Amokschütze von Schwalmtal steht ab Dienstag vor Gericht

Von: Marc Pesch, ddp
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Schwalmtal/Mönchengladbach. Vor dem Landgericht Mönchengladbach beginnt am Dienstag (2. Februar, 9.15 Uhr) der Prozess gegen den Amokschützen von Schwalmtal (Kreis Viersen).

Der 72-Jährige sitzt nach Justizangaben wegen dreifachen Mordes sowie in einem weiteren Fall wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung auf der Anklagebank.

Im Haus seiner Tochter soll der gelernte Zimmermann am 18. August 2009 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen zwei 70 und 38 Jahre alte Rechtsanwälte und einen 48-jährigen Immobiliengutachter des Kreises Viersen getötet haben. Dem Angeklagten drohen neben einer lebenslangen Haftstrafe auch Sicherungsverwahrung.

„Hintergrund der Tat war offenbar ein Streit um den Verkauf des Hauses”, sagt Joachim Banke, Sprecher am Landgericht Mönchengladbach. Die Tochter des angeklagten Mannes und ihr Ehemann lebten in Scheidung, konnten sich aber angeblich nicht über den Verkauf des Hauses einigen. „Deshalb sollten sich am Tattag noch einmal zwei neutrale Gutachter sowie die Anwälte der Tochter des Angeklagten und ihres Ehemannes treffen”, sagt Banke.

Nach kurzer Zeit sei der Vater der Frau aus einem der Zimmer gekommen und habe unvermittelt auf die Beteiligten geschossen. Dabei starben die beiden Rechtsanwälte sowie ein Immobiliengutachter des Kreises Viersen. Ein weiterer Gutachter-Kollege kam mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Die Hinterbliebenen der Opfer treten vor Gericht als Nebenkläger auf.

Gegenüber der Polizei gab der mutmaßliche Todesschütze an, er habe im jahrelangen Streit um den Verkauf des Hauses „ein Zeichen” setzen wollen. „Er wollte deutlich machen, dass man so mit ihm und seiner Familie nicht umgehen kann, was immer das heißen mag”, sagt Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff.

Anwalt Michael Rost wird den Rentner vor Gericht verteidigen. „Er ist gesundheitlich angeschlagen, er liegt im Justizkrankenhaus in Fröndenberg im Sauerland”, sagt Rost. Zur Tat und zum Motiv will der Verteidiger zunächst keine Angaben machen, er kündigt jedoch eine Aussage seines Mandanten im Verlaufe des Verfahrens an. „So viel kann ich sagen: Die Tat hat mit dem Verkauf des Hauses zu tun, das unser Mandant teilweise mit eigenen Händen aufgebaut hat.”

Fraglich sei, ob der 72-Jährige verhandlungsfähig ist. „Dies und die Frage der Schuldfähigkeit sind zentrale Punkte in diesem Prozess”, sagt Rost. Der Zimmermann war 1978 mit seiner Familie aus Polen nach Deutschland gekommen und hatte von diesem Zeitpunkt an in Unna gelebt. Schon einmal war vor wenigen Jahren ein Verfahren wegen Körperverletzung am Amtsgericht Mönchengladbach gegen den Rentner aus gesundheitlichen Gründen geplatzt. „Damals hatte er angeblich einen Nachbarn mit einem Baseballschläger attackiert”, sagt Justizsprecher Banke, „dieses Verfahren wurde jedoch eingestellt, weil der Angeklagte als nicht verhandlungsfähig eingestuft wurde.”

Im aktuellen Verfahren allerdings geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der 72-Jährige trotz seiner Herz- und Zuckererkrankung sehr wohl verhandlungsfähig ist. „Für eine andere Einschätzung gibt es bislang jedenfalls keine Anhaltspunkte. Allerdings soll der Mann noch einmal psychiatrisch untersucht werden.”

Das Landgericht Mönchengladbach hat für den Prozess zunächst elf Verhandlungstage angesetzt. Zum Auftakt am Dienstag soll nur die Anklage verlesen werden. Insgesamt 49 Zeugen sind geladen, das Urteil soll frühestens am 13. April verkündet werden.
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