bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Auf den Spuren der Orchideen

Von: Christoph Wendt
Letzte Aktualisierung:
7749741.jpg
Von Christoph Wendt Überall sind hängende Menschen zu sehen, klebrige Zungen reichen bis fast auf den Boden hinab. Wer viel Glück hat findet ein paar bunte Pantoffel der Muttergottes, dann wieder begegnet er roten und weißen Waldvögelein, die aber wed
7754319.jpg
Bildnummer: 56085568 Datum: 09.07.2004 Foto: Panorama Panoramic shots Panorama Panoramas Panoramic Photography Format
7754419.jpg
Eifellandschaft an der Ahr: Sie ist zu jeder Jahreszeit reizvoll. Foto: Ahrtal-Tourismus
7754346.jpg
Sie stehen unter besonderem Schutz: Orchideen. Deshalb erfreuen sich Naturfreunde ausschließlich an ihrem Anblick und lassen sie natürlich in der Wiese stehen. Foto: stock/Imagebroker

Region. Überall sind hängende Menschen zu sehen, klebrige Zungen reichen bis fast auf den Boden hin- ab. Wer viel Glück hat, findet ein paar bunte Pantoffel der Muttergottes, dann wieder begegnet er roten und weißen Waldvögelein, die aber weder zwitschern noch flöten, sondern ganz still im Schatten unter den Büschen stehen, als ob sie darauf warteten, entdeckt und bewundert zu werden.

Unter mächtigen Buchen scheinen bleiche Vogelnester von den Bäumen gefallen zu sein. An anderen Stellen sieht es aus, als seien Dutzende von großen bunten Fliegen oder Hummeln an kleinen Pflanzen festgeklebt.

Wenn im Mai und Juni auf den Kalkböden an der oberen Ahr die wilden Orchideen blühen, sind der Fantasie der Menschen bei ihrem Anblick keine Grenzen gesetzt, werden lichte Wälder, trockene Rasenhänge und verschwiegene Bachtäler zu abenteuerlichen und aufregenden Fundplätzen.

Wir wollen uns aufmachen, auf einer leichten Wanderung das Orchideenparadies im Bereich der Alendorfer Wacholderheide zu durchstreifen, wobei wir sicher sein können, bis Ende Juni mindestens 15 verschiedene blühende wilde Orchideen zu Gesicht zu bekommen. Das ist ein Viertel aller in Deutschland vorkommenden Orchideen überhaupt. Aber Vorsicht vor falschen Erwartungen: Beim Namen Orchidee denkt man meist an jene großen, bizarr geformten, gefärbten und mitunter betäubend duftenden Blütengestalten, die in der Regel als Schmarotzer auf den Bäumen im feucht-warmen Halbdunkel tropischer Regenwälder wachsen. Unsere einheimischen Orchideen sind von wenigen Ausnahmen abgesehen nicht so groß, nicht so bunt und nicht so wohlduftend wie ihre tropischen Verwandten. Dennoch sind sie die schönsten und am meisten bewunderten wild wachsenden Blumen bei uns.

Hauptblütezeit ist die Zeitspanne zwischen Ende April und Anfang September. Dann geht es blütemäßig in den sogenannten Kalkmulden und Wacholderheiden im Gebiet der Gemeinden Bad Münstereifel, Kall und Blankenheim zwischen den Tälern der oberen Ahr und der oberen Kyll hoch her. Warum? Auf diese Frage haben die Botaniker eine ganz einfache Antwort: Die meisten Orchideenarten brauchen Kalkböden, um zu gedeihen.

Noch etwas sollte man wissen, ehe man auf Orchideensafari geht: Orchideen sind streng geschützt. Es ist absolut verboten, sie abzupflücken oder auszugraben, um sie daheim im Garten anzusiedeln. Das würde ohnehin nicht gelingen. Diese Pflanzen brauchen zu ihrer Entwicklung und zum Gedeihen ganz bestimmte Pilze im Boden. Ohne die kommt nicht einmal der überaus feine Samen zum Keimen. Also nur anschauen und nach Herzenslust fotografieren oder filmen.

Sie, liebe Leser, die sich auf Orchideenwanderschaft begeben, sollten Verständnis dafür haben, dass aus Naturschutzgründen die genauen Standorte der schönsten und wichtigsten Orchideen hier nicht angegeben werden. Selbst wenn der Standort von Frauenschuh oder Bocksriemenzunge bekannt ist, kann es Enttäuschungen geben, wenn man die Blüten nicht findet. Einige Orchideen reagieren auf starke Störungen ihrer nächsten Umgebung wie ein scheues Tier. Es kann vorkommen, dass sie für Jahre spurlos verschwinden, dann aber plötzlich wieder an der alten Stelle blühen. Es gibt nur noch wenige Plätze in Deutschland, an denen diese auffallend gefärbten und gestalteten Blüten etwa des Frauenschuhs oder der Bocksriemenzunge zu entdecken sind, ein paar Exemplare wissen Kundige nahe der oberen Ahr zu finden.

Wir starten unsere etwa zehn Kilometer lange, bequeme Wanderung an der alten Kirche von Alendorf in der Gemeinde Blankenheim, vor dem Ort rechter Hand gelegen, wenn man aus Richtung Blankenheim kommt. Hier gibt es auch Parkplätze.

Zunächst geht unser Weg über die mit einer symbolisierten Orchideenblüte markierten Route. Von der Kirche aus wird die Straße überquert, es geht, von der Orchideenblüte geführt, geradeaus, dann scharf rechts dem vor uns aufragenden Kalvarienberg entgegen, zu dem hinauf der Weg von den markanten Figuren eines aus Sandstein gearbeiteten Kreuzweges führt. Dieser Kreuzweg aus dem 17. Jahrhundert ist ein bedeutendes Kulturdenkmal der Region.

Was duftet da nach Vanille?

Es lohnt sich beim Aufstieg zum Gipfelkreuz auf dem Kalvarienberg hier und da ein paar Schritte nach links und rechts zwischen die Wacholdersträucher zu machen. Dort blühen viele der interessanten Fliegenorchideen und die Waldhyazinthe, deren Blüten zwar unscheinbar sind, aber intensiv nach Vanille duften. Auch wilde Akelei blüht hier bis in den Juni, Sonnenröschen und die kleine blaue Kugelblume.

Bei klarem Wetter geht der Blick vom Gipfel weit über die hier beginnende Vulkaneifel, wobei Aremberg und Hohe Acht, die höchste Erhebung der Eifel, sichtbar sind. Anschließend müssen wir wieder hinab vom Gipfel, gehen unten geradeaus bis zum zweiten Querweg, einem Wiesenweg. Er bringt uns nach links alsbald zur Straße. Ihr müssen wir etwa 50 Meter nach rechts folgen bis zur scharfen Linkskurve. Wir gehen geradeaus, folgen jetzt ohne Markierung einem zunächst asphaltierten Wirtschaftsweg, der alsbald nach links abschwingt.

Das Waldvögelein

Unser Orchideenweg führt geradeaus nun für lange Zeit immer am Rande des Waldes entlang, den wir rechts haben. Hier lohnt es sich, die Augen besonders intensiv auf das Buschwerk neben dem Weg zu richten. Neben der Waldhyazinthe gibt es hier vereinzelt das seltene weiße Waldvögelein mit seinen großen weißen Blüten.

Später führt unser Weg, der nun nur noch ein Wiesenpfad ist, abwärts in ein kleines Wald-Wiesental, wo wir wieder einen festen Wirtschaftsweg erreichen. Ihm ist nach links zu folgen bis zum Ende des Zauns, den wir zur rechten Hand hatten. Wir biegen rechtwinklig nach rechts in eine feuchte Wiesenpartie, wo verschiedene Knabenkräuter wie das Mannsknabenkraut und das fleischfarbene Knabenkraut blühen. Am Wald angekommen halten wir uns nach links, tauchen in den lichten Buchenwald ein, in dem häufig die Vogelnestorchis zu finden sind. Später gibt es am Wegesrand die Helmorchis zu finden, und in den Wiesen links unterhalb des Weges blüht die stark duftende Händelwurz.

Wir kommen an lichten Wacholder- beständen vorbei, in denen immer wieder große und kleine Orchideen zu finden sind. An einer Wegekreuzung stoßen wir auf den mit „W“ markierten Wacholderweg, dem wir nun leicht abwärts erst nach links, dann nach rechts folgen. Unterhalb der manchmal als Jungviehweiden genutzten Wiesen wird die Straße von Ripsdorf nach Dottel sichtbar. Das „W“ bleibt unsere Markierung, die nun durch die Wiesen abwärts führt zur Straße. Sie ist zu überqueren, dann stehen wir am Fuße des Lampertsberges vor einer großen Orientierungstafel über das Naturschutzgebiet Lampertsbachtal.

Ein bequemer Wirtschaftsweg führt zum Lampertsberg hinauf, den wir auf einem Pfad überqueren. Viele Fliegen- orchideen blühen hier oben. Wir müssen uns jetzt wieder ohne Markierung rechts halten und kommen auf den Abstieg zu einem aufgelassenen Steinbruch.

Haben wir ihn erreicht, heißt es nun etwa einen Kilometer der Straße nach links Richtung Dottel zu folgen. Kurz vor der Brücke, über die die Straße den Bach überquert, zweigt ein Wiesenweg nach rechts ab. Der Weg bringt uns nun durch das an Blumen reiche Lampertsbachtal zurück nach Alendorf. Hier ist die Wanderung, die das Herz eines jeden Blumenfreundes höher schlagen lässt, zu Ende.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert