Beikircher: „Solange der Nachrichtenstand so bleibt, werde ich kommen”

Von: Gerald Eimer
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„Eine ganz blöde Situation”
„Eine ganz blöde Situation”: Der Kabarettist Konrad Beikircher. Foto: imago/Luhr

Aachen. Wenigstens diese Zusage steht: „Solange der Nachrichtenstand so bleibt, werde ich kommen”, versicherte Kabarettist Konrad Beikircher am Tag vor der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst an Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

„Einfach krank melden”, wie es ein Mitglied des Aachener Friedenspreises in einem offenen Brief von ihm jüngst forderte, werde er sich ganz sicher nicht, sagte er am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Aachener Karnevalsverein (AKV) darf durchatmen.

„Mir tun die leid”, sagt Beikircher über Aachens Lackschuhkarnevalisten. „Da machen die so einen großen Bohei, und am Ende ist alles nur heiße Luft.” Erst die vollmundige Bekanntgabe, dann die lange Ungewissheit, später die Absage von Guttenberg und nun die Schummelvorwürfe gegen den „Mogel-Baron” („Express”) ­ schlimmer hätte es für die diesjährige Festsitzung und den vermeintlichen Superstar der deutschen Politik kaum kommen können.

Rheinische Frohnatur

„Eine ganz blöde Situation”, meint auch Beikircher. Der Spezialist in Sachen rheinischer Frohnatur hätte vollstes Verständnis, wenn die Fernsehaufzeichnung (ARD, Montag, 21. Februar, 20.15 Uhr) abgesetzt würde:

„Die Verantwortlichen von ARD und AKV werden schweißnass vor dem Fernseher sitzen.” Damit die Quote nicht völlig abstürzt, feilt auch Beikircher bis zuletzt an seiner Nummer. Ironisch will er sich mit der „vornehmen Vornehmheit des AKV” und der langen Liste der Ordensritter befassen. Dahinter erkennt Beikircher offenbar die Strategie, in Deutschland den Adel wieder einzuführen und in Aachen die nächste Kaiserkrönung vorzubereiten.

Guttenbergs Doktorarbeit wird nur am Rande vorkommen: „Man kann sie ja nicht so ganz tierisch ernst nehmen.” Er könne gut hinter seinem Auftritt stehen, betont Beikircher, der wenig Verständnis für den Boykottaufruf aus dem Lager der Friedensbewegten hat. Er sei mit vielen Menschen befreundet, mit denen er nicht einer Meinung sei.

Sogar Mörder seien darunter. „Ich habe da eine sehr christliche Haltung und versuche die Bergpredigt umzusetzen.” Es sei nicht seine Art, jemanden auszustoßen, „nur, weil er für Waffen zuständig ist”.

Die Zusage für sein Gastspiel beim AKV hat Beikircher freilich schon im April vergangenen Jahres gegeben ­ zu einem Zeitpunkt also, als der Ordensritter noch nicht bekannt war und niemand ahnen konnte, welches Desaster sich daraus entwickeln sollte. So kann Beikircher nur froh sein, dass er nie und nimmer die Laudatio übernommen hätte. „Damit stellt man sich an die Seite eines anderen, ich aber mache Kabarett”, betont er.

Dass ihm dies dennoch von den Guttenberg-Gegnern als „Missgriff” verübelt wird, kann er verkraften. Und an den geplanten Protesten gegen die karnevalistische Ehrung des Verteidigungsministers vermag er ohnehin nichts ändern. Von 19 bis 20.15 Uhr wollen Vertreter mehrerer Friedensinitiativen vor der Sitzung im Aachener Eurogress unter dem Motto „Krieg ist tierisch ernst” protestieren.
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