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Ahrsteige bieten immer wieder fantastische Ausblicke

Von: Ulrich Kölsch
Letzte Aktualisierung:
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Hier beginnt der blau markierte Ahr-Steig: Blankenheim. Der Ort ist nicht nur eine historische Schatzgrube, sondern in ihm entspringt auch die Ahr. Foto: Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V.
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Überwältigender Ausblick vom Neuenahrer Berg: Nach einem steilen Anstieg liegt den Wanderern das Ahrtal zu Füßen.
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Region. Die Ahr, früher mehr bekannt für weinselige Wochenendtouren von Kegelclubs, mausert sich immer mehr zu einem Wanderparadies erster Güte. Seit über 40 Jahren gibt es den Rotweinwanderweg, der sich mit sanften Steigungen durch die Weinberge auf der Südseite der Ahr schlängelt. Er ist mehr geeignet für eine moderate Art der Fortbewegung und bietet wunderbare Ausblicke ins zerklüftete Ahrtal.

Die wachsende Bedeutung des Wander-Tourismus haben inzwischen die Verantwortlichen an der Ahr erkannt. Deshalb wurden im Herbst vergangenen Jahres zwei neue Prädikatswanderwege eröffnet, die bereits jetzt auf große Resonanz stoßen: Der Ahr-Steig rot und der Ahr-Steig blau ziehen sich durch das rund 100 Kilometer lange Ahrtal. Der Ahr-Steig blau beginnt an der Ahrquelle in Blankenheim und führt entlang des Freilinger Sees über Aremberg und Insul bis kurz vor Altenahr. Die etwa 60 Kilometer lange Strecke, mit blauen Wegmarkierungen gekennzeichnet, setzt wegen der teilweise anspruchsvollen Etappen einige Kondition voraus. Der Lohn sind die Ausblicke auf eine großartige und abwechslungsreiche Landschaft.

Gepäcktransport

Der kürzere Ahr-Steig rot (rund 30 Kilometer) beginnt im Weinort Walporzheim und führt über Bad Neuenahr/Ahrweiler bis Sinzig, wo die Ahr in den Rhein mündet. Statt der herben Eifellandschaft stehen hier die Weinberge im Mittelpunkt. Beide Teilstücke können über gut ausgeschilderte Verbindungswege, etwa den Rotweinwanderweg oder den Ahrtalweg kombiniert werden. Wer will, kann auf diese Weise das Ahrtal komplett durchwandern oder, je nach Fitness, es bei einer oder mehreren Etappen belassen. Wie an anderen deutschen Wandersteigen ist auch der Gepäcktransport möglich.

Dass die Tourismus-Manager von der Ahr das richtige Gespür für den Markt haben, erfuhren sie in diesem Jahr bei der Düsseldorfer Wandermesse „Tour-Natur“. Dort wurde der neue Ahr-Steig mit dem Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet. Dieses Prädikat können Wanderwege erhalten, die bestimmte Qualitäts- und Attraktivitätskriterien erfüllen – wie nutzerfreundliches Leitsystem, eindrucksvolle Aussichten, Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke und Einkehr- und Rastmöglichkeiten.

Der Etappenstart für den Ahr-Steig rot liegt im romantischen Walporzheim. Die Wanderstrecke führt vorbei am Kloster Calvarienberg, dessen Gründung der Legende nach bis ins Jahr 1440 zurückreicht. Damals ließ der Graf von Blankenheim nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land hier die erste Kapelle mit Kreuzweg bauen, da ihn die Region an Jerusalem erinnerte. Hieraus hat sich im Laufe der Jahrhunderte eine imposante Klosteranlage entwickelt, die 1630 von den Franziskanern gegründet wurde. Später übernahmen die Ursulinen die Anlage und betreiben darin bis heute ein Gymnasium, eine Realschule und ein Internat.

Durch herrliche Weinberglagen geht es weiter zur Lourdeskapelle und zum Aussichtspunkt Karlsberg. Bei einer Rast kann man den Blick auf den Weinort Bachem und die umliegenden Weinberge genießen. Durch den Neuenahrer Wald kommt der Endpunkt dieser Ahr-Steig-Etappe an der Paradieswiese mit dem benachbarten Waldkletterpark mit mehr als 60 Kletterherausforderungen, sechs Seilrutschen und einer Megaseilbahn in 30 Metern Höhe.

Über einen markierten Zuweg führt die Wanderung steil bergab nach Bad Neuenahr. Zur Entspannung locken die Ahr-Thermen mit der „Saun-Ahr-Landschaft“ oder ein Besuch im Museum Römervilla. Durch die Gemeindereform wurden die Orte Neuenahr und Ahrweiler zu einer Stadt zusammengelegt.

Der Gegensatz zwischen den beiden Stadthälften könnte nicht größer sein. Auf der einen Seite das durch großzügige Parks und pompöse Stadtvillen geprägte Bad Neuenahr, auf der anderen Seite das mit einer Stadtmauer und hohen Toren umgebene Ahrweiler mit seinen schmucken mittelalterlichen Fachwerkhäusern.

Die nächste Etappe beginnt von Neuenahr aus mit einem heftigen Anstieg zum Neuenahrer Berg. Dass im Begriff Ahr-Steig auch das Tätigkeitswort „steigen“ enthalten ist, erfährt der Wanderer dabei am eigenen Leib. Oben angekommen belohnt ihn ein einzigartiger Ausblick ins Rheintal bis zum Siebengebirge. Bei klarem Wetter sei auch ohne Fernglas der 60 Kilometer entfernte Kölner Dom zu sehen, versichern Wanderführer. Nach dem Anstieg geht es hinab ins Idienbachtal und über breite Wege durch den Wald in Richtung Heimersheim und vorbei am Dorf Ehlingen. Über Weinpfade und Waldwege führt der Ahr-Steig über den Mühlenberg am Feltenturm vorbei. Wer noch Lust und Kraft hat, die 58 Stufen des Aussichtsturms zu besteigen, blickt von oben auf die Barbarossa-Stadt Sinzig, wo nach einem steilen Abstieg das Etappenziel liegt.

Wasser im Keller

Im romantischen Eifelstädtchen Blankenheim ist nicht nur der Start für den blauen Ahr-Steig, sondern auch die Quelle der Ahr. Mitten im Ort im Keller eines Fachwerkhauses sprudelt die Ahr mit einer Menge von bis zu 40 000 Litern täglich aus dem Fels. Das herausgeputzte Blankenheim könnte die sympathische Schwester von Monschau sein – allerdings ohne den penetranten Frittengeruch.

Ein kurzer Rundgang durch den Stadtkern zeigt, dass der Ort eine historische Schatzgrube ist. Die Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt bietet wunderbare gotische Schnitzaltäre. Im ehemaligen Hotel „Zur Post“ zeigt das Eifelmuseum Wissenswertes zur Erdgeschichte der Region. Im Nebengebäude, dem Gildehaus, kann sich der Besucher auf eine Zeitreise durch die Handwerkstradition der Eifel machen.

Blankenheim lässt sich nicht im Schnelldurchgang erkunden, aber der Ahr-Steig lockt mit seiner ersten Etappe. Deshalb brechen wir den Stadtrundgang ab, denn beides lässt sich an einem Tag schlecht vereinen.

Generell gilt der Ahr-Steig blau als mittelschwere bis anspruchsvolle Wegstrecke. Das sollte man vor Beginn einkalkulieren. Der Wanderweg verlässt Blankenheim und führt zunächst längs der Ahr. Dann der erste Aufstieg: durch dichtes Buchengehölz zur Hochfläche des Birker Berges. Spektakuläre Aussichten auf die südlich gelegenen Eifelhöhen sind der Lohn für die schweißtreibenden Höhenmeter. Weiter geht es über stille Waldpfade des 484 Meter hohen Bohrsbergs, bis die erste Etappe am schattigen Ufer des Freilinger Sees erreicht ist. Je nach Temperatur und Jahreszeit lockt der See zu einer erfrischenden Abkühlung.

Auf der zweiten Etappe steigen die Wanderer vom See aus zum 534 Meter hohen Hühnerberg. Vom Gipfelplateau bietet sich ein Panoramablick auf das Ahrgebirge, die Nordeifel und die Höhenzüge der Hocheifel mit der 747 Meter hohen markanten Kuppe der Hohen Acht. Auf einer alten Römerstraße geht es weiter bis zum malerischen Ort Aremberg. Auch hier fantastische Fernblicke über das Ahrtal bis zur Nürburg.

Die dritte Etappe, mit über 18 Kilometern die längste des Ahr-Steigs blau, führt zum höchsten Punkt des Wanderweges, zur Schlossruine auf dem Vulkankegel des Arembergs auf eine Höhe von 623 Meter. Enge Felspfade und schroff abfallende Felswände machen diesen Abschnitt zu einem besonderen Naturerlebnis. Steil führen die Waldwege durch den Eichenbacher Forst. Und der Anstieg bleibt anspruchsvoll: Nachdem die Wanderer die Ahr überquert haben, geht es auf engen Felspfaden und entlang schroffer Sandsteinwände hinauf zur Schulder Hardt. Spektakulär auch der Abstieg durch das Felsmassiv der Spicher Ley bis zum Etappenende an der Hahnensteiner Mühle am Ortsrand von Insul.

Sportlich beginnt der letzte Abschnitt von Insul ins Ahrgebirge, nach Sierscheid und weiter nach Dümpelhardt. Anschließend geht es wieder hinunter ins Liersbachtal und erneut steil bergauf zur Lierser Hochfläche und bis auf 487 Meter zur Linder Höhe mit der malerischen Krippenkapelle und dem Rundumblick in Richtung Aremberg, Effelsberg, Hohe Acht und ins Siebengebirge. Die Etappe endet am Bahnhof in Kreuzberg. Hoch über dem Ort mit einem schroffen Abfall zur Ahr thront auf einem Felskegel die Burg Kreuzberg, die zum Typ der Höhenburgen zählt und als einzige Burg an der Ahr bewohnt ist. Seit 1820 wohnt die Familie von Boeselager in dem um 1350 mit einem runden Bergfried errichteten Bau. Nur die außerhalb der Burg gelegene Kapelle St. Antonius kann besichtigt werden. Der 2008 gestorbene Philipp Freiherr von Boeselager war der letzte überlebende Beteiligte am gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Er hatte den Sprengstoff besorgt.

Wer auch die letzte Etappe des Ahr-Steigs blau absolviert hat, kann sich in Kreuzberg oder im anschließenden Altenahr bei einem Schoppen Ahrwein, einer Winzervesper oder einer Weinprobe erholen. Möglichkeiten dazu gibt es im Ahrtal – nicht nur in Altenahr.

Infos im Internet:

www.ahrtal.de und www.ahrsteig.de

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