Achim Großmann präsentiert Buch über Anfänge der SPD in der Region

Von: Christian Rein und Tobias Röber
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18 Monate habe er an dem Buch gearbeitet, „die letzten sechs in Vollzeit, die letzten drei auch am Wochenende“: Autor Achim Großmann mit den beiden Vorlesern Walter Danz (links) und Mona Creutzer (rechts). Foto: Andreas Herrmann
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Prominente Gäste: SPD-Chef Sigmar Gabriel (links) und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz waren die Laudatoren. Foto: Andreas Herrmann

Eschweiler. Immer wieder ist an diesem Abend vom „schwarzen Westen“ die Rede. So haben die Sozialdemokraten zwischen Aachen, Düren und Heinsberg am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts etwas despektierlich ihre Heimat oft selbst bezeichnet.

Mit „schwarz“ meinten sie vor allem den Klerus. Denn es war die katholische Kirche, die sich der neuen Bewegung mit besonders heftiger Ablehnung entgegenstellte.

Die Geschichte(n) von den Anfängen der Sozialdemokratie in unserer Region erzählt das Buch „Die rothen Gesellen im schwarzen Westen“ von Achim Großmann, dem ehemaligen Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Seit 2009 ist der heute 66-jährige Würselener im Ruhestand. Nun tritt er als Autor in Erscheinung. Präsentiert wurde sein Buch im Rahmen einer außergewöhnlichen „Lesung“ im Eschweiler Talbahnhof.

Außergewöhnlich war die Veranstaltung auch deshalb, weil es sich keine geringeren als der SPD-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, nehmen ließen, die Arbeit ihres Freundes Großmann zu würdigen. „Ich glaube, es gelingt selten einem Autoren, den Präsidenten des Europäischen Parlaments und den Vizekanzler der Bundesrepublik gemeinsam zu einer Buchpräsentation zu bekommen“, sagte Schulz. „Das schafft nur Achim Großmann.“

„Einen Beitrag zur 150-jährigen Geschichte der SPD“, nennt Großmann sein Buch etwas bescheiden im Untertitel. Das große Jubiläum hatte die Partei im vergangenen Jahr begangen. Tatsächlich geriet die Veranstaltung zu einer Art nachgeholter Geburtstagsfeier in der Region. Nicht nur wegen der prominenten Laudatoren. Nicht nur, weil es um sozialdemokratische Werte und um den Kampf für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit ging. Sondern auch, weil die hiesige SPD mit ihren Bürgermeistern, Landtags- und Bundestagsabgeordneten ihre geballte Kraft präsentierte.

Umso bemerkenswerter war, dass die Genossen aus der Stadt Aachen sich von ihrem „Altinternationalen“ Ex-Oberbürgermeister Jürgen Linden vertreten ließen. Bekannte Parteigänger wie die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, der städtische Parteichef Karl Schultheis oder OB-Kandidat Björn Jansen fehlten. Der neue SPD-Bundesschatzmeister Dietmar Nietan (Düren) ließ sich immerhin öffentlich von Schulz entschuldigen.

Von Herkunft und Haltung

Kein anderer Ort in der Region eignet sich so sehr für eine solche Veranstaltung wie Eschweiler. Die Stadt war, das zeigt das Buch eindrucksvoll, schon in den Anfangstagen eine sozialdemokratische Hochburg, und sie ist es bis heute geblieben. Dazu passt die Bodenständigkeit des Talbahnhofs, einer in der Region geachteten Kleinkunstbühne.

Zu Großmanns ruhiger und bescheidener Art wiederum passte der schlichte Tisch, an dem er und die beiden Vorleser Walter Danz, Leiter des Talbahnhofs, und Mona Creutzer, Aachener Schauspielerin, Platz nahmen und ­Anekdoten aus dem Buch vortrugen. Es sind Geschichten von „der ganzen Härte des proletarischen Lebens“, von unmenschlicher Arbeit, Entbehrungen, Krankheit und Tod, von Verfolgung, Demütigung und Verbot.

Letztlich sind es aber auch Geschichten vom Glauben an die eigenen Ideale und vom Erfolg einer Bewegung, die sich nicht unterkriegen ließ. Es sind Geschichten einer stolzen Partei. Deren heutiger Vorsitzender Sigmar Gabriel würdigte Achim Großmann als „großen Sozialdemokraten“. Zu einer Partei gehörten aber nicht nur die großen Köpfe, sondern auch die Basis. Großmann gelinge es mit seinem Buch, von den Wasserträgern der Partei zu berichten, sagte der SPD-Chef, „allerdings in viel schwierigerer Zeit als heute“.

Gabriel, der mitunter impulsiv und spöttisch auftreten kann, präsentierte sich vor diesem Hintergrund geradezu staatstragend: „Die Geschichte der Sozialdemokratie und ihrer Mitglieder ist die Demokratiegeschichte unseres Landes“, sagte er selbstbewusst. Und: „Was man aus der Geschichte der SPD lernen kann: Es ist keine Frage der Herkunft, dass man unterscheiden kann, was richtig oder falsch ist.“

Er verwies auf Otto Wels, der 1933 in einer berühmten Rede im Reichstag die Ablehnung der SPD von Hitlers Ermächtigungsgesetz begründet hat. Wels sei Sohn eines Gastwirts und Tapezierergeselle gewesen. So wie die Herkunft nicht die Haltung bestimme, so dürfe sie auch nicht über Chancen entscheiden. Und genau dafür kämpfe die SPD bis heute.

Achim Großmann: „Die ro­then Gesellen im schwarzen Westen“, Hahne & Schloemer, Düren, 2014, 288 Seiten, 29,90 Euro, ISBN: 978-3-942513-24-1.

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