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An Kölns Uni kreist der Presslufthammer

Von: Christina Handschuhmacher
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Nicht wiederzuerkennen: Das Hauptgebäude der Uni Köln ist hinter einem Gerüst und einer großen, weißen Plane verschwunden. Dahinter wird ein Sanierungsstau in Millionenhöhe aufgearbeitet. Foto: Christina Handschuhmacher

Köln. Das Uni-Hauptgebäude in Köln verschwindet derzeit hinter weißer Folie. Bauarbeiter laufen mit orangen Warnwesten und Schutzhelmen zwischen den Studierenden auf dem Albertus-Magnus-Platz umher. Hinter Bauzäunen und rot-weißem Absperrband entsteht direkt daneben ein neues Gebäude.

Im Philosophikum bohren und schweißen die Handwerker; Bauschutt und Staub bedecken den Boden. An Geräten wie Kaugummiautomaten kann man für einen Euro Ohrstöpsel ziehen. Immer wieder werden Gespräche durch das plötzliche Einsetzen eines Presslufthammers unfreiwillig zum Stummfilm. Die Uni Köln ist eine Baustelle.

„Alles neu” scheint das Motto zu lauten, das sich die Kölner Universitätsleitung gesetzt hat. Es gibt kaum ein Gebäude, an dem aktuell nicht gebaut wird. „Wir haben einen Sanierungsstau von rund 400 Millionen Euro. Das ist eben so, wenn über Jahrzehnte nichts investiert wird”, sagt Pressesprecher Patrick Honecker. Und nun hat die Kölner Uni zum großen Rundumschlag in Sachen Sanierung ausgeholt. An mehr als 100 Stellen auf dem Campus wird derzeit gehämmert und gebohrt - von der Toilettensanierung bis zum Neubau ganzer Gebäude. Allein in diesem Jahr werden 75 Millionen Euro verbaut.

Auch in Aachen wird gebaut

Das ist etwa 70 Kilometer weiter westlich nicht anders: Über 320 Millionen Euro sind derzeit an der RWTH Aachen für verschiedene Bauprojekte veranschlagt, sagt Pressesprecherin Renate Kinny: So wird etwa das neu entstehenden Hörsaalzentrum in der Claßen­straße Platz für über 4000 Studierende bieten und auch die Maschinenbauer dürfen sich ab dem nächsten Jahr über neuen Glanz an ihrem Institut freuen. Während an der RWTH der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW die Bauarbeiten verantwortet, ist die Uni Köln - als eine von zwei Hochschulen in Nordrhein-Westfalen - selbst als Bauherrin aktiv.

Schon seit den 1950er Jahren sind die Gebäude rund um Albertus-Magnus-Platz und Universitätsstraße Eigentum der Kölner Uni. „Wir sind Bauherr, Projektsteuerer und Liegenschaftsmanagement in einem”, sagt Honecker über den landesweiten Modellversuch.

Eine Rundumsanierung erfährt das aus den 1970er Jahren stammende Philosophikum, das mit rund 14.000 Studierenden die größte Fakultät der Uni Köln beherbergt. Aus dem grauen und veralteten Betonklotz soll bis 2016 ein modernes und energiesparendes Gebäude werden. In vier Bauabschnitten werden unter anderem Dach und Fassade erneuert, die stromfressenden Rolltreppen weichen einer offenen Stahltreppe, und in den bislang fensterlosen Seminarräumen sollen Lichtschächte für Helligkeit sorgen.

Seit 2008 stemmt die Uni Köln das Mammut-Projekt „Umbau bei laufendem Betrieb”: Im zuständigen Dezernat „Gebäude- und Liegenschaftsmanagement” sind mittlerweile rund 250 Mitarbeiter beschäftigt; hinzu kommen zahlreiche Angestellte externer Baufirmen.

Die Dezernats-Mitarbeiter, unter ihnen viele Ingenieure, haben alle Hände voll zu tun: Sie planen die Entwicklung der Bauprojekte, haben die Kosten im Blick und organisieren die umbaubedingten Umzüge ganzer Abteilungen und ihrer Mitarbeiter. Und nicht nur die Uni-Mitarbeiter mussten in weiße Wellblechcontainer ausweichen. Auch Tausende Bibliotheks-Bücher haben vorübergehend ein neues Zuhause gefunden: Goethes „Faust” und Schillers „Werther” lagern nun in der Tiefgarage unter dem Philosophikum.

Auch rund um das etwa 80 Jahre alte, denkmalgeschützte Hauptgebäude wird kräftig renoviert. „Die Platten aus Naturstein müssen erneuert und neu befestigt werden. Außerdem werden die Fenster ausgetauscht und das Gebäude erhält eine neue Wärmedämmung”, erklärt Honecker. Direkt neben dem Hauptgebäude steht schon der Rohbau des neuen Studierenden-Service-Centers. Für die knapp 40 000 Studierenden der Kölner Uni soll hier eine zentrale Anlaufstelle entstehen, die bisher verstreut liegende Einrichtungen wie die Studienberatung oder das akademische Auslandsamt bündelt.

Während auf dem restlichen Campus noch gehämmert und gebohrt wird, ist ein Gebäude schon fertig. Seit dem Wintersemester 2010/2011 ist das von Paul Böhm entworfene Seminargebäude bezugsfertig. „Das ist State of the Art”, sagt Honecker stolz über das lichtdurchflutete Bauwerk, das Materialen aus Beton, Stahl und Glas kombiniert. In nur eineinhalb Jahren wurde das Gebäude, das Platz für 900 Studierende bietet und zum Teil aus Studienbeiträgen finanziert wurde, erbaut.

Und was sagen die Studierenden zur Großbaustelle Uni Köln? „Teilweise war es in der Bibliothek so laut, dass ich mich kaum konzen­trieren konnte”, sagt eine Geschichtsstudentin, die gerade im Examen steckt. „Ich habe dann wirklich lieber zu Hause gelernt.”

Die Mehrheit der Studierenden scheint sich jedoch mit der Situation arrangiert zu haben: Ein Germanistikstudent sucht sich zum Lernen ruhige Ecken, an denen gerade nicht gebaut wird und eine Lateinstudentin sieht das Ganze pragmatisch: „Schon seit ich hier angefangen habe zu studieren, ist die Uni eine Baustelle und wahrscheinlich wird sie es auch noch sein, wenn ich aufhöre. Da gewöhnt man sich dran.”
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