Ätzender Rohrreiniger auf Spielplätzen: Mann festgenommen

Von: tv/slg/hr
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Nach der Veröffentlichung der Fotos des mutmaßlichen Täters meldete die Polizei am Mittwoch, dass ein Verdächtiger festgenommen worden sei. Foto: Polizei Aachen
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Der Tatverdächtige wohnt nach Informationen der „Nachrichten“ in einem Haus in Sichtweite des Spielplatzes, der nach der Attacke vom vergangenem Sonntag noch bis zu den Herbstferien gesperrt bleiben muss. Foto: Harald Krömer, Ralf Roeger
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Der Spielplatz im Westpark, auf dem am Sonntagmorgen erneut Rohrreiniger gefunden worden war, ist nach wie vor gesperrt. Doch beim Verstreuen des ätzenden Granulats in der Nacht zuvor ist ein Mann fotografiert worden, nach dem nun als mutmaßlichen Täter gefahndet wird. Foto: Harald Krömer
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Tatort Kinderspielpatz: Mit Mundschutz, Latexhandschuhen und Füßlingen sammelt eine Beamtin neben Spielgeräten und auf Bänken im Westpark kleinste Spuren; das Gelände wurde mit Flatterband abgesperrt. Foto: Ralf Roeger
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Tatort Kinderspielpatz: Mit Mundschutz, Latexhandschuhen und Füßlingen sammelt eine Beamtin neben Spielgeräten und auf Bänken im Westpark kleinste Spuren; das Gelände wurde mit Flatterband abgesperrt. Foto: Ralf Roeger
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Am 14. Juni 2017 wurde zum vierten Mal in Aachen Rohrreiniger verteilt: Nach Grillhütten und Spielplätze war jetzt der Westpark dran. Foto: Ralf Roeger
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Hinweis auf ein mögliches Motiv? Dieser kinderfeindliche Aufkleber prangt am Spielplatz an der Lochnerstraße, der Ziel einer Giftattacke war. Foto: Andreas Steindl
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Dort – wie an vielen anderen Spielplätzen – fuhr die Polizei verstärkt Streife. Foto: Andreas Steindl Foto: Andreas Steindl

Aachen. Sobald das Foto im Internet zu sehen war, ging alles ganz schnell: Am Mittwochmorgen veröffentlichten Aachener Polizei und Staatsanwaltschaft Aufnahmen des Mannes, der dringend verdächtig ist, auf den Spielplätzen im Westpark und auf mehreren Grillplätzen ätzendes Rohrreiniger-Granulat verteilt zu haben.

Wenige Stunden nachdem die erste Pressemitteilung die Runde machte, kam eine zweite: Es kam zu einer Festnahme. Bereits am Donnerstag soll der Verdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden. Die erstaunlich scharfen Fahndungsfotos verbreiteten sich rasant im Internet, vor allem über die Auftritte lokaler Medien in den sozialen Netzwerken wie Facebook. Alleine über die Facebook-Seiten der „Nachrichten“ wurde der Fahndungsaufruf binnen kurzer Zeit mehrere Hundert Male geteilt und kommentiert.

Diesen Mann müsse doch jemand erkennen, schrieben Nutzer – und sollten damit Recht behalten. Sehr schnell nach der Veröffentlichung gingen bei der Polizei gleich mehrere konkrete Hinweise auf einen 53-jährigen Mann ein, der nach Informationen der „Nachrichten“ in Sichtweite des Spielplatzes im Westpark wohnte, der erst am vergangenen Sonntag erneut mit dem gefährlichen Rohrreiniger verunreinigt wurde. Bei dieser Tat, die den Fotos zufolge in der Nacht auf Sonntag geschehen sein muss, wurde der Tatverdächtige mit einer sogenannten Fotofalle, die auf Bewegung reagiert, aufgenommen. Er ist mitunter dabei zu sehen, wie er den Inhalt einer Dose über einer Bank entleert.

Aufgrund der Hinweise wurde ein Durchsuchungsbeschluss erwirkt. Die Ermittler trafen den 53 Jahre alten Deutschen in seiner Wohnung an, und nicht nur das: Auch „tatortrelevante Gegenstände“, vor allem das Tatmittel Rohrreiniger, fanden die Einsatzkräfte.

Ob der jetzt Festgenommene auch für die Taten an den beiden Grillplätzen im Juni verantwortlich ist, die nicht in seinem unmittelbaren Wohnumfeld liegen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen – ebenso wie natürlich das Motiv für sein Vorgehen.

Nach den ersten Vorfällen vor drei Monaten, als im Westpark mehr als 20 Holzbänke aufwendig abmontiert worden waren, hatte die Staatsanwaltschaft die Kameras in dem beliebten Park anbringen lassen. Sie stufte die Taten als versuchtes Tötungsdelikt ein und hatte sogar eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro ausgelobt. Wochenlang war es ruhig um das Thema Rohrreiniger geworden – doch nun hat die Fotofalle zugeschnappt.

Dass die Bilder so schnell nach der Aufnahme veröffentlicht wurden, hat mit der akuten Gefahr zu tun, die von dem gesuchten Täter ausgeht, wie die Staatsanwaltschaft erklärt: „Wenn wir jemanden wegen eines versuchten Tötungsdeliktes suchen“, sagt Jost Schützberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, „dann werden die Bilder schnell veröffentlicht.“ Anders verhalte es sich beispielsweise bei einem EC-Kartendieb, der von einer Überwachungskamera eines Geldautomaten aufgenommen wird.

Auch wenn Aachens Eltern nun wieder erst einmal aufatmen können: Auf dem großen Spielplatz am Westpark wird in den kommenden Wochen kein Kind schaukeln, klettern oder rutschen können. Denn der Spielplatz Lochnerstraße, der nach dem jüngsten Fund von Rohrreiniger am vergangenen Sonntagmorgen abgesperrt wurde, wird mindestens bis zu den Herbstferien geschlossen bleiben – und die beginnen erst am 23. Oktober.

„Wir können nur das Granulat aufsammeln, das wir sehen“, erklärt Evelin Wölk vom Presseamt. Um sicherzugehen, dass für spielende Kinder keine Gefahr mehr bestehe, müsse man eben einige Regenschauer abwarten, damit sich eventuell noch zurückgebliebene Reste der Substanz ausreichend verdünnten.

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