Arzt aus Vettweiß war KZ-Arzt

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
August Bender
Der letzte Landarzt in Vettweiß-Kelz, August Bender, ist Lagerarzt im Konzentrationslager Buchenwald gewesen. Wohl niemand in dem kleinen Ort bei Düren weiß das. Nicht einmal seinen Kindern hat er die Wahrheit über seine Zeit in dem Arbeitslager des NS-Regimes gesagt, in dem er als SS-Sturmbannführer für die Selektion der Häftlinge für die Arbeitskommandos zuständig war. Seine Nachlass bot die Basis für eine MDR-Dokumentation, die am Sonntag ausgestrahlt wird.

Vettweiß. Der letzte Landarzt in Vettweiß-Kelz, August Bender, ist Lagerarzt im KZ-Buchenwald gewesen. Niemand in dem kleinen Ort im Südosten des Kreises Düren wusste das offenbar bislang. Und bis Mittwoch kannte selbst sein Sohn Walter (72) nicht die ganze Wahrheit über den Vater, der vor sieben Jahren im Alter von 96 Jahren gestorben ist.

Am Sonntag nun wird zur besten Sendezeit eine Dokumentation im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) aus dem Nachlass August Benders zitieren - nur nebenbei, als Zeitzeugendokument für Ereignisse rund um Ilse Koch, die Frau des ersten Lagerkommandanten, deren Naturell ihr den Beinamen „Die Hexe von Buchenwald” eintrug. Und weil Benders Nachlass bislang völlig unbekannte Details über das Leben dieser Ilse Koch im Lager enthält, ist Bender selbst und seine Rolle in Buchenwald ebenfalls Teil der Dokumentation.

Der Nachlass Benders, 1909 in Kreuzau geboren, liegt seit 2006 im Bundesarchiv. Seit knapp zwei Jahren ist er digital erschlossen. Für die MDR-Dokumentation wurde er erstmals ausgewertet. Von 1938 bis 1939 soll August Bender erstmals Lagerarzt im Konzentrationslager Buchenwald gewesen sein. Das ist nach Angaben von Wissenschaftlern der heutigen Gedenkstätte auf dem Ettersberg bei Weimar aber nicht mit Sicherheit belegt.

Bender selbst bestritt das in seiner Vernehmung durch die Alliierten, deren Protokoll unserer Zeitung vorliegt. Sicher ist, dass Bender von 1939 bis 1944 Truppenarzt in der SS-Division Totenkopf war. Sicher ist auch, dass er ab August 44 - im Range eines SS-Sturmbannführers - im KZ Buchenwald am Nachmittag Standortarzt für die SS-Leute war sowie am Vormittag zweiter Lagerarzt - von zweien. Am 14. August 1947 wurde er zu zehn Jahren Haft wegen Mithilfe und Teilnahme an Gewaltverbrechen verurteilt.

Doch schon 1948 kam Bender wieder frei, kehrte zu Frau, Sohn und Tochter zurück und eröffnete 1949 die Landarztpraxis in Kelz. Der Familie erzählte er, man habe ihn nur aufgrund seines Ranges verurteilt. Im Ort gab es höchstens Gerüchte. Heute findet man kaum jemanden, der ein schlechtes Wort über August Bender verliert. „Er war ein verdammt guter Hausarzt”, sagt einer, der seit seiner Geburt Benders Patient war. 1988 schloss er die Praxis - mit 78 Jahren.
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