Aachen - Alexander von Kluck: Auf den Spuren eines berühmten Verwandten

Alexander von Kluck: Auf den Spuren eines berühmten Verwandten

Von: Georg Dünnwald
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Ein Porträt des Verletzten: Alexander von Kluck war im Ersten Weltkrieg ein hochrangiger Militär. Er wird mitverantwortlich dafür gemacht, dass der strategische Kriegsplan von Alfred Graf von Schlieffen scheiterte. Repro: Harald Krömer
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Auf den Spuren eines berühmten Verwandten: Der Aachener Hein Kluck ist heute 76 Jahre alt. Zu seinen Verwandten zählt Alexander von Kluck – ein preußischer Generaloberst. Foto: Ralf Roeger
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Goldhochzeit in Berlin: Alexander von Kluck im Jahr 1924 im Kreis seiner Familie. Foto: stock/United Archives

Aachen. Als Siebenjähriger wurde Hein Kluck mit Eltern und Schwester nach Münster evakuiert. Dort fiel dem Knirps auf, dass es einen Von-Kluck-Bunker und eine Von-Kluck-Straße gab. Voller Neugier fragte er seinen Vater, warum nach den Öcher Klucks in der westfälischen Hauptstadt eine Straße benannt worden sei.

„Alexander von Kluck war ein preußischer Generaloberst und um ein paar Ecken mit uns verwandt“, war die rasche Antwort. „Der war maßgeblich an der Westfront im Ersten Weltkrieg beteiligt“, erzählte Vater Kluck seinem Sohnemann. Und forderte ihn auf, dem berühmten Verwandten nachzuforschen, wenn er mal älter sei.

Nun, Generaloberst Alexander von Kluck ging Hein Kluck nicht mehr aus dem Sinn. Von näheren Verwandten aus Stolberg und Breinig hörte er, dass der Militär häufig zu Besuch bei seinen Verwandten aus Aachen und Stolberg war. „Hoch zu Ross ritt er dann bei den Verwandten vor“, hatte man dem kleinen Jungen Hein berichtet. Aber Hein hörte auch, dass Alexander Heinrich Rudolph von Kluck Armeeoberbefehlshaber im Ersten Weltkrieg war.

Von Kluck kommandierte zu Beginn der ersten großen menschengemachten Katastrophe die 1. Armee, die schon 1914 den gescheiterten Angriff auf Paris unternahm. Wegen seines ungeduldigen und eigenmächtigen Vorgehens, das eine Lücke in der deutschen Front entstehen ließ, wurde der Generaloberst für das Scheitern des Schlieffenplans und damit der deutschen Westoffensive mitverantwortlich gemacht. Der Schlieffen-Plan war ein strategisch-operativer Plan des Großen Generalstabs im Kaiserreich, der auf eine Denkschrift zurückgeht. Er wurde nach Alfred Graf von Schlieffen benannt und bildete eine Grundlage der deutschen Operationen zu Beginn des Ersten Weltkrieges.

Schlieffen entwickelte seinen Plan 1905. Er sah für den Fall eines Zweifrontenkrieg vor, zunächst die Masse des deutschen Heeres im Westen gegen Frankreich einzusetzen, mit dem Nordflügel die französischen Befestigungen zu umgehen und das französische Heer entscheidend im Rücken zu fassen. Nach einem Sieg über Frankreich innerhalb weniger Wochen sollten die deutschen Truppen nach Osten verlegt werden, um gegen Russland vorzugehen.

Schlieffens Absicht war, auf diese Weise den Krieg gegen Frankreich und Russland in zwei aufeinander folgende Feldzüge aufzuteilen und nun hatte der ungeduldige von Kluck durch sein gescheitertes Vorpreschen den Plan versaut. Für Hein Kluck, („Ich habe kein ‚von‘ vor meinem Namen, im Jahr 1909 ist der Generaloberst geadelt worden“), ein Grund sich mit seinem Verwandten zu beschäftigen. Er vertiefte sich, je älter er wurde, mehr und mehr in die Biographie seines Verwandten.

So fand er heraus, dass der Militär am 20. Mai 1846 in Münster geboren wurde und am 19. Oktober 1934 in Berlin starb. „Er hatte für damalige Zeiten schon einige Jahre auf dem Buckel“, kommentiert der heute 76-jährige Kluck und erzählt weiter: „Mein Verwandter trat 1865 in die Preußische Armee ein und diente im folgenden Jahr im Deutschen Krieg von 1866 und dann im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71.“

Am 15. November 1887 wurde er zum Major befördert und übernahm am 1. Juli 1888 die Leitung der Unteroffiziersschule in Neubreisach. Hein Kluck kennt seine Beförderungsserie, die nun begann: 16. April 1889 Bataillonsführer im Infanterie-Regiment Nr. 66 in Magdeburg; als Oberstleutnant am 27. Januar 1896 für zwei Jahre Übernahme des Landwehrbezirks in Berlin. Schon ein paar Monate später, am 18. April 1896 wurde Kluck zum Oberst befördert und führte ab 15. Juni 1898 das Füsilier-Regiment Nr. 34 in Bromberg im damaligen preußischen Pommern. Eine noch steilere Karriere lag nun vor ihm.

Am 22. Mai 1899 übernahm er das Kommando über die 23. Infanterie-Brigade in Gleiwitz/Schlesien und wurde am 22. September 1899 zum Generalmajor befördert. Am 18. Februar 1902 erhielt er das Kommando über die 37. Division in Allenstein/Ostpreußen und erhielt zwei Wochen später, am 4. März, den Rang Generalleutnant. Das war zu seiner Zeit der zweitunterste Generalsrang in der Preußischen Armee. Dazu muss man wissen, dass es so etwas wie eine Reichswehr analog zur Bundeswehr nicht gab, die Bayern hatten ein eigenes Heer, die Württemberger ebenfalls.

Seit dem 13. Juni 1906 war er Kommandierender General des V. Armeekorps in Magdeburg und wurde am 16. Oktober 1906 zum General der Infanterie ernannt. Am 11. September 1907 übernahm er die Führung des I. Armeekorps in Königsberg. Seit 1. Oktober 1913 war er Generalinspekteur der VIII. Armee-Inspektion in Berlin und wurde am 27. Januar 1914 zum Generaloberst befördert. „Eigentlich sollte Alexander Kluck in die Fußstapfen seines Vaters seinem Vater in die Fußstapfen treten. Er sollte Architekt werden“, erzählt Hein Kluck. Aber im selben Haus habe ein Offizier gewohnt, „der machte so groß Eindruck auf den verhinderten Architekten, dass in ihm der Wunsch reifte, ebenfalls die Offizierslaufbahn einzuschlagen.“

Hein Kluck ist zu verschiedenen Stationierungsorten seines berühmten Verwandten gereist. So war er im westfälischen Halle, auch am Ehrengrab des Generalobersten in Berlin-Stahnsdorf. „Der Herr von Kluck ist nicht wie andere Kollegen, beispielsweise Ludendorff, auf Naziwegen gewandelt. Er war vielmehr Mitglied der im November 1915 gegründeten exklusiven ‚Mittwochsgesellschaft‘ und seit 1920 auch Mitglied der ‚Gesetzlosen Gesellschaft‘.“

Die „Mittwochsgesellschaft“ war die „freie Gesellschaft zur wissenschaftlichen Unterhaltung“ mit jeweils 16 Mitgliedern, die anerkannte hervorragende Experten in ihrem Fachgebiet waren und besondere Positionen im öffentlichen Leben innehatten. Die „Mittwochsgesellschaft“ traf sich von 1863 bis 1944 jeden zweiten Mittwoch für eine freie wissenschaftliche Diskussion im privaten Kreis. Tagespolitische Diskussionen wurden nicht geführt. Der Kreis hatte von Beginn an den Anspruch, „Männer der verschiedensten Richtungen und Weltanschauungen“ bei sich aufzunehmen.

Die „Gesetzlose Gesellschaft zu Berlin“ ist ein Gesellschaftsclub, dessen Mitglieder prominente Persönlichkeiten der geistigen, künstlerischen und militärischen Elite ihrer jeweiligen Zeit waren. Sie wurde 1809 in Berlin gegründet. Der Herrenclub verstand sich als Träger der Tradition, der Kultur und der Wissenschaft.

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