Aachen - Angeklagte Lydia H. tötete bei vollem Bewusstsein

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Angeklagte Lydia H. tötete bei vollem Bewusstsein

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Aachen: Ärztin gesteht Tötung von Ehemann mit Morphium-Spritze
Im Prozess um den mutmaßlichen Morphium-Mord einer Ärztin an ihrem Ehemann hat die Angeklagte vor dem Landgericht Aachen überraschend ein Geständnis abgelegt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die psychiatrische wie gleichermaßen die psychologische Sachverständige haben bei der wegen Mordes an ihrem 50 Jahre älteren Ehemann angeklagten Aachener Ärztin Lydia H. (36) keinerlei Anhaltspunkte für eine Minderung oder gar Aufhebung ihres Steuerungsvermögens bei der Tat in der Nacht zum 19. Februar 2011 in Aachen-Haaren gefunden.

Die Angeklagte hatte erst vor einer Woche und nach fünf Monaten Verhandlungsdauer vor der Aachener Schwurgerichtskammer ein Geständnis abgelegt. Demnach tötete die Anfang 2011 an der Aachener Uniklinik promovierte Anästhesistin ihren Mann mit einer Überdosis Morphium.

Er habe ihr gedroht, sie dahin zurückzuschicken, wo sie hergekommen war, hatte sie in dem von ihr selbst verlesenen, 28-seitigen Geständnis dargelegt. Als knapp 20-Jährige hatte der wesentlich ältere Hermann H. das damals drogensüchtige Mädchen auf dem Aachener Straßenstrich als Freier aufgegabelt und mit nach Hause genommen. Später, als sie einigermaßen clean war, sorgte er für ihre Schulausbildung, danach studierte sie mit Erfolg und wurde Ärztin, im Frühjahr 2010 heirateten sie sogar.

Die psychologische Gutachterin fand im geschilderten Tatgeschehen trotz der Angabe der Angeklagten, sie habe in der Nacht, in der es einen heftigen Streit zwischen dem Ehepaar gegeben hatte, vier Beruhigungstabletten geschluckt und dazu eine Flasche Wein getrunken, keine Anhaltspunkte für einen Verlust ihrer Steuerungsfähigkeit.

Zwar habe der Ehemann sie anscheinend „beleidigt und gedemütigt wie noch nie”, stellte die Sachverständige fest. Doch im Verhalten nach der Tat sei sie gedanklich geordnet vorgegangen. Bei der Tat, sie rammte eine 20-fache Überdosis Morphium in den Oberschenkel ihres Mannes, „geschah alles wie von selbst”, hatte Lydia H. geschildert.

Auch die Psychiaterin sah keine auch nur ansatzweise mögliche Aufhebung des Steuerungsvermögens bei der Ärztin. Das wäre bei einem Urteil wichtig, falls eine psychische oder krankhaft begründete Schuldunfähigkeit der Angeklagten in Betracht käme. Nach diesen Gutachten ist dies nicht der Fall. Der Prozess geht am Dienstag mit Fragen zu den Gutachten ab 9 Uhr im Aachener Landgericht weiter.
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