Belgien: Autobahnmaut kommt wahrscheinlich 2013

Von: Felix Lennertz
Letzte Aktualisierung:
belgien-autobahn
Belgien will auf seinem Autobahnnetz ab 2013 eine Maut einführen - auch für Pkw. Foto: dpa

Brüssel. In Belgien soll ab 2013 eine Mautgebühr für Autos erhoben werden. Die drei Regionen des Nachbarlandes haben sich nach belgischen Medienberichten darauf verständigt. Zudem soll die bislang für Lkw genutzte Euro-Vignette durch eine Abgabe pro gefahrenem Kilometer ersetzt werden.

Autos und andere Fahrzeuge, die kein Schwerlastverkehr sind, werden nach der Einführung der Maut nur noch auf belgischen Autobahnen und Schnellstraßen unterwegs sein dürfen, wenn sie eine elektronische Vignette an Bord haben. „Wenn wir die Gebühr nur für Autobahnen einführen würden, bestünde das Risiko, den Verkehr auf die Schnellstraßen abzudrängen”, sagte André Antoine, Sprecher des Finanzministers der Region Wallonie, am Donnerstag in Namur.

Die Einnahmen aus der Maut sollen in den Straßenbau investiert und an die drei Regionen verteilt werden: 10 Prozent fließen in die Hauptstadtregion, 52 Prozent nach Flandern und 38 Prozent in die Wallonie (zu der auch die deutschsprachige Gemeinschaft gehört).

Belgische Medien berichteten weiter, dass die Regionalregierung in Brüssel bereits ihre Zustimmung gegeben hat; für Donnerstag oder Freitag wird mit offiziellen Zustimmungen auch aus der Wallonie und Flandern gerechnet.

In welcher Höhe Gebühren erhoben werden, ist bislang noch unklar, ebenso die Art der Mauterhebung. Neben einer elektronischen Vignette ist auch eine Erfassung und Auswertung von Nummernschildern wie bei deutschen Mautbrücken im Gespräch.

Pläne gibts schon länger

Pläne für eine Maut gibt es in Belgien schon seit langer Zeit. Eigentlich sollte sie 2008 kommen, das Projekt scheiterte aber am in Belgien üblichen Kompetenzgerangel der Regionen.

Damals war vorgesehen, eine Gebühr von 60 Euro pro Auto und Jahr zu erheben, alternativ sollte es günstigere Kurzzeittarife geben. Damals wie heute steht in den Plänen drin, dass belgische Autobesitzer dann bei der Kfz-Steuer entlastet werden sollen.

Probelm für unsere Region?

Mit der Maut könnte sich für die Region ein Problem ergeben. Belgien ist das Haupt-Transitland für Holländer auf dem Weg in den sonnigen Süden: 2007 von dort bereits heftiger Widerspruch zu hören. Allein etwa drei Millionen Niederländer treten jährlich die Reise nach Südfrankreich an, die meisten von ihnen mit dem Auto oder samt Wohnwagen.

Ein guter Teil von ihnen könnte demnächst belgische Autobahnen meiden und sich einen Weg durch Deutschland und also unsere Region bahnen. Keine sonderlich erbauliche Vorstellung, auch vor dem Hintergrund dass das Aachener Kreuz zu den am stärksten befahrenen Autobahnknotenpunkten in Deutschland zählt und ohnehin mitten im Umbau steckt.

2007 prognostizierte Peter Meintz vom ADAC in NRW: „Es ist eindeutig mit Mehrbelastungen für den Verkehr auf den deutschen Autobahnen im Westen zu rechnen”. Experten von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und vom Landesbetrieb Straßen NRW vermuteten damals ähnliches.

Der niederländische Autofahrerverband ANWB (dem deutschen ADAC vergleichbar) ist alarmiert. Damals hatten die Lobbyisten nicht nur Protestnoten an die EU gesandt, sondern sogar eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg vorbereitet. Marcus van Tol, Sprecher des ANWB, sagte am Donnerstag, man prüfe die Angelegenheit. Generell gelte: „Wir sind eine Autofahrer-Vertretung, natürlich schauen wir da ganz besonders genau hin.” Allerdings gestalte es sich in Belgien schwierig, genaue Informationen zu bekommen. Eine erste offizielle Stellungnahme seitens des ANWB sei daher frühestens Freitagnachmittag zu erwarten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert