Auf Betteltour für das eingestürzte Kölner Stadtarchiv

Von: Kristina Kiauka, dpa
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Helfer suchen in Köln in den Trümmern des Historischen Stadtarchivs nach Dokumenten. Foto: dpa

Köln. Es hilft kein Jammern, sondern nur Bares. „Wir brauchen Geld ohne Ende”, sagte die Leiterin des eingestürzten Historischen Stadtarchivs, Bettina Schmidt-Czaia, am Mittwochabend in Köln. Am 50. Tag der Bergungsarbeiten gab sie Kölner Bürgern und Studenten eine Gesamteinschätzung der Situation.

Trotz einiger Erfolgserlebnisse lasse sich die Katastrophe nicht relativieren. Die Restaurierungsarbeiten würden Jahrzehnte andauern.

Vor allem noch zahlreiche im Grundwasserbereich vermutete Dokumente bereiten der Archivleiterin Sorgen. Doch Schmidt-Czaia geht davon aus, dass rund 70 bis 80 Prozent der Archivalien gerettet werden können.

Die Einsatzkräfte haben bereits mehr als 17 der insgesamt 30 Regalkilometer des ehemaligen Archivs geborgen, in unterschiedlichem Zustand. Oft seien nur „Schnipsel” erhalten, die in Wannen auf ihre weitere Behandlung warteten. Während der Bergungsarbeiten hatte es immer wieder Erfolgserlebnisse gegeben.

So wurden zum Beispiel die Nobelpreisurkunde Heinrich Bölls gefunden, wertvolle Handschriften von Albertus Magnus und Schlüsseldokumente der Kölner Stadtgeschichte sowohl aus dem Mittelalter als auch aus der Oberbürgermeisterzeit des späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer. Am vergangenen Wochenende war ein noch intakter Kellerbereich mit Archivalien freigelegt worden.

Auch für den zunächst an ungünstiger Stelle vermuteten Nachlass Bölls stehen die Prognosen gut. Schmidt-Czaia geht davon aus, dass „viel davon gerettet sein wird”. Gut eine Woche vor dem Einsturz hatte die Familie des Schriftstellers dem Archiv private Dokumente anvertraut, etwa Fotos, Briefe und Manuskripte des Autors.

Schmidt-Czaia drängt nun zu einem raschen Aufbau eines Restaurations- und Digitalisierungszentrums. In der zweiten Jahreshälfte soll dies nach Möglichkeit geschehen, so ihr Wunsch. Die meisten Archivalien werden zurzeit in einem Zwischenlager sortiert und von da aus auf Archive in NRW verteilt.

Bei ihrer Arbeit erhielten die Kölner von Beginn an große Unterstützung. So kamen Helfer auch aus Australien, Kanada und Neuseeland. Ganze Archivteams schlossen vorübergehend ihren Betrieb, um mitzuhelfen, zum Beispiel aus der Lausitz. Außerdem helfen seit Ostern auch Ein-Euro-Jobber in dem Zwischenlager aus.

Das Stadtarchiv war am 3. März mit zwei Nachbargebäuden eingestürzt. Zwei junge Männer starben. Vermutlich hatten Grundwasserprobleme beim nahen U-Bahn-Bau das Unglück ausgelöst.

Das Kölner Stadtarchiv galt als eines der größten europäischen Dokumentationszentren. Es umfasste 65.000 Urkunden ab dem Jahr 922, rund 150.000 Karten und Pläne und eine halbe Millionen Fotos sowie 800 Nachlässe von Literaten, Architekten, Politikern und Komponisten von Weltrang.
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