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Außen Holz, innen Beton: Revolution!

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
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Initiative Aachen "Stadt.Plan!", S-Forum, Sparkasse, Kleinmarschierstraße, für Region im Bild:

Aachen. Der Ort Dornbirn im österreichischen Vorarlberg ist der Aachener Region – und wohl auch sämtlichen Teilen der restlichen Welt – ein gehöriges Stück voraus. Denn was in der Stadt passiert, ist für Uwe Möller nicht mehr und nicht weniger als „eine Revolution im Städtebau“.

Was der 77-jährige Ökonom meint: Mit dem sogenannten Life-Cycle-Tower kann ein 100 Meter hohes CO2-neutrales Holzhy­bridhaus mit bis zu 30 Geschossen entstehen. Ein erstes, kleineres Gebäude wurde jüngst eröffnet. „Außen aus Holz, innen aus Beton“, erläutert der Ehrenpräsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, der auf Einladung der Ini­tiative Aachen referiert.

Gegen das „Mehr, Mehr, Mehr“

„Stadt. Plan! Wie wir morgen in unseren Städten leben“ heißt die Veranstaltung. Und so wie in Dornbirn wird weltweit noch nirgends gelebt und gearbeitet. Auch nicht in Aachen. „Faszinierend“, findet Möller, der vor rund 160 Gästen im Geiste des Club of Rome nicht nur das Projekt im Vorarlberg lobt, sondern vehement eine Abkehr von der „Verschwendungsökonomie des Mehr, Mehr, Mehr“ fordert. Denn: „Wir überstrapazieren die Erde.“ Und 40 Prozent des globalen Ressourcenverbrauches entfällen auf die Bauwirtschaft.

Gebaut wird auch in Aachen.Nicht nur Häuser, vielleicht auch bald das 240-Millionen-Euro-Projekt Campusbahn, das nach Ansicht von Günther Schuh, Geschätsführer der RWTH Campus GmbH, auch etwas Revolutionäres hat. Denn der Clou der Bahn ist nicht unbedingt, dass sie über zwölf Kilometer zwischen Uniklinik, City und Aachen-Brand verkehrt, außerhalb der Innenstadt den Strom aus Oberleitungen bezieht und im Zentrum aus Batterien gespeist wird. Vielmehr soll es ein umfassendes Projekt der E-Mobilität werden. Batteriebetriebene Linienbusse sollen etwa die Oberleitungen streckenweise mitbenutzen und so ihre Batterien aufladen.

Doch das Projekt ist umstritten. An der – nachhaltigen – Zukunft scheiden sich die Geister, weil sie viel Geld kostet, weil an Sinn und Nutzen gezweifelt wird. Ein Bürgerentscheid im kommenden Jahr ist wahrscheinlich. „Ich verstehe nicht, dass man zu einem so frühen Stadium schon so fundamental gegen solche Ideen sein kann“, sagt Schuh. Und Oberbürgermeister Marcel Philipp meint mit Blick auf die Protestkultur zu Stuttgart21 gar: „Wutbürger gibt es auch in Aachen, vor allem, wenn sie anonym auftreten können. Das ist unsäglich.“ Doch der OB ist zuversichtlich. „Aachen wacht auf. Die Furcht wird sich umkehren.“

Eingebettet ist die Campusbahn in den Masterplan „Aachen 2030“, den die Politik noch vor Weihnachten verabschieden will. Antworten auf die Fragen, wofür Aachen steht, habe es schon vorher gegeben, sagt Philipp auf Nachfrage von Moderator Bernd Ma­thieu, Chefredakteur unserer Zeitung. „Doch wir haben uns verbessert.“ Und so soll schon bald nachzulesen sein, wie die Kaiserstadt sich strategisch auf den demografischen Wandel einstellt, welche verkehrspolitischen und städtebaulichen Ideen vor dem Hintergrund der Ressourcenverknappung und des Klimawandels entwickelt werden. „Der Masterplan ist ganz etwas Besonderes“, sagt Schuh: „Den brauchen wir auch national und europäisch. Das vermisse ich fundamental.“

Während darauf wohl noch länger zu warten ist, haben sich die Städteregion und deren angehörige Kommunen auf den Weg gemacht, berichtet Städteregionsrat Helmut Etschenberg mit Blick auf Klimaschutzkonzepte, das Pumpspeicherkraftwerk am Rursee oder andere „grüne“ Projekte. „Aus den strukturellen Problemen der Eifel erwächst so eine Zukunftsperspektive“, sagt Etschenberg. Zumal es Kooperationen mit lokalen Akteuren wie der Stawag und der Trianel gebe.

Das ist Musik in den Ohren von Uwe Möller, der nicht nur den nachhaltigen Umbau der Städte propagiert, sondern auch Kooperationen im regionalen Bereich. Die Städteregion nennt er eine „Musterregion, in der es mit der Kooperation klappt“. Man arbeite daran, meinen Etschenberg und Philipp, die die Städteregion als „Zwischenschritt zu mehr“ sehen. Etschenberg: „Dies muss in einer weitergehenden Kooperation enden. Wo keine Kooperation stattfindet, steht man auf der Verliererseite.“

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