Am Mittwoch wird in Aachen der Theodor-Wolff-Preis verliehen

Von: Bernd Mathieu
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Viele Leser von redaktionellen Angeboten im Internet unterscheiden nicht mehr, ob Texte aus der Online- oder der Printredaktion kommen. Was sie wollen, ist Qualität. Dass es die in großer Vielfalt gibt, beweisen die Theodor-Wolff-Preisträger mit ihren Beiträgen, die heute in Aachen ausgezeichnet werden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ist die Zeitung, auf die schon so manches Requiem – auch aus den eigenen Reihen – angestimmt wurde, nach wie vor ein unverzichtbares Lebensmittel für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie? Oder ist sie ein flatterhaftes Papier, deren Macher sich nach dem Mainstream richten und den jeweiligen Trends anpassen?

Gute Zeitungen sind nach wie vor ein ganz wesentlicher Lieferant und Garant gründlich recherchierter Informationen und kompetent geschriebener Hintergründe und Analysen. Auf dieser Basis Zeitungen zukunftssicher zu machen, gedruckt wie digital, sollte die ständige Herausforderung und Aufgabe von Verlegern und Journalisten sein – allen Sparkonzepten zum Trotz. Denn ohne Qualität hat Zeitung gerade in Zukunft im Meer vieler anderer Anbieter keine Chance mehr. Qualität ist die einzige Rechtfertigung für professionellen Journalismus. Sonst wird er beliebig, austauschbar und abhängig – auch von Zeitdruck und falschen Rücksichtnahmen.

„Frisch wie am ersten Tag“

„Nicht Journalisten sind für die Demokratie wichtig; wichtig sind die Informationen, die sie vermitteln. Sie haben die Freiheit zur Dummheit, aber sie müssen der Dummheit und dem Vorurteil widerstehen, so gut dies eben geht“, sagt Thomas Löffelholz, Mitglied des Kuratoriums und selber Theodor-Wolff-Preisträger. Der ehemalige Chefredakteur von „Stuttgarter Zeitung“ und „Welt“ würdigt die meisten ausgezeichneten Texte als Dokumente, die über den Tag hinaus wirken: „Nichts ist so alt, wie die Zeitung von gestern. Doch über alle Veränderungen hinweg lesen sich die preisgekrönten Artikel heute noch frisch wie am ersten Tag. Die Zeitung vergeht, aber sie hinterlässt Spuren in den Köpfen.“

„Leser im Netz unterscheiden gar nicht mehr, ob Texte aus der Online-Redaktion oder von den Printkollegen kommen“, meint Evelyn Roll, Leitende Redakteurin der „Süddeutschen Zeitung“ und ehemalige Vorsitzende der Jury. „Sie unterscheiden, ob die Fakten interessant sind, die Texte gut geschrieben, die Analysen fundiert, die Autoren ausgebildet und kenntnisreich.“

Der Theodor-Wolff-Preis (TWP), Journalistenpreis der deutschen Zeitungen, ist seit über 50 Jahren die auszeichnende Speerspitze einer solchen Qualität. Die neunköpfige Jury würdigt mit ihrer zu Recht zeitaufwendigen Auswahl Glanzstücke aus den Tages- und Wochenzeitungsredaktionen. Es sind lokale Geschichten und überregionale Essays, es sind Reportagen und Kommentare. Die ausgezeichneten Werke repräsentieren die grandiose Vielfalt des deutschen Journalismus’. Das Niveau ist außergewöhnlich (und deshalb preiswürdig), aber es dokumentiert gleichzeitig die Leistung, zu der Autoren und Redaktionen in Deutschland fähig sind. Fünf solcher herausragenden Arbeiten werden am Mittwoch in Aachen mit dem Theodor-Wolff-Preis veredelt.

Mehr als 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und den Medien erwartet der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) Mittwochabend bei der Verleihung im Theater Aachen. „In Zeiten des Echtzeitjournalismus sind Zeitungen eine hervorragende Adresse für umfassend recherchierte, brillant geschriebene Artikel. Dafür geben die in diesem Jahr ausgezeichneten Beiträge das beste Beispiel“, sagt dazu der Geschäftsführer des TWP-Kuratoriums, Hans-Joachim Fuhrmann. Gastgeber der Festveranstaltung im Theater Aachen sind „Aachener Zeitung“ und „Aachener Nachrichten“.

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