Auch Michalski muss mit Sicherungsverwahrung rechnen

Von: wos/dpa
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Peter Paul Michalski. Foto: Polizei

Aachen. Schlechte Prognose für den Aachener Gefängnis- Ausbrecher Peter Paul Michalski: Eine Gutachterin sieht bei dem 47- jährigen Schwerverbrecher Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherungsverwahrung.

„Bei Herrn Michalski kann man von einem eingeschliffenen inneren Zustand sprechen, Straftaten zu begehen”, sagte die Psychiaterin Konstanze Jankowski am Donnerstag vor dem Aachener Landgericht. Gefährlichkeit und Rückfallrisiko seien anzunehmen.

Michalski war im November 2009 mit Michael Heckhoff aus der JVA Aachen getürmt. Auf der Flucht hatten sie fünf Geiseln genommen. Auch Heckhoff muss mit Sicherungsverwahrung rechnen. Eine weitere Gutachterin war für ihn am Montag zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen wie nun für Michalski.

Jankowski skizzierte Michalski als Mensch mit zwei Gesichtern. Hier der freundliche Mann, kooperativ, konstruktiv, angepasst, der liest, lernt, um Defizite auszugleichen. Und auf der anderen Seite der Straftäter Michalski, der schon in seiner Jugend aus Heimen ausbrach, stahl, Polizisten verprügelte und einem Heimleiter die Knochen brach. Immer habe er sich bewusst für das eine oder andere Handeln entschieden, sagte Jankowski. Michalski habe sein breites Handlungsrepertoire.

Vor dem Ausbruch habe sich Michalski jahrelang gut geführt. Die JVA Aachen hatte den Häftling noch kurz vor der Flucht als unauffällig, angepasst und zukunftsorientiert beurteilt. Im Oktober 2009 wurde der Vermerk Fluchtgefahr in seiner Akte gelöscht. Die „unangepasste, nicht regelkonforme” Seite des Peter Paul Michalski schlummerte in dieser Zeit und wurde erst beim Ausbruch wieder sichtbar. Der Angeklagte sei „pädagogisch kaum beeindruckbar”, sagte die Gutachterin.

Michalski sitzt seit rund 22 Jahren in Haft. Zur Zeit verbüßt er eine lebenslange Haftstrafe für einen Mord bei einem Freigang. Wegen der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld wird Michalski nach Einschätzung seines Verteidigers wohl bis 2021 in Haft bleiben. Danach müsste er die neue Strafe verbüßen.

Am Nachmittag lehnte Heckhoff-Anwalt Rainer Dietz im Namen seines Mandanten die psychiatrische Hautgutachterin Dr. Annette Rauch (Aachen) wegen Befangenheit ab. Die Gutachterin sei bereits vor ihrem ersten Gespräch mit dem Häftling in der Justizvollzugsanstalt voreingenommen gewesen, Aufgrund der nach ihrer Meinung hohen Gefährlichkeit bestand sie bei dem Gespräch auf einer Trennscheibe. „Sie hatte mithin bereits da eine vorgefasste Meinung”, erklärte Dietz.

Rauch hatte sich in ihrem Gutachten am Dienstag für die weitere Verhängung von Sicherungsverwahrung für den Geiselgangster ausgesprochen. Über den Antrag wird die 8. Große Strafkammer am Aachener Landgericht am Montagmorgen entscheiden. Die Kammer terminierte im übrigen elf weitere Sitzungstermine weit über den Jahreswechsel hinaus. Der letzte Termin kann möglicherweise 11. Februar sein.
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