AKV denkt schon über Guttenbergs Kostüm nach

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
akv_bu-1
Drei Tage Glamour: Der neue Ordensritter, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, und seine Frau Stephanie werden vom 18. bis 20. Februar 2011 in Aachen erwartet. Foto: Imago

Aachen/Berlin. Der „Bürgerkönig”, die „politische Lichtgestalt”, das „Royal Couple der Bundesrepublik”, so schrieb der Spiegel vergangene Woche in seiner Titelgeschichte über Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Frau Stephanie. Omnipräsenter Medienhype in Magazinen, Zeitungen, Sendern rund um Deutschlands mit Abstand beliebtesten Politiker.

Was kommt da auf die Aachener Narren zu? Denn jetzt steht offiziell fest: Die Geschichte der Festsitzung des Aachener Karnevalsvereins (AKV) wird am 19. Februar 2011 um ein glamouröses Kapitel reicher sein. Bei einem Besuch des neuen AKV-Präsidenten Werner Pfeil in Berlin bestätigte das Büro des designierten Ordensritters „Wider den tierischen Ernst”, dass zu Guttenberg „auf jeden Fall an der Fernsehsitzung in Aachen teilnehmen wird”.

Ob dies tatsächlich so sein würde, darum hatte es zuletzt Irritationen gegeben, weil weder eine übliche Pressekonferenz angesetzt noch ein Zitat des neuen Ritters übermittelt wurde. Das Schweigen des derzeit medial überstrapazierten Ministers hält zwar an, aber erste Taten folgen.

Während zu Guttenberg selber noch in Herbstferien weilte, setzten dessen Pressechef Steffen Moritz und Referent Maximilian von Weidenfels erste Vorbereitungen um: „Wir haben uns sogar schon Gedanken über sein mögliches Kostüm gemacht”, berichtet Pfeil, der zu Guttenbergs engstem Stab zunächst einmal das Terminpaket vermittelte, „von dem man sehr überrascht war”.

Es gibt auch einen Plan B

Schließlich, so betonten die engsten Mitarbeiter des Ministers, sei zu Guttenberg „erstmals mit einer solchen Veranstaltung konfrontiert”. Im Übrigen sei es auch das erste karnevalistische Event, mit dem der fränkische Adlige derart involviert zu tun habe. Jedenfalls verabschiedete sich zu Guttenbergs Stab schnell von der Vorstellung, der Chef könne in Aachen mit einem kurzen Ausflug den närrischen Kulturpreis abholen.

Im Terminkalender des Bundeswehr-Reformers, der sich gemeinsam mit Ehefrau Stephanie momentan vor begehrlichen Anfragen nicht retten kann, ist jetzt festgeschrieben:

Freitag, 18. Februar Anreise nach Aachen, nachmittags TV-Generalprobe im Eurogress, abends Treffen mit Rittern und Sponsoren im 5-Sterne-Hotel „Quellenhof”. Dabei ist auch mit den Vorjahresrittern Jürgen Rüttgers (2010), Mario Adorf (2009) und Gloria von Thurn und Taxis (2008) fest zu rechnen.

Samstag, 19. Februar, morgens Gottesdienst im Dom, im Anschluss Empfang im Rathaus durch Aachens Oberbürgermeister Marcell Philipp, dann öffentliche Talkshow in der Aachener Elisengalerie, schließlich Ritterkonvent, 17 Uhr Galaempfang der VIPs, ab 20 Uhr die Fernsehsitzung, im Anschluss After-Show-Party bis in die Nacht.

Schließlich am Sonntag, 20. Februar, das traditionelle Katerfrühstück mit den Rittern, von denen Mario Adorf dem AKV jüngst bereits „zu der hervorragenden Wahl gratulierte”.

Ob in diesem Jahr um den baldigen 11. November herum eine Pressekonferenz mit dem neuen Ritter steigt, ob in Berlin, Köln oder Aachen, ist noch unklar. Bereits ohne Öcher Narretei scheint der aktuelle Medienrummel um seine Person und seine Frau zu Guttenberg über den Kopf zu wachsen - doch entscheiden soll er selber.

Durchgesprochen wurde auch die Möglichkeit, dass es im Vorfeld der Festsitzung zu unvorhersehbaren Ereignissen in Afghanistan kommen könnte. Selbst für diesen Fall hat man einen Plan B in der Schublade, der freilich geheim bleibt.

Unabhängig davon geht der neue AKV-Präsident Werner Pfeil nach der viel kritisierten Desaster-Sitzung dieses Jahres mit neuen Wegen und neuem Elan an das kommende jecke Großereignis heran: „Es werden zahlreiche Aachener Kräfte an der Festsitzung mitwirken”, verspricht er. Allem voran delegiert der Präsident die Moderation an zwei bekannte karnevalistische Gesichter: Comedian Jürgen Beckers sowie Elferrat Rolf Gerrards werden durch die Festsitzung führen. Letzterer soll am morgigen Dienstag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zum Vizepräsidenten des AKV gewählt werden.

Ferner ist bereits Fakt: Das ostdeutsche MDR-Fernsehballett wird bei der Ordensverleihung durch eine Aachener Tanzgruppe ersetzt. Außerdem sind im Bühnenprogramm aus dem Öcher Fastelovvend bereits vorgesehen: Die musikalischen Gruppen „Amigos”, „Jonge vajjen Beverau” sowie die Neuformation aus drei jungen Frauen „Lennet-Girls”. Lennet Kann (Dirk von Pezold) selber soll ebenfalls auftreten - wie auch das Comedian-Trio Josef, Jupp und Jüppchen.

Wie viele davon in der stark gekürzten TV-Aufzeichnung auftauchen werden? Der WDR, so Werner Pfeil, habe zwar „vertraglich die Hoheit über den Schnitt”, aber es sei vereinbart, „vorher mit uns abzustimmen, was ungeschnitten bleibt”.

Anschluss an die närrische Basis

Die in diesem Jahr vom AKV kurzerhand gekippte Straßensitzung am Holzgraben eine Woche nach der Festsitzung soll anno 2011 sogar aufgewertet werden - vereint mit dem neuen Sponsor NetAachen.

Den kann der AKV derzeit gut gebrauchen: Der Arbeitsplätze abbauende Hersteller von Schienenfahrzeugen, Bombardier, zog sich von seinem Engagement für den Verein zurück. Doch weitere neue Mäzene fühlen sich auch durch zu Guttenberg angelockt.

Unabhängig davon sucht der neue AKV verstärkt den Schulterschluss zur närrischen Basis: „Wir haben bereits mit vielen Vereinen gesprochen und planen gemeinsam eine Nachwuchs-Comedianschule, um langfristig unsere auftretende Basis zu stärken”, sagt Pfeil. Die wird in Zukunft nicht - wie ehedem angedacht - durch eine Veranstaltungs GmbH im Verein eingesetzt. Der Plan des Präsidenten-Vorgängers Horst Wollgarten soll morgen bei der Mitgliederversammlung per Beschluss verworfen werden.

Agentur stellt den AKV medial professionell auf

Die neue Führung des AKV unter Präsident Werner Pfeil stellt den Verein medial auf professionelle Füße. Mit der Aachener Agentur Impetus PR verpflichtete der Elferrat einen Partner, der den Verein bereits von 1996 bis 2004 erfolgreich in der Öffentlichkeit vermarktete.

Ursula Herrling-Tusch, Chefin des zehnköpfigen Teams, will „die Alleinstellungsmerkmale” der „Marke Orden wider den tierischen Ernst” in den Vordergrund ihrer Arbeit stellen. Dieser „komplexe und langfristige Prozess” setze auf „verlässliche und nachhaltige Informationen”. Ziel sei es, „eine tragfähige und glaubwürdige Positionierung für den Orden und seinen Ritter” zu entwickeln. Recherche und Basisbegründung für den Ritter seien dabei ein Herzstück der PR-Arbeit.

Werner Pfeil freut sich auf die Zusammenarbeit: „Die achtjährige AKV-Erfahrung von Impetus PR wird uns zugutekommen. Die Herausarbeitung des inhaltlichen Profils des Ordens ist uns wichtig.” Letztere hatte es bei der als deutscher Kulturpreis anerkannten närrischen Auszeichnung in den letzten Jahren nicht mehr gegeben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert