Aachen - Auf direktem Weg in den Hörsaal

Auf direktem Weg in den Hörsaal

Von: Christina Diels
Letzte Aktualisierung:
kinderuni
Rund 1000 Kinder waren diesmal bei der Kinderuni dabei. Foto: Steindl

Aachen. Drehen Sie, wenn möglich, um! Diese unmissverständliche Bitte von Navigationsgeräten kennt fast jeder. Auch Dirk Abel. Aber den Weg vom Institut für Regelungstechnik in Aachen zum Hörsaal Audimax kennt der 52-Jährige im Schlaf.

Im Wintersemester steht er jeden Montag im größten Hörsaal der RWTH vor seinen Studenten. Am Freitag ist er auch dorthin gefahren. Und zwar zur Kinderuni mit rund 1000 jungen Hörern.

Nach 50 Metern fahren Sie geradeaus.

Abel ignoriert die Anweisung. Die Baustelle am Anfang der Strecke kennt das Navigationsgerät nämlich nicht. Abel biegt erst rechts ab, dann links, und ehe das Gerät den Schlenker bemerkt, fährt er wieder auf der direkten Route zum Hörsaal. Dort erklärt er dem wissenschaftlichen Nachwuchs, wie ein Navigationsgerät funktioniert. Nach 200 Metern biegen Sie rechts ab.

Woher das Navigationssystem weiß, wo wir sind? „Die Ortsbestimmung ist nichts anderes als Entfernungsmessung”, erklärt Abel. „Und dazu braucht man Satelliten.” Jeder Satellit, der für die weltraumgestützte Navigation unsere Erde umrundet, schickt „seine” Uhrzeit und die augenblickliche Position zum Navigationsgerät im Auto. Das Gerät vergleicht die „eigene” Uhrzeit mit diesen empfangenen Zeitinformationen und kann so den Abstand zu jedem Satelliten bestimmen. Und vergleicht das Gerät die Zeitinformationen verschiedener Satelliten, deren Positionen ja bekannt sind, grenzt es den Standort des Autos auf der Erde ein.

Am Ende der Straße biegen Sie links ab, dann biegen Sie rechts ab.

Damit sich die Kinder das vorstellen können, baut Abel eine Szene auf. Er bestimmt ein Mädchen, das von ihrem Platz aus die Rolle eines Satelliten spielt. Mit einem langen Seil, dessen Ende sie in der Hand hält, wird die Entfernung gemessen. Ein Junge, den Abel auf die Bühne holt, hält das andere Ende und läuft mit gespanntem Seil eine Kreisbahn ab. Ein zweiter Satellit kommt hinzu. Das Spiel mit dem gespanntem Seil wiederholt sich - und an einem Punkt überschneiden sich die Seile.

Mittels Entfernungsmessung zu den zwei „Kindersatelliten” bestimmt Abel die eigene Position auf der Bühne. „Eigentlich brauche ich einen dritten Satelliten, um den Punkt im Raum zu bestimmen”, sagt Abel. Und einen vierten, der die genaue Uhrzeit der Satelliten abgleicht. Damit man immer Kontakt hat, erklärt Abel, braucht man rund 30 Satelliten, die um die Erde schwirren. Für die Kinderuni reicht der einfache Versuch in der Ebene.


Biegen Sie rechts ab. Dann haben Sie Ihren Bestimmungsort erreicht.

Das amerikanische System GPS (kurz für Global Positioning System) leitet den Professor durch die Stadt. Die Europäer bauen noch an ihrem eigenen Satelliten-Navigationssystem Galileo. „Das ist benannt nach einem berühmten Forscher, der in Italien gelebt hat”, erzählt Abel den Kindern. Und er zeigt ihnen, was er und seine Kollegen aufbauen wollen: nicht nur Navigationssysteme, die den Weg aufzeigen, sondern Fahrerassistenzsysteme, die das Auto automatisch abbremsen und ausweichen, um Unfälle zu vermeiden.

Und damit Abel und sein Team nicht warten müssen, bis die Satelliten für Galileo in den Himmel geschossen werden, wollen sie mit Pseudoliten arbeiten. Also Sendern auf der Erde, die die Signale nachahmen, die später von den Satelliten im Himmel kommen. Ein Testzentrum für Schienenfahrzeuge steht in Wegberg-Wildenrath, eines für Autos in Aldenhoven.

Sie haben Ihren Bestimmungsort erreicht!

Ob der Professor die Kinder mit seinen Erklärungen erreicht? „Vielleicht ist der ein oder andere Mini-Einstein darunter”, hofft er.


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