Düsseldorf - Al-Kaida-Angeklagter wollte Polizist werden

Al-Kaida-Angeklagter wollte Polizist werden

Von: Frank Bretschneider, dapd
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Halil S
Einer der in Düsseldorf angeklagten mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen wollte Polizist werden. Er habe sich beim Land Nordrhein-Westfalen beworben, sei aber 2004 aus gesundheitlichen Gründen als dienstunfähig abgelehnt worden, sagte der 28-jährige Halil S. aus. Foto: dpa

Düsseldorf. Im Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida haben sich zwei der Angeklagten am Donnerstag zu ihrem Leben geäußert. Zu den Tatvorwürfen wollte die Gruppe aber auch am zweiten Verhandlungstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) nichts sagen.

Auch die ersten als Zeugen geladenen Familienangehörigen gaben sich überwiegend bedeckt und machten von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Der 27-Jährige Halil S. wollte nach eigenen Angaben nach der Schule Polizist werden. Er habe sich dazu 2004 beim Land Nordrhein-Westfalen beworben, sei dann aber aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt worden. „Ich hätte das gerne gemacht”, sagte der gebürtige Gelsenkirchener. Nach dem Abitur habe er dann als Zivildienstleistender Senioren betreut und später an der Ruhr-Uni Bochum ein Managementstudium begonnen.

Der als Zeuge geladene frühere Schwager von Halil S. war nach eigener Aussage „schockiert”, als er von den Vorwürfen gegen den jungen Mann gehört habe. Als Kind sei S. ein „ganz Ruhiger” gewesen, der in einer „zurückhaltend religiösen” Familie aufgewachsen sei. Das Verhältnis von S. zu den Eltern beschrieb der Mann als „normal”.

Auch der jüngste der Angeklagten, der 21-Jährige Deutsch-Iraner Amid C., hat Abitur und studiert während seiner Untersuchungshaft Informatik an der Fernuni Hagen, wie er vor Gericht sagte. In seiner Familie werde zu Hause Arabisch gesprochen. Die Beziehung zu seinen Eltern bezeichnete er als „eng”. Seine als Zeugen geladenen Eltern und die beiden Geschwister wollten sich vor Gericht ebenso wenig äußern wie der Vater von Halil S.

Zu Fragen des OLG-Strafsenats über ihre religiöse Einstellung machten die beiden Männer keine Angaben. Der Hauptangeklagte, der Marokkaner Abdeladim El-K. (30), sowie der Deutsch-Marokkaner Jamil S. (32) wollten nicht über ihre Lebensläufe berichten. „Es macht für mich keinen Sinn, etwas zu sagen”, erwiderte S. der Vorsitzenden Richterin Barbara Havliza.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Quartett Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Mit ihrer „Düsseldorfer Zelle” sollen sie im Auftrag der Al-Kaida-Spitze einen größeren Terroranschlag in Deutschland geplant haben. Beim mutmaßlichen Versuch, eine Bombe zu bauen, wurden drei von ihnen im April 2011 von der Polizei festgenommen. Hamil S. wurde acht Monate später in einem Bochumer Studentenwohnheim verhaftet.

Der Prozess wird am Freitag (27. Juli, 09.30 Uhr) mit der Verlesung von Gerichtsunterlagen fortgesetzt. Zeugen sind laut Senat nicht geladen. Nach der anschließenden Sommerpause geht das Verfahren dann ab 20. August weiter.
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