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Ausstellung in Tongeren: Schönheit im Wandel der Zeit

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Die Schönheit immer im Blick: Marc Lagrange.
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Black Flower
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Aphrodite Foto: Marc Lagrange, 2013 © Atelier Lagrange
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Vogelförmiges Fläschchen mit Schminke Material: Glas Datierung: 15 - 40 n. Chr. Fundort: Nijmegen, Niederlande © Museum Het Valkhof, Nijmegen
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Mrs. Brown.
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Kopf einer Statue der Aphrodite/Venus Material: Marmor Datierung: 125 - 50 n. Chr. Fundort: Köln © Römisch-Germanisches Museum der Stadt Köln
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Grabplatte einer Frau Material: Kalkstein Datierung: 200 - 300 n. Chr. Fundort: Palmyra, Syrien © Musée Royal de Mariemont,
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Mumienporträt einer Frau Material: Bemaltes Holz Datierung: 150 - 200 n. Chr. Fundort: Fayum, Ägypten © Rijksmuseum van Oudheden, Leiden

Region. Venus, Göttin der Liebe und der weiblichen Schönheit: symmetrisch das Gesicht, sorgfältig frisiert die Haare, die Haut so weiß wie Schnee – allerdings aus Marmor, geschaffen von einem antiken Bildhauer. Das göttliche Haupt ist einer der Blickfänge in einer ganz und gar ungewöhnlichen, höchst inspirierenden Sonderausstellung im Gallo-Römischen Museum im belgischen Tongeren.

Das Haus, 2011 zum „Europäischen Museum des Jahres“ erklärt, setzt immer wieder ganz besondere Akzente, um die spannende Vergangenheit lebendig werden zu lassen oder den nachhaltigsten Mythen der Geschichte auf den Grund zu gehen. Diesmal heißt das Thema „Timeless Beauty“ (Zeitlose Schönheit), das bis zum 30. Juni in vielen Facetten zu erleben ist.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen über 2000 Jahre hinweg – mit Fragen wie diesen: Wie sah die ideale Frau nach Ansicht der Römer aus? Was taten römische Frauen, um das Ideal zu erreichen? Sind die antiken Schönheitsideale tatsächlich zeitlos? Das Außergewöhnliche dabei: Authentischen Relikten und Objekten, die Geschichten erzählen, werden sinnliche Aktbilder des 2015 verstorbenen belgischen Kunstfotografen Marc Lagrange gegenübergestellt – zum Teil in riesigen Formaten.

Schminken vor 2000 Jahren

Wie schminkten sich also die Damen vor 2000 Jahren? Was befand sich in einem römischen Schminkköfferchen? Welchen Schmuck trugen sie? Originalobjekte – Statuen, Skulpturen und Schönheitsutensilien – finden sich neben multimedial inszenierten filmischen Szenen auf kleinen Bildschirmen. Sie demonstrieren, wie sich die Damen der Elite im alten Rom aufzuhübschen pflegten. Am Ende der Schau erzählen heutige Frauen jeden Alters in einzelnen Filmen, wie sie ihren Körper erfahren.

Und so taucht der Besucher ein in stimmungsvoll ausgeleuchtete Räume der Vergangenheit und Gegenwart, in Bereiche, die nur durch schwarze, halbtransparente Stoffwände voneinander getrennt sind. Zitate von antiken römischen Autoren kommentieren zum Teil ironisch die jeweiligen Aspekte der Schönheitsthematik.

Der unsterbliche Mythos

Die didaktische Begleitung ist diesmal nur dreisprachig – Texttafeln und Audioführer gibt es auf Französisch, Niederländisch und Englisch. Deutsche Besucher sind gleichwohl sehr willkommen und werden nicht alleine gelassen: Sie bekommen den Audioführer original ins Deutsche übersetzt in Textform in die Hand gegeben und so auch die Erklärung an insgesamt 28 Stationen der Ausstellung.

Venus – der unsterbliche Mythos: Die Göttin war im Leben der Römer allgegenwärtig: auf Spiegeln, Lampen, allen möglichen Gebrauchsgegenständen, als Statue in Tempeln, Parks, Gärten und Privathäusern. Die Archäologen haben im Römischen Reich überall Tausende von Darstellungen gefunden. Sie verkörperte das Ideal weiblicher Schönheit schlechthin. Dabei kopierten die römischen Bildhauer erotische Posen vom griechischen Vorbild Aphrodite. Besonders beliebt: die Darstellung der Venus, wie sie gerade aus dem Bad kommt und sich die Haare auswringt. Dem Mythos zufolge soll sie ja aus dem Schaum des Meeres geboren sein.

Im Verlauf der Ausstellung gelangt man in einen intimen Bereich, in dem Exponate wie „Juwelen”, „Parfüm”, „Kleidung” oder „Make-up“ gezeigt werden. In drei großen Würfeln können die Besucher mehr über Themen wie „Alter”, „Körperbau” und „Haut” erfahren. An den Außenseiten werden Fotos von Lagrange gezeigt, die Innenseite ist der Entdeckung der Objekte vorbehalten.

Zeitlose Schönheit: Auf nichts trifft das Attribut wohl derart treffend zu wie auf Parfümfläschchen. Die gleiche Sorgfalt, wie sie die Parfümhersteller vor 2000 Jahren und heute ihren duftenden Kreationen schenken, beweisen sie auch noch stets gegenüber den Flakons – edel sind sie geformt, gerne vergoldet und mit schlankem Hals versehen. Und was befand sich darin?

Duftende Essenzen aus Blumen und Pflanzen wie Rosen, Iris, Majoran, Dill, Safran, Myrte, Henna oder Zimt. Der Dichter Martialis spottete über eine gewisse Gellia:

„O liebe Gellia, rieche ich den Duft
den Cosmus für dich ausgesucht hat,
so scheint es, als habe der Parfümier
dir sein halbes Geschäft verkauft.
Versuche doch einmal, die exotischen Düfte etwas weniger großzügig zu verwenden, denn, liebe Gellia, mit diesem ganzen Zeug würde sogar mein Hund noch gut riechen.“

Wo gäbe es Schönheit ohne Spiegel? Ein zentrales Thema der Ausstellung. Die Römer verwendeten Handspiegel, die meist klein, rund und mit einem Griff versehen waren wie ein silberfarbenes Exemplar in der Schau. Es hat die Form einer Fantasiefigur, bestehend aus einem Frauenkopf und einem Jungenkörper mit Flügeln, unter dessen Füßen eine Theatermaske liegt.

Römische Spiegel bestanden nicht aus Glas: Sie wurden aus Bronze oder Silber gefertigt und wurden so bearbeitet, dass sie glänzten und möglichst die ganze Schönheit so gut es ging widerspiegelten. In der römischen Kunst kamen Spiegel häufig vor. Als Attribut einer Frau galt das als großes Kompliment an ihre Schönheit.

Ovid mochte hingegen Spiegel überhaupt nicht:

„Meine Corinna ist eine Schönheit.
Das weiß sie leider nur allzu gut und ist deshalb oft böse auf mich. Das macht mich traurig. Warum tut sie das? Grund dafür ist ihr Spiegel!
Durch ihn werden Menschen hochmütig.“

Zumindest die Randbedingungen des Schönheitsideals, das trifft unbedingt zu: Sie sind wirklich zeitlos!

Gelegentlich muss der Schönheit allerdings ein wenig nachgeholfen werden, das wusste auch bereits die Römerin. In Nijmegen fanden Archäologen in Gräbern aus der Römerzeit gläserne Behältnisse mit originalem Schminkpulver aus der Zeit: rotes Puder, das dazu diente, die Wangen und wahrscheinlich auch die Lippen zu schminken. Es bestand aus Kreide und Purpurin, einem Farbstoff, der aus der Krappwurzel gewonnen wurde. Sehr viel teurer war rote Schminke aus einem Pulver, das aus dem Sekret einer Drüse der Purpurschnecke hergestellt wurde.

Die Worte des Dichters Ovid sind in dem Zusammenhang als absolut zeitlos zu empfehlen:

„Lass’ die Cremetöpfen aber nie so auf dem Tisch stehen, dass dein Liebhaber sie sehen kann: Schönheit ist eine Kunst, die ein Geheimnis birgt.”

Wenn das nicht der gemeinsame Nenner ist, auf den man sich tatsächlich bei der Frage nach zeitloser Schönheit einigen kann! Ansonsten muss sie jeder Besucher im Vergleich der antiken mit den heutigen Idealen für sich beantworten. Was damals Statuen und Skulpturen als Schönheit propagierten, tun heute die Models und Schauspielerinnen – aber bei denen wechseln die Ideale ja gar nicht so zeitlos allein schon durch ihr Gewicht…

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