An jeder zehnten Schule fehlt der Rektor

Von: Robert Baumann
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Aachen. Viele Grundschulen im Regierungsbezirk Köln stehen ohne Schulleiter da. Von den 717 Rektorenstellen sind 83 unbesetzt – mit einer Quote von rund 11,5 Prozent hat also rund jede zehnte Grundschule derzeit keinen Leiter (Stand: Ende Oktober 2013). Doch nicht nur Grundschulen sind von vakanten Schulleiterstellen betroffen.

Insgesamt 163 verwaiste Chefsessel gibt es an den 1373 Schulen im Regierungsbezirk. Neben den Grundschulen trifft es prozentual und in absoluten Zahlen vor allem die Hauptschulen. Hier ist von 122 Schulleiterstellen mit 30 praktisch jede vierte (24,59 Prozent) vakant. Das geht aus einer Antwort der rot-grünen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Kölner FDP-Landtagsabgeordneten Yvonne Gebauer hervor, die unserer Zeitung vorliegt. Vor allem ländliche Bereiche wie die Eifel seien von dem Problem betroffen, sagt Gebauer.

320 Stellvertreter fehlen

Noch dramatischer lesen sich demnach die Zahlen bei den Stellvertretern. So sind im Regierungsbezirk an Grundschulen von 510 Sollstellen für Konrektoren nur 326 besetzt – also nur 63,92 Prozent. An den Hauptschulen ist es noch kritischer: für 52 der insgesamt 128 Stellvertreterposten werden Lehrer gesucht. Insgesamt sind an allen Schulformen von 1157 Sollstellen 320 unbesetzt – das entspricht einer Quote von 27,66 Prozent.

Das Problem werde sich noch verschärfen, meint der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE). Denn viele der jetzigen Schulleiter gingen in den nächsten Jahren in Rente. In ganz NRW waren laut VBE Ende Februar dieses Jahres von 5776 Schulleiterstellen 704 Stellen unbesetzt – 165 davon im Kölner Regierungsbezirk. Ist eine Stelle ausgeschrieben und nicht besetzt, leitet der Konrektor solange die Schule. In NRW waren Anfang des Jahres von 4832 Vertreterstellen 1079 vakant. Zum Vergleich: Zu Beginn des Schuljahres 2008/09 waren landesweit laut VBE rund 100 Rektoren- und 270 Konrektorenstellen ausgeschrieben. Schon damals warnte die Gewerkschaft vor einer Zuspitzung der Situation.

Den Grund für die Unattraktivität des Schulleiterpostens sieht der VBE in einem nur geringfügig höheren Gehalt im Vergleich zu den Lehrerkollegen. Schulleiter verdienten brutto nur 400 bis 500 Euro mehr als ihr Kollegium, hätten aber viel mehr zu tun. Die Rektoren seien für die Qualität des Unterrichts, das Personalmanagement, Kooperationen, die Kommunikation nach außen und innerhalb des Hauses zuständig, und sie planten und organisierten. „Dabei brauchen Kinder, Eltern und Lehrer an jeder Schule einen verlässlichen Ansprechpartner“, sagt VBE-Chef Udo Beckmann. Stattdessen herrsche Flickschusterei, ein Schulleiter muss häufig mehrere Schulen betreuen. „Das ist kein befriedigender Dauerzustand.“

Laut Landesregierung sollen sich die Rektoren an weiterführenden Schulen künftig wieder stärker um ihre Leitungsaufgaben kümmern können. Im Haushaltsplan 2013 seien 197 neue Lehrerstellen vorgesehen, mit denen die Schulleiter künftig mehr Zeit für die Schulführung haben sollen. Für die Grundschulleiter sei die Kapazität schon 2011 entsprechend erhöht worden. Auch der Haushaltsentwurf 2014 sieht laut Landesregierung einen weiteren Ausbau von 109 Stellen an Grundschulen vor.

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