Radarfallen Blitzen Freisteller

Alles für den Dom: Aachens City unter Denkmalschutz

Von: Elke Silberer, dpa
Letzte Aktualisierung:
Adalbertsteinweg / Dom / Sichtachsen
Die Stadt Aachen wächst. Künftig sollen aber die Sichtachsen zur historischen karolingischen Kaiserpfalz geschützt werden - so dass sie nicht zugebaut werden können. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Der große Aufschrei der Empörung ist bisher ausgeblieben. Das hat selbst Baudezernentin Gisela Nacken erstaunt. „Aber das ist ja oft so, dass sich die Leute erst dann rühren, wenn sie die Auswirkungen spüren”, sagt sie. Vielleicht sind die Aachener auch nur deshalb so friedfertig, weil es um nichts Geringeres als „ihren Dom” geht.

Aachen stellt die Sicht auf den Dom unter Schutz. Der Planungsausschuss entschied nach Angaben der Stadt von Freitag einstimmig für einen Denkmalbereich im Stadtkern. Der Stadtrat entscheidet endgültig am 19. Mai.

„Wir machen aber kein Museum aus der Stadt”, beeilt sich Nacken, als könnte da ein falscher Eindruck entstehen. Aber der Dom liegt so tief im Talkessel, dass man ihn bequem zubauen und die Sicht darauf versperren könnte. „Die wenigen Blicke auf den Dom wollen wir uns nicht verbauen”, erklärt sie. Letztlich geht es aber um die Auflagen der Unesco. Die fordert eine schützende „Pufferzone” für das Welterbe.

„1978 hat kein Mensch über eine Pufferzone nachgedacht”, stellt der Aachener Dombaumeister Helmut Maintz fest. Heute sei das selbstverständlich. 1978 wurde die Pfalzkapelle Karls des Großen (768-814) als erstes deutsches Denkmal aufgenommen.

2005 dann der Beinahe-Sündenfall in Köln. Durch ein geplantes Hochhaus-Projekt landete der Kölner Dom auf der Roten Liste. Die Kölner verhinderten gerade noch das Schlimmste. Im selben Jahr fragte die Weltkulturorganisation (Bonn) auch erstmals schriftlich die Pufferzonen-Situation der Welterbestätten ab. Die Aachener mussten passen, sie hatten noch keine Schutzzone. „Ihr müsst Euch darum kümmern”, war daraufhin die klare Ansage aus Bonn.

Die Motivation hielt sich aber zunächst in Grenzen. Das Projekt gewann erst an Fahrt, als die Aachener ein wichtiges Anliegen bei der Unesco verfolgten: Sie wollten das Weltkulturerbe Dom auf die gesamte Pfalzanlage Karls des Großen erweitern, inklusive auf Teile des Rathauses. Auch wenn der erste Anlauf scheiterte, werden sie es in ein paar Jahren wieder versuchen.

Bis dahin wollen sie wohl durch vorbildliches Verhalten Punkte machen. Bei den Planungen für ein Hochhaus auf dem neuen Hochschulcampus wurden die Sichtachsen zum Dom sogar per Luftschiff ausgelotet. 1200 Häuser liegen in dem geplanten Denkmalgebiet. In Nordrhein-Westfalen gebe es viele Denkmalbereiche, „aber Aachen ist ein relativ großer Bereich”, sagt Landeskonservator Udo Mainzer.

Änderungen an Fassaden, Dächern, Dachaufbauten, Grundstückseinfriedungen müssen Hausbesitzer in Zukunft genehmigen lassen. Eigentlich habe man bei der Genehmigung von Bauanträgen schon immer den Dom im Sinn gehabt, meint Nacken. Jetzt wird das eben amtlich.

Dombaumeister Maintz ist erleichtert. Vor ein paar Jahren hat auch er mal kurz die Luft angehalten, als nur einen Steinwurf vom Dom entfernt das Bauhaus Europa in Diskussion war - ein Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum zum Thema Europa - das die Bürger aber gekippt hatten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert