Aachen/Region - „Audi-Bande“: Mutmaßlicher Geldautomaten-Sprenger vor Gericht

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„Audi-Bande“: Mutmaßlicher Geldautomaten-Sprenger vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Insgesamt werden ihm 17 Fälle wegen schweren Diebstahls vorgeworfen.
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Tatorte: In Dremmen scheitert die Audi-Bande.
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Tatorte: Die Raiffeisenbank in Hottorf bekommt im November 2016 ungebetenen Besuch.
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Tatorte: In der Sparkasse in Beggendorf gehen beim Überfall am 3. März 2016 die Scheiben zu Bruch.

Aachen/Region. Die Beute war mal fünf-, mal sechsstellig, die die beiden mutmaßlichen Mitglieder der sogenannten „Audi-Bande“ mit ihren spektakulären Sprengungen von Geldautomaten erbeuteten. Insgesamt sollen ihnen im Frühjahr 2016 bei 17 erfolgreichen oder versuchten Überfällen in der hiesigen Region und am Niederrhein knapp 700.000 Euro in die Hände gefallen sein.

Sie schlugen fast immer nachts zwischen zwei und vier Uhr in der Frühe zu, und das mit einem großen Knall, wenn der Geldautomat durch das eingeleitete Gasgemisch explodierte. Dann nahmen sie die Kassetten an sich, rasten mit einem dicken Audi RS über die nahe Grenze davon und verschwanden mit dem Geld.

Allerdings nicht immer, denn bei den angeklagten 17 Fällen, für die sich der 29-jährige Fouad E. aus dem niederländischen Utrecht jetzt in Aachen vor Gericht verantworten muss, gab es elf Fehlversuche. „Nur“ in sechs Fällen hatte das niederländische Audi-Duo Kasse gemacht.

Zwischen Februar und April 2016 soll der Angeklagte mit einem weiteren, noch nicht gefassten Mittäter, in der Region Aachen, im Kreis Kleve und am Niederrhein Geldautomaten in die Luft gesprengt haben. Von den 17 angeklagten Fällen wegen schweren Diebstahls und dem „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“, wie es juristisch heißt, lassen sich neun in der hiesigen Region zwischen Dremmen, Waldfeucht, Baesweiler und Linnich verorten.

Der Angeklagte sagte am Donnerstag beim Prozessauftakt vor der 3. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht nichts zu den Vorwürfen. Auf Fragen des Vorsitzenden Richters Thomas Küpper zu seiner Person antwortete er jedoch, sein Verteidiger hatte das schriftlich vorbereitet.

Der Niederländer besitze gleichzeitig die marokkanische Staatsbürgerschaft, erklärte Anwalt Christoph Pawlowski. Fouad selber gab an, er habe eine Schule besucht, sie mit dem Beruf „Buchhalter“ abgeschlossen, letztlich aber seinem Vater in Utrecht regelmäßig bei seinen Marktständen „im Bekleidungssektor“ geholfen.

Der Angeklagte war am 23. April dort in Utrecht festgenommen und dann im August 2017 nach Deutschland ausgeliefert worden, wie er am Donnerstag bestätigte. Eine DNA-Spur und der Fund von typischem Werkzeug für Automatensprengungen, insbesondere eines gelben Brecheisens, hatten die Ermittler auf die Täter-Spur gebracht.

Das Muster der Automatensprengungen durch niederländischen Banden, die nach Experten-Schätzungen weitläufig organisiert sind und rund 250 Mitglieder zumeist marokkanischer Herkunft haben, hat sich nicht geändert. Bereits vor etwa zwei Jahren gab es ein ähnliches Verfahren am Aachener Landgericht (siehe Kasten).

Auch Fouad E. soll mit seinem Kumpanen mit einem in den Niederlanden gestohlenen schnellen Audi RS (die Wagen haben je nach Motorisierung zumeist mehr als 500 PS) die grenznahen Bankfilialen heimgesucht haben. Die Täter hebelten die Automaten mit einem Brecheisen auf, leiteten aus Patronen das Gas ins Innere und zündeten sodann das Gemisch.

Doppelt geschädigt wurde eine Filiale in Waldfeucht. Sie stand gleich zwei Mal auf dem Zettel der Sprenger. Der erste Versuch am 4. März 2016 ging schief, am 8. April 2016 aber funktionierte es. Alleine hier erbeuteten die Täter 132.000 Euro, der Sachschaden beträgt rund 21.000 Euro.

Anders lief die Geschichte nachts am 2. und am 4. März in Übach-Palenberg, gleich zwei Mal gingen sie hier leer aus. Zwar funktionierten die Sprengungen, allerdings gingen die im Tresor eingebauten Farbpatronen los, die Beute wurde unbrauchbar und blieb zurück. Der Schaden betrug beim ersten Mal 90.000 und beim zweiten Überfall 70.000 Euro.

In der Gemeinde Selfkant scheiterten die Diebe ebenso wie in Baesweiler und Dremmen. In Erkelenz-Keyenberg hatten die Audi-Räuber bereits im Februar satte 90.000 Euro mitgehen lassen.

Anwalt Christoph Pawlowski zweifelte umgehend die Beweiskraft der gefundenen DNA-Spur an und will mit einem Beweisantrag untermauern, dass ein jeder das gelbe Brecheisen, dessen Spuren man an den Automaten fand, im Baumarkt kaufen könne, es sei ein weit verbreitetes Gerät des Herstellers Stanley.

Am 19. Februar wird ab 9 Uhr weiter verhandelt.

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