Anzügliche Saunagänge im Pfarrhaus

Von: Marlon Gego
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Was wussten Bistum und Generalvikariat in Aachen, die hinter diesen Fenster residieren? Manche meinen, das Bistum hätte genügend Indizien gekannt, denen zufolge Pfarrer K. eine Schwäche für seine Ministranten gehabt haben könnte. Foto: Andreas Steindl

Aachen/Johannesburg. Der aus Willich stammende Pfarrer Georg K. wartet in Südafrika weiter auf seinen Prozess wegen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Dabei tut er alles, um die Verhandlung zu verhindern oder wenigstens doch zu verzögern.

Vergangenen Dienstag nun hat der High Court in Pretoria/Südafrika einige Anträge des bis zu seiner Suspendierung in Diensten des Bistums Aachen stehenden K. zurückgewiesen: K. hatte unter anderem erwirken wollen, dass die betroffenen Jungen im Alter von jetzt zehn und elf Jahren persönlich vor Gericht gegen ihn aussagen, anstatt ihre Aussagen lediglich verlesen zu lassen. Wann die Hauptverhandlung nun beginnt, steht noch nicht fest.

K., heute 52, soll sich während einer Wochenendfreizeit im Februar 2008 den Kommunionskindern der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Johannesburg unsittlich genähert haben. Gleich nach der Rückkehr sagte ein damals Neunjähriger: „Der Pfarrer hat uns weh getan.” Die Eltern dachten zunächst an einen Unfall. „Beim Fußball?” „Nein, beim Kuscheln.”

Auch andere Kinder berichteten, was sich nachts mit dem Pfarrer im Schlafsaal zugetragen haben soll. K. habe sich zu ihnen in die Betten gedrängt, sie hätten Angst bekommen und geweint, sich verstecken und fliehen wollen. Als das nicht gelang, hätten sie gemeinsam versucht, Georg K. aus dem Bett eines Neunjährigen herauszuziehen. Auch dieser Versuch sei gescheitert, hieß es.

Die Eltern schalteten die Polizei ein, die Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. K., der seit 2007 die Exilgemeinde in Johannesburg betreut, wurde der deutsche Pass entzogen; er darf das Land nicht verlassen.

Die Details des Falles und schon länger bekannte Indizien werfen die Frage nach der Verantwortlichkeit des Bistums Aachen auf. Der Soziologe Johannes Heibel, zugleich Sprecher der bundesweit agierenden „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen”, sagt, „man hätte den Kindern in Südafrika einiges ersparen können”, wenn das Bistum aufmerksamer gewesen wäre.

In seinen Gemeinden am Niederrhein war K. diverse Male aufgefallen, weil er allein mit Minderjährigen auf Reisen ging, minderjährige Ministranten in seine private Sauna und zu Festen ins Pfarrhaus geladen oder zum gemeinsamen Duschen aufgefordert hatte . 2004 wäre es beinahe zum öffentlichen Eklat gekommen, als K. sein jugendliches Patenkind während einer Feier derart intensiv gestreichelt hatte, dass einige Teilnehmer der Feier sich über den Pfarrer beschwerten.

Der Pfarrgemeinderat von K.s damaliger Pfarre will sich daran erinnern, die Bistumszentrale in Aachen über die Besuche der Ministranten in der Pfarrhaussauna informiert zu haben. Josef Heinrichs jedoch, Sprecher des Bistums, erklärte am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung, in Bezug auf Pfarrer K. habe man lediglich einen anonymen Hinweis erhalten, und zwar 2003. „Aber anonymen Hinweisen kann man nicht nachgehen”, erklärte Heinrichs. Soziologe Heibel hingegen sagt, das Bistum habe damals den zuständigen Regionaldekan beauftragt, K. ins Gewissen zu reden. Offenbar ohne Erfolg.

Parallelen zu Pfarrer I.

Heibel findet, dass „schon die unprofessionelle Distanzlosigkeit” zwischen dem Pfarrer und seinen Ministranten das Bistum habe alarmieren müssen. Dass trotzdem offenbar niemand ernsthaft durchgegriffen hat, wertet Heibel „fast schon als unterlassene Hilfeleistung” gegenüber den Kindern in Südafrika. Zumal die Geschichte K.s Ähnlichkeiten zur Geschichte des inzwischen gestorbenen Pfarrers Dieter I. aufweist, der 1994 wegen Missbrauchs zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Nach seiner Entlassung wurde er wieder vom Aachener Generalvikariat beschäftigt. Heibel vermutet, dass die Kirche „auch im Fall K. so wenig Aufsehen wie möglich erregen wollte”.

Mittlerweile hat bezüglich der Vorwürfe aus dem Februar 2008 die Staatsanwaltschaft Krefeld ebenfalls die Ermittlungen aufgenommen. Bevor er allerdings zum weiteren Prozedere Auskunft gibt, will der Sprecher der Behörde, Oberstaatsanwalt Klaus Schreiber, abwarten, wie sich die südafrikanische Justiz verhält.

Eines immerhin hat K. bereits erreicht: Seine vergangenen Dienstag zurückgewiesenen Anträge haben den Beginn der Hauptverhandlung deutlich verzögert. Mehr als ein Jahr lang.
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