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Adventssägen: Historisches Sägegatter zeigt seine Zähne

Von: Daniel Gerhards
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Scharfe Zähne machen aus Baumstämmen Bretter und Balken: Robert Jansen zeigt ein Sägeblatt des historischen Sägegatters im Museumssägewerk. Foto: Daniel Gerhards
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Neben den großen Sägen gibt es im Museumssägewerk weitere historische Dinge zu sehen: zum Beispiel ein Nummerierungswerkzeug (r.) und Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg, die in den Baumstämmen stecken. Foto: Daniel Gerhards
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Filigrane Arbeit mit der Kettensäge: Beim „Adventssägen“ des vergangenen Jahres entstanden aus dicken Baumstämmen schöne Figuren. Foto: Dirk Müller

Stolberg. Robert Jansen zieht ein Sägeblatt aus der Halterung an der Wand. Er schaut sich die großen Zähne des langen Metallwerkzeugs an. „Das müsste mal wieder geschliffen werden“, sagt Jansen. Die Auswahl an Sägeblättern ist im Museumssägewerk in Stolberg-Zweifall in diesem Moment nicht sehr groß. Die meisten Blätter des historischen Sägegatters sind nicht da.

„Die werden gerade geschliffen“, sagt Jansen. Er ist Vorsitzender des Fördervereins des Museumssägewerks. Dass die Sägeblätter wieder in Schuss gebracht werden, hat einen guten Grund. Am Sonntag bereiten die Mitglieder des Fördervereins eine große Bühne für das Sägegatter, in das die Blätter eingespannt werden. Zum „Adventssägen“ erwarten sie etliche Besucher. Und dann soll die Säge – das Prunkstück des Museums – natürlich laufen. Mit richtig scharfen Zähnen.

Mit dem Sägegatter beginnt die Geschichte des Museumssägewerks. Die Maschine ratterte jahrzehntelang im Sägewerk von Hein Groß in Roetgen-Mulartshütte. Dann schloss der Betrieb. Die Maschine sollte nicht verschrottet werden. Kurz darauf ergriffen interessierte Einwohner von Zweifall die Initiative: „Sie wollten das Gatter retten. Aber sie wussten erstmal nicht, wohin damit“, sagt Jansen. Die Idee, die Maschine der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gefiel auch der Landesforstverwaltung. Also ließ sie auf Landesgelände das Gebäude des heutigen Museumssägewerks errichten, erklärt Jansen, der auch Fachgebietsleiter des Regionalforstamts Rureifel-Jülicher Börde ist. Das war im Jahr 2002.

Dort steht das 80 Jahre alte Sägegatter heute. Und es arbeitet noch genauso wie früher. Es wird von einem starken Elektromotor angetrieben. Über eine Transmission wird der Riemenantrieb auf das Schwungrad des Gatters übertragen. Die eingespannten Sägeblätter bewegen sich auf und ab. Baumstämme werden auf diese Sägeblätter zugeschoben. Je nachdem, wie groß der Abstand zwischen den einzelnen Sägeblättern ist, werden aus dem Stamm dicke Balken oder schmale Bretter.

Den Standort des Museumssägewerks in Zweifall, gleich neben dem Forsthaus am Hasselbach, findet Jansen ideal. Denn die wirtschaftliche Entwicklung und das Leben in Zweifall waren lange vom Holz geprägt. 1850 gründete Johann Lennartz, Bürgermeister und Holzhändler, die erste Zweifaller Holzschneidemühle; Holzhändler Matthias Peter Krings beantragte 1888, dass eine Lokomobile, also eine bewegliche Dampfmaschine, mit Kreissäge aufgestellt werden sollte. In der Spitze gab es in Zweifall zehn Sägewerke. Heute sind es noch zwei. In Zweifall arbeiten also schon seit jeher viele Menschen als Waldarbeiter oder Köhler, in der Holzverarbeitung oder im Handel mit Stämmen, Brettern und Balken.

Weil der Ort Zweifall schon lange so eng mit dem Wald verbunden ist, fanden sich auch schnell engagierte Ehrenamtler, die das Museumssägewerk betreiben. Der Förderverein wurde 2008 gegründet und hat heute 75 Mitglieder. Ein ausgebildeter Sägewerker wies die ehrenamtlichen Helfer in die Arbeit am Gatter ein. Im Verein gibt es auch Schlosser und Elektriker, die die Maschinen warten und pflegen.

Außerdem sammelt der Förderverein alles rund um die Themen Wald und Holz. Neben dem historischen Sägegatter steht im Museumssägewerk noch eine Bandsäge aus dem Jahr 1936. Sie war zuletzt in der Zimmerei Helmut Sonntag in Zweifall in Betrieb. Mit der Bandsäge werden die sogenannten Waldkanten – also die Rinde – von den Brettern und Balken abgetrennt. Außerdem sind dort Fälläxte, Schrotsägen, 45 Kilogramm schwere Zweihandmotorsägen, Vermessungs- und Markierungswerkzeuge zu sehen. Auch dem Holztransport widmen die Verantwortlichen des Museumssägewerks einige Bilder und Ausstellungsstücke. „Vieles wurde damals mit Muskelkraft gemacht“, sagt Jansen. Wenn die Kraft der Waldarbeiter nicht reichte, kamen Ochsen und Pferde zum Einsatz. „Waldarbeit ist eine harte, körperlich anstrengende und gefährliche Arbeit – bis heute“, sagt Jansen.

Die Ausstellungsräume sind jedes Wochenende geöffnet, Vorführungen an der Säge gibt es einmal im Monat. Insgesamt kommen etwa 1600 Besucher pro Jahr. Diesen zeigt Jansen auch Metallstücke, die im Holz stecken. Die Munitionsreste und Granatsplitter sind Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Während der Schlacht im Hürtgenwald war Zweifall das logistische Zentrum der Alliierten.

Dass die ratternde Säge und der erste Advent mittlerweile zusammengehören, ist den Ehrenamtlern aus dem Förderverein zu verdanken. „Das war eine spontane Idee“, sagt Jansen. Und sie kam aus den Reihen der Damen des Vereins. Sie steuern nun Kaffee und Kuchen und allerlei gebastelten weihnachtlichen Schmuck bei.

www.museumssägewerk-zweifall.de

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