Düsseldorf - Bahnfahren wie im „Viehtransporter”: Kritik wächst

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Bahnfahren wie im „Viehtransporter”: Kritik wächst

Von: Annelen Geuking, dpa
Letzte Aktualisierung:
Voller Regionalzug im Berufsverkehr
Zahlreiche Fahrgäste steigen am Hauptbahnhof in Essen aus dem oder in den Regionalzug RE1 in Fahrtrichtung Aachen. Im Berufsverkehr ist nicht nur diese Zugverbindung überlastet. Der regionale Zugverkehr in Nordrhein- Westfalen steht erneut in der Kritik. Wie die Bahn einräumen musste, war am vergangenen Donnerstag eine Reisende in einem übervollen Regionalexpress kollabiert und musste mit einem Rettungswagen abtransportiert werden. Foto: dpa

Düsseldorf. Der regionale Zugverkehr in Nordrhein- Westfalen steht erneut in der Kritik. Wie die Bahn einräumen musste, war am vergangenen Donnerstag eine Reisende in einem übervollen Regionalexpress kollabiert und musste mit einem Rettungswagen abtransportiert werden.

Ein Bahnsprecher goss noch zusätzlich Öl ins Feuer: Er persönlich frage sich, wie ein mündiger Bürger in einen derart vollen Zug steigen könne, sagte er der „Rheinischen Post”. Nun hagelt es Kritik von allen Seiten.

„Ich fühle mich hier wie im Viehtransporter”, schimpft ein Reisender im Regionalexpress 1 (RE 1) von Dortmund nach Köln. Die dicht gedrängt stehenden Mitreisenden lachen und nicken ihm zu. Der Zug ist nicht nur rappelvoll, er hat auch noch Verspätung: Laut Bahn- Ansage wegen „zu hoher Streckenauslastungen”.

„Da ist einfach ständig Stau auf der Strecke”, sagt Hartmut Buyken vom Fahrgastverband Pro Bahn. Gerade der RE 1 sei ein „Dauerthema”. Die Empfehlung des Bahnsprechers, auf einen weniger vollen Zug zu warten, hat Buyken empört: „Das ist doch schon fast pervers und auf Dauer keine Lösung.”

Vielmehr müsse möglichst schnell dafür gesorgt werden, dass das Streckennetz ausgebaut wird: „Zwischen Köln und Düsseldorf muss das durchgängig viergleisig werden, zwischen Düsseldorf und Duisburg durchgängig sechsgleisig.” Außerdem brauche man mehr Waggons und mehr Türen zum Einsteigen, um das ständige Chaos zu Spitzenzeiten zu verhindern.

„Die Empörung der Bahnkunden ist berechtigt”, sagt Kommunalpolitiker Martin Volkenrath (SPD), Mitglied im Verwaltungsrat des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR). Überfüllte Züge während der Stoßzeiten seien die Regel, nicht die Ausnahme.

Eine Reisende, die regelmäßig von Köln nach Düsseldorf pendelt, berichtet, was sich spätnachmittags am Düsseldorfer Hauptbahnhof abspielt, wenn sich hunderte Pendler auf einem Bahnsteig drängen: „Die Profi-Pendler haben eine ausgebuffte Taktik entwickelt: Wenn der Zug sich nähert, schätzen sie mit gekonntem Blick ab, an welcher Stelle die nächste Zugtür zum Stehen kommen wird, und schieben sich dorthin seitwärts.” Nur wer diese Technik beherrsche, könne auf einen Sitzplatz hoffen.

Die Deutsche Bahn räumt ein, dass die Situation gerade beim Regionalexpress RE1 zwischen Köln und Düsseldorf „angespannt” sei. Ein Streckenausbau sei auch in Planung. Wann der aber umgesetzt wird, könne man noch nicht sagen. Einfach einen Waggon mehr an den RE1 hängen? Das gehe nicht. Schließlich müssten die zuständigen Verkehrsverbände zusätzliche Waggons bestellen - und bezahlen.

Der Verkehrsverband Rhein-Ruhr hingegen schiebt den Schwarzen Peter der Politik zu. „In Zeiten knapper Mittel muss man eben mit dem haushalten, das man hat”, so eine Sprecherin. Für 2011 planen Bahn und VRR dennoch, die Lage zu entspannen. Laut Bahn-Sprecher soll es neue Regionalzüge, neue Fahrpläne und ein ganz neues Regionalexpress- Konzept geben. Genaueres will die Bahn noch in diesem Monat bekanntgeben.

„Es ist natürlich gut, wenn sich Bahn und VRR bewegen wollen”, sagt Hartmut Buyken. Allein: bis zur Vorlage des genauen Konzepts fehle ihm noch der Glaube daran.
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