Angeklagter gesteht Schüsse auf vermeintlichen Türsteher

Von: Von Wolfgang Schumacher
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Vor dieser Diskothek fielen am
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind auf diesem im Parkhaus Büchel von einer Überwachungskamera aufgenommenen Bild die beiden Schützen zu sehen, die am 3. September einen Türsteher der Disko Regatta mit zwei Schüssen lebensgefährlich verletzten.

Aachen. Mit einem Geständnis des 39-jährigen Angeklagten Marsel Q. ging am Dienstag der Prozess wegen versuchten Totschlags an einem vermeintlichen Türsteher des Aachener Clubs „Regatta“ weiter. Der aus Albanien stammende Angeklagte gestand vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht, am 3. September 2011 morgens gegen 5.30 Uhr nach einer durchzechten Nacht vor der Disko auf einen der dort aus dem Lokal kommenden Männer geschossen zu haben.

Weil er in dem Club schlecht behandelt wurde, habe er dann draußen nachgefragt, wer der Chef sei. Das Opfer habe das bejaht, obwohl er anscheinend gar nicht der Betreiber war.

Sein Begleiter und er hätten zuvor noch in dem Lokal eine unerfreuliche Auseinandersetzung mit einem der dortigen Türsteher gehabt, berichtete der Angeklagte, der zum ersten Mal 1997 nach Deutschland gekommen war und Aachen von diversen Aufenthalten kannte. Er sei als Autoaufkäufer gekommen und habe „schwarz“ in einer Art Hotel gewohnt, wo das gewesen sei, wisse er nicht mehr.

Seit etwa Mitternacht hätten er, seine Freund und dessen Begleiterin in dem Club „eine Flasche Gin, Tonic, Energiedrinks plus eine weitere Flasche Wodka“ getrunken, alles sei „ruhig und harmonisch“ verlaufen, ließ der nur gebrochen Deutsch sprechende Albaner durch den Dolmetscher übersetzen, die Getränke seien bereits bezahlt worden.

Beim Bezahlen des Eintrittes aber, der zum Schluss kassiert werde, habe es gegen fünf Uhr früh plötzlich Ärger gegeben, berichtete der Angeklagte dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl. „Mein Freund wollte alle drei Tickets bezahlen und ich ging schon an die Luft“, schilderte er die Situation. Dann sei er angemacht worden mit Worten wie „du Scheißer, wo willst du hin“ und dann später mit „geh, verpiss dich“ erniedrigt worden. Sie hätten dann die Begleiterin des Freundes in das nahe Bordell-Sträßchen gebracht. Auf dem Rückweg seien sie wieder am Parkhaus, das genau gegenüber liegt, vorbeigekommen. Da sei die Sache passiert.

Als der vermeintliche Türsteher, den er für den „Chef“ hielt, einen Schritt auf ihn zu machte, habe er Angst bekommen und zwei Mal geschossen, in Brusthöhe.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem dritten Schussversuch aus, bei dem jedoch die Waffe versagt haben soll.

Es sei eine „kleine Taschenpistole“ gewesen, die er am frühen Abend von einem Bekannten, „einem Rumänen aus einem Wettbüro“, übernommen hatte. Sie zechten bereits vor Mitternacht in einer bekannten Gaststätte am Holzgraben. Dort habe der Rumäne ihn gebeten, die kleine Pistole aufzubewahren, weil dieser „etwas in Belgien zu erledigen“ hatte, wie er sagte.

Die Waffe entsorgte er später auf der Flucht mit dem Taxi zum belgischen Grenzübergang „Köpfchen“ noch in Aachen in einem Mülleimer. „Herr Richter, ich stamme aus einer ganz normalen Familie und ich möchte mich bei dem Opfer und allen Aachenern entschuldigen“, bat der Angeklagte um Milde in Richtung Gericht. Im Zuschauerraum hörte man des Öfteren Unruhe bei solchen Aussagen. Marsel Q. war ein Jahr flüchtig und wurde erst Anfang September 2012 in Valencia festgenommen und dann von Madrid aus nach Aachen ausgeliefert. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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