Düsseldorf - Angeklagter: „Sauerland-Gruppe” war planlos

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Angeklagter: „Sauerland-Gruppe” war planlos

Von: dpa
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Prozess gegen Sauerland-Gruppe
Der Angeklagte Atilla S. in Düsseldorf im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes. Am Dienstag werden von den Angeklagten der sogenannten Sauerland-Gruppe Aussagen zum Aufenthalt in Ausbildungslagern in Pakistan erwartet. Foto: dpa

Düsseldorf. Die mutmaßlichen Terroristen der „Sauerland-Gruppe” haben monatelang vergeblich einen Weg in den bewaffneten „Heiligen Krieg” (Dschihad) gesucht. An den zunächst geplanten Zielen Tschetschenien und Irak seien sie gescheitert, sagte der Angeklagte Atilla Selek am Dienstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.

„Wir waren etwas orientierungslos.” Niemand habe sie im Dschihad haben wollen. Auf Anraten eines Bekannten hätten sie sich daher 2005 entschieden, zunächst einen Arabisch-Kurs in Syrien zu besuchen.

„Wenn Allah nicht will, dann gehts halt nicht”, sagte Selek mit Blick auf den vergeblichen Versuch, in die russische Kaukasusrepublik Tschetschenien zu gelangen. Bekannte hätten gesagt, dass nur Männer, die körperlich dazu in der Lage seien, in Tschetschenien kämpfen könnten. Auch der Plan Irak sei gescheitert, als die Gruppe erfahren habe, dass es dort genügend Kämpfer gebe. „Ich wusste auch nicht, dass man die Sprache lernen muss”, sagte Selek. „Wir sind eigentlich so planlos gewesen.” Ans Aufgeben habe die Gruppe aber nicht gedacht. Sie hätten sich auch in Syrien immer gegenseitig motiviert.

Die vier Angeklagten in dem Terrorismus-Prozess hatten vor zwei Wochen mit umfassenden Geständnissen begonnen. Die Gruppe war im September 2007 inmitten der Vorbereitungen schwerer Bombenanschläge aufgeflogen.

Zwei der vier Angeklagten, der mutmaßliche Rädelsführer Fritz Gelowicz sowie Adem Yilmaz, gelangten 2006 mit Hilfe eines Schleusers vom Iran aus in ein Terror-Ausbildungslager der Islamischen Dschihad-Union (IJU) in der pakistanischen Provinz Waziristan an der Grenze zu Afghanistan. Die anderen beiden Angeklagten, Selek und Daniel Schneider, trafen später ein.

Bei der Ausbildung hätten sie gehofft, dort auch kämpfen zu dürfen, hieß es in dem vor Gericht verlesenen Vernehmungsprotokoll von Gelowicz. „Märtyrer zu werden, nimmt man halt immer in Kauf”, sagte Gelowicz. Schon kurz nach Beginn der Ausbildung habe er dann die Vorahnung gehabt, „dass man in Erwägung zog, uns einen Anschlag begehen zu lassen”.

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