Aachen - „Aktionsbündnis Kirche vor Ort” vor dem Aus

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„Aktionsbündnis Kirche vor Ort” vor dem Aus

Von: Georg Dünnwald
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Aachen. Bricht das „Aktionsbündnis Kirche vor Ort” jetzt auseinander? Vier Mitbegründer dieses Zusammenschlusses von etwa 110 katholischen Bistumsgemeinden haben die Brocken hingeschmissen. Die Begründung: Das Aktionsbündnis gehe derzeit Wege, mit denen die Gründer nichts im Sinn hätten.

In einem Brief, der am Freitagnachmittag bistumsweit als E-Mail auf den Rechnern landete, stellen Hermann Bauer und Anita Zucketto-Debour vom Kirchenvorstand der Aachener Pfarre St. Gregorius sowie Günter Siebertz und Holger Brantin vom Kirchenvorstand St. Martinus Aachen-Richterich fest, dass sie „keine Möglichkeit zur Fortsetzung unseres Engagements im Aktionsbündnis” mehr sehen. Die Vier heben hervor, dass sie nach wie vor gegen das Vorgehen des Aachener Bischofs und seines Generalvikars seien.

Vor Jahren hatten sie das Aktionsbündnis gegründet, weil sie nicht mit der Art und Weise einverstanden waren, wie die Bistumsleitung einem Millionendefizit Herr werden wollte. „Die rigide Anweisungspolitik von Bischof Heinrich Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum war aus unserer Sicht nicht mit den Gesichtspunkten einer Kirche im christlich-geschwisterlichen Verständnis vereinbar”, sagt Holger Brantin unserer Zeitung. In der Folgezeit hätten die Protagonisten des Bündnisses Gespräche mit der Bistumsleitung geführt, „denn wir wollten im engen Kontakt mit dem Bischof Wege und Lösungen finden”.

Seit einiger Zeit sind jedoch andere Sprecher beim Aktionsbündnis maßgeblich. Brantin: „Die forderten vom Generalvikar Vereinbarungen mit dem Bündnis über die Verteilung der Kirchensteuermittel.”

Das aber gehe nicht, weil das Bündnis keine rechtlich legitimierte Gruppierung darstelle. Nur der Kirchensteuerrat könne über die Verwendung von Kirchensteuern entscheiden. Die neuen Sprecher stellten daraufhin die Gespräche mit der Bistumsleitung ein. Das schockiert Brantin und seine Mitstreiter: „Genauso wichtig sind Gespräche über die Zukunft der Kindergärten, die Rolle der Verwaltungszentren und darüber, wie die Strukturen der zu einer Großgemeinde fusionierten alten Pfarren beibehalten werden können.”

Deshalb sei es ebenfalls schlimm, werfen die vier Ex-Sprecher den neuen Sprechern vor, dass sie Kräfte zuließen, die erzkonservative Interessen verfolgten. Denen, darunter Pfarrer, die die tridentinische (lateinische) Messe favorisierten, gehe es um die Priesterkirche, in der allein die geweihten Theologen das Sagen hätten. „Wir verstehen uns als Kirche von unten, in der Laien und Priester kollegial zusammenarbeiten”, stellt Brantin mit Nachdruck fest. „Einen Rückschritt in Zeiten vor dem 2. Vatikanischen Konzil machen nicht wir mit. Wir alle sind Bestandteil der katholisch-christlichen Wertegemeinschaft.” Man werde sich nicht missbrauchen lassen durch Aktionen, die das Bistum durch massive Protestaktionen schwächten. Verschiedene Pfarren seien bereits aus dem Aktionsbündnis ausgetreten. „Auch wir sehen keine Möglichkeit mehr für eine Fortsetzung unseres Engagements”, stellen die Vier im Schreiben klar.

Der neue Sprecher des Aktionsbündnisses, Karl-Josef Begaß, weist die Vorwürfe der Ex-Sprecher zurück. „Uns geht es um eine gerechte Verteilung der Kirchensteuern.” Keineswegs sei es so, dass stockkonservative Priester eine Missionierungsstrategie verfolgten.
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