Ausstellung „Outer Space“ beleuchtet die Faszination Weltraum

Von: Alexander Barth
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Wegweiser zur Ausstellung: Die zwölf Meter hohe Replik der Rakete Ariane 5 steht auf dem Vorplatz der Bonner Bundeskunsthalle.
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Frühes Zeugnis der modernen Astronomie: ein Mars-Globus aus dem Jahr 1909, hergestellt in Frankreich. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Futter für Science-Fiction-Fans: In den 50er Jahren beflügelten Reisen zu fernen Planeten die Fantasie von Comic-Zeichnern Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Verstörend: Der Blick von „Brunhild“, einer Figur der fiktiven Geheimgesellschaft „Vril“, deren Existenz nie bewiesen wurde, raubt dem Betrachter die Sinne. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Ruhe nach der Reise: Das Bett, in dem Mondpionier Neil Armstrong die erste Nacht nach seiner Rückkehr zur Erde verbrachte, steht aktuell in der Bundeskunsthalle. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Allein mit dem Universum: Im Inneren der begehbaren Skulptur „O“ von Hiroyuki Masuyama warten ein Sternenhimmel – und jede Menge Ruhe. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Ihre gemeinsame Idee entstand im Stau: Die Kuratoren Claudia Dichter und Stephan Andrae vor dem Modell der Raumsonde „Rosetta“. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Design fürs Weltall: Ein Raketenbauteil vereint in seiner Optik Technik und Kunst. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Zwei Astronauten in einer Sonde. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth
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Aus der Umlaufbahn auf den Meeresgrund: Die Raumkapsel „Liberty Bell 7“ wurde 1999 nach 39 Jahren aus einer Tiefe von 5000 Metern geborgen und ist in Bonn erstmals in Europa zu sehen. Foto: Bundeskunsthalle Bonn/Alexander Barth

Region. Es hat einen Moment im Leben von Claudia Dichter und Stephan Andrae gegeben, da passte das große weite Weltall in den Innenraum eines Autos. Auf einer langen Fahrt, oder vielmehr im Stillstand eines Staus, entstand die Idee zur Ausstellung „Outer Space“.

Ab dem 3. Oktober ist sie in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Bis zum 22. Februar 2015 verwandelt sich eines der meistbesuchten Museen des Landes in eine Kathedrale für Mondsüchtige und Raumfahrtenthusiasten, für Wissenschaftsanhänger und Science-Fiction-Fans.

Besagter Verkehrsstau beflügelte nicht nur die Fantasie, sondern auch den Zusammenhalt des Duos Dichter/Andrae. Der große Traum vom Weltraum spielt in Wissenschaft und Kultur eine unheimlich große Rolle.

„Das All ist ein Tummelplatz für neugierige Wissenschaftler ebenso wie für Künstler, Literaten, Philosophen oder Spinner“, sagt Claudia Dichter, Kuratorin mit Wohnsitz in Aachen. „All diese Facetten des Umgangs wollen wir in dieser Schau abbilden.“

In den Wochen vor der Eröffnung gibt es reichlich zu tun für das Kuratorenduo und Team. Rund 25 Mitarbeiter kümmern sich um Antransport, Aufbau und Arrangement von Exponaten aus aller Welt, die das Gesamtkunstwerk „Outer Space“ ergeben.

Zu den beeindruckendsten Objekten – nicht nur wegen des logistischen Aufwands – gehört sicher die geschichtsträchtige Raumkapsel „Liberty Bell 7“, die per Schiff aus den USA transferiert wurde und erstmals in Europa zu sehen ist.

38 Jahre lang hatte die Kapsel nach ihrem kurzen Flug 1961 auf dem Grund des Atlantiks gelegen, ehe sie aus 5.000 Meter Tiefe geborgen wurde. „Ein technischer Defekt hätte den Astronauten Gus Grissom damals fast das Leben gekostet“, erzählt Stephan Andrae, zweiter Kurator und gleichzeitig Ausstellungsleiter.

„Es gibt zig Theorien über die Ursache des Fehlers. Und immer wieder spielt in der Raumfahrt auch die Tragik eine Rolle.“ Grissom kam vier Jahre später bei der ersten Apollo-Mission ums Leben.

Die Geschichte von „LB7“ ist nur eine von vielen, die in der Bundeskunsthalle erzählt werden. Auch weitaus kompaktere Relikte der Raumfahrtgeschichte finden sich hier. Zwölf Räume widmen die Macher dem maximal vielfältigen Themenfeld „Outer Space“ und den verschiedenen Wegen und Weisen, auf denen sich Menschen über die Jahrhunderte hinweg dem Weltall genähert haben.

Die Ausstellung präsentiert beeindruckende Zeugnisse der Technik aus über 60 Jahren Entwicklungsgeschichte, aber auch Objekte und Dokumente der Zeit- und natürlich der Filmgeschichte sind zu sehen.

„Wir schlagen die Brücke von uralten Visionen und Ideen bis hin zur heutigen hochtechnisierten Zeit, in denen Menschen wie Alexander Gerst monatelang auf der internationalen Raumstation ISS leben und arbeiten“, sagt Andrae.

Astronaut zu Besuch

Der deutsche Astronaut Gerst dient den Ausstellungsmachern nicht nur als äußerst lebendiges Beispiel für Raumfahrer der heutigen Zeit. Am 8. Dezember steigt im Rahmen der Schau eine „Wel-come-Home“-Party für den Mann, der nach Thomas Reiter und Hans Schlegel aktuell als dritter Deutscher auf der ISS weilt und während seiner Langzeitmission für Monate im All ist.

„Wir freuen uns riesig auf seinen Besuch“, sagt Claudia Dichter und verweist auf die enge Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das sowohl die Ausstellung begleitet und unterstützt als auch seinen prominenten Protagonisten im All für eine exklusive Stippvisite vorbeischickt.

„Außerdem wird Sigmund Jähn zu Gast sein. Diese beiden stehen für lebendige Raumfahrtgeschichte“, ergänzt Dichter. Der heute 77-jährige Jähn war 1978 als erster Deutscher ins All geflogen, als Kosmonaut und DDR-Bürger verbrachte er eine Woche an Bord eines russischen Sojus-Raumschiffs.

Gleich der erste Ausstellungsraum nordet die Besucher unmissverständlich ein: Alle 15 Minuten startet via Großprojektion ein Shuttle ins All, gewaltige Geräuschkulisse inklusive. Beim weiteren Rundgang geht es deutlich ruhiger, aber nicht weniger beeindruckend zu.

Der aus heutiger Sicht eigentümlichen und herrlich antiquiert wirkenden Ästhetik der frühen Raumfahrzeuge dies- wie jenseits des eisernen Vorhangs wird ebenso gehuldigt wie den frühen Protagonisten, die mit Sputnik, Mercury und Co. in Umlaufbahnen befördert wurden.

Die Hündin Laika als erstes Lebewesen im All und ihre amerikanischen Kollegen, die „Monkeynauten“ um den Schimpansen Ham – Helden in der Frühphase des Wettlaufs ins All, den die Sowjetunion mit dem Flug von Juri Gagarin gewann, während die USA ihrem Astronauten Neil Armstrong einen besonderen Spaziergang ermöglichte.

„Die Mondlandung fasziniert die Menschen bis heute, diesem Ereignis tragen wir mit einem besonderen Exponat Rechnung“, verspricht Kuratorin Claudia Dichter. Das Bett, in dem Neil Armstrong („Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit“) seine erste Nacht nach der Rückkehr vom Erdtrabanten verbrachte – kein alltägliches Anschauungsobjekt, um sich dem Phänomen Mondflug zu nähern.

Zur raumfahrerischen Wirklichkeit gesellt sich immer wieder der Aspekt von Kunst und Fiktion. Werke von Peter Paul Rubens, Max Ernst oder William Turner zeugen von der Faszination, die das All seit Jahrhunderten in diesen Bereichen entfacht hat – bis hin zu wahnwitzigen Comics aus den 50er und 60er Jahren.

Ein zentraler Raum widmet sich den Helden der Kinoleinwand, dort wird das Gedankenspek-trum der Science-Fiction-Historie erlebbar: Die Androiden aus George Lucas’ Star-Wars-Universum teilen sich die Großvitrine mit dem putzigen E.T. und Ridley Scotts furchteinflößendem Alien, während über ihnen das Raumschiff Enterprise schwebt.

„Wissenschaft und Fiktion unterliegen seit Ewigkeiten einer Wechselwirkung“, sagt Stephan Andrae. „Hollywood und die Nasa zum Beispiel haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gegenseitig etwas abgeschaut.“

Aus aller Welt

Teleskope und Sternenkarten, frühe Mars-Globen und echter Mondstaub – weitere greifbare Fixsterne am Firmament einer Ausstellung, die aus Sammlungen und Museen aus aller Welt zusammengetragen wurde. Bereits der Weg in die Bundeskunsthalle wird imposant gewiesen.

Draußen auf dem Museumsvorplatz an der Bonner Friedrich-Ebert-Allee, wo noch bis 2012 ein gewaltiges Zeltdach den Horizont begrenzte, steht seit einigen Wochen eine Kopie der europäischen Ariane-5-Rakete im Maßstab 1:5. Moderne Technik vor der Kulisse des bedeutenden Kunsthauses – kein erstmaliges Szenario, betonen die Ausstellungsmacher.

„Wir setzen hier die Tradition der interdisziplinären Ausstellungen fort. Es hat in der Vergangenheit immer wieder Symbiosen von Kunst, Kultur, Technik und Wissenschaft gegeben“, sagt Stephan Andrae.

Nach der Eröffnung am 2. Oktober kommt man in Bonn dem Weltall ein Stück näher, und das auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten: Zum umfangreichen Angebot der Zusatzveranstaltungen (siehe Box) gehört etwa eine Liveübertragung der geplanten Landung der Raumsonde „Rosetta“ auf dem Kometen „67P/Tschurjumov-Gerasimenko“. „Faszinierend“, würde wohl ein gewisser Mr. Spock sagen.

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