vor allem aus Sicherheitsgründen eingeführt, umso leichter, als damals die Energiekosten vernünftig erschienen”, heißt es in einem entsprechenden Positionspapier des Ministeriums.

Belgiens Autobahnen strahlen allerdings schon längst nicht mehr so ausdauernd wie noch vor wenigen Jahren. So fuhr die Wallonie die Brenndauer der Leuchten auf dem Mittelstreifen 2008 von zuvor 4050 auf gut 2350 Stunden herunter. Und die alten Birnen machen nach und nach energiesparsameren Typen Platz.
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