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An Bord von Ryanair FR6218: „Wir hatten einfach nur Angst”

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
Eine Ryanair-Maschine beim Sta
Eine Ryanair-Maschine beim Start: Die Pilotenvereinigung Cockpit kritisiert die Billigfluglinie nicht erst seit dem jüngsten Vorfall scharf. Foto: Imago

Baesweiler/Palma de Mallorca. Schon wieder musste eine Maschine der Billigfluglinie Ryanair notlanden, diesmal in Palma de Mallorca. Die bisherige Bilanz: drei Verletzte. Drei Frauen aus Baesweiler, die bei Flug FR6218 an Bord waren, erzählen.

Der Flug war bis kurz vor dem Ziel ruhig verlaufen. Die Passagiere hatten sich auf dem Weg von Weeze nach Palma de Mallorca von Werbedurchsagen berieseln lassen, wie es bei Ryanair-Flügen üblich ist.

Kunden der irischen Billigfluglinie nehmen das gerne in Kauf, denn diese gilt bei vielen als konkurrenzlos günstig. Birgit Kalz, Bettina Haas und Patricia Breuer etwa hatten für ihren Flug rund 120 Euro bezahlt, im September ist das kein schlechter Preis. Patricia Breuers Ehemann Willi wollte später von Maastricht aus nachkommen.

Die Maschine, schätzen die Frauen, war kurz vor dem Landeanflug, als sie mit einem Mal nach unten sackte. Birgit Kalz´ Getränk sauste plötzlich in Richtung Decke, ebenso diejenigen Passagiere, die nicht angeschnallt waren. Besonders im vorderen Teil des Flugzeugs seien haufenweise Gegenstände herumgeflogen, die größeren Gepäckstücke waren glücklicherweise sicher verstaut. Aufatmen 20 Minuten später: Der Flug FR6218 hatte die Erlaubnis zur Notlandung bekommen. Die Bilanz am Donnerstagnachmittag: drei Leichtverletzte - der Rest der 167 Passagiere kam mit einem gewaltigen Schrecken davon.

Minimale Kerosinmenge

Der Vorfall über Palma de Mallorca schließt sich an eine ganze Reihe von Notlandungen im spanischen Luftraum an, die Ryanair in der jüngeren Vergangenheit in die Schlagzeilen gebracht hat. Wegen eines Gewitters wurden im Juli zahlreiche Flugzeuge mit Ziel Madrid nach Valencia umgeleitet. Drei Ryanair-Maschinen mussten dabei den Notruf Mayday ausgeben, da die Kerosinmenge ein Minimum erreicht hatte. Es wurden Vorwürfe laut, die Fluglinie habe Sicherheitsprobleme. Ryanair-Chef Michael OLeary wies die Kritik in einem Interview zurück. Es habe sich um ein „außergewöhnliches Ereignis” gehandelt.

Die Pilotenvereinigung Cockpit hatte erst am Montag kritisiert, dass Ryanair ihre Piloten systematisch unter Druck setze und ihnen strikte Vorgaben zur maximalen Treibstoffmenge mache. Bei Ryanair sei es Praxis, Listen auszuhängen, auf denen die Piloten in der Reihenfolge ihres Treibstoffverbrauchs stehen. Je weniger Kerosin an Bord, desto leichter ist die Maschine und desto geringer der Verbrauch. „Es ist inakzeptabel, auf Kosten der Sicherheit Piloten unter Druck zu setzen, weniger Treibstoff mitzunehmen”, hatte Flugkapitän Cockpit-Pressesprecher Jörg Handwerg damals gesagt.

Dafür, dass die fragwürdige Praxis am Donnerstag eine Rolle spielte, gibt es bislang offenbar keine Anhaltspunkte. Dennoch sind die Baesweilerinnen mit der Reaktion der Flugbegleiter nicht einverstanden. Eine Stewardess habe weinend versichert, dass alles in Ordnung ist, und die Passagiere damit nur noch mehr in Panik versetzt. Kalz: „Wir hatten einfach nur Angst.”

Vor allen Dingen aber seien die Passagiere völlig im Unklaren darüber gelassen worden, was eigentlich vorgefallen war. „Wir mussten davon ausgehen, dass wir einen Triebwerksschaden haben könnten und vielleicht abstürzen.” Dass der Flieger tatsächlich „nur” in Turbulenzen geraten sein soll, erfuhren die drei Baesweilerinnen erst am nächsten Tag von Bekannten in der Heimat. Auf dem Rückflug werden die drei Frauen sich sicher besonders gut anschnallen.
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