Essen - Abgefahren: Mit den Kindern drei Tage in den Pott!

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Abgefahren: Mit den Kindern drei Tage in den Pott!

Von: Bernd Büttgens
Letzte Aktualisierung:
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Mit den Kindern ins Ruhrgebiet! Freunde fragen, ob sie das richtig verstanden haben. Und wollen wissen: Was erwartet ihr denn da? Die Antwort ist einfach: Kultur, Freizeitspaß, Geschichte(n) - das Angebot ist gewaltig. Wie etwa im Ruhrmuseum auf Zeche Zollverein. Foto: Bernd Büttgens

Essen. „Wat ham wir früher malocht!” Früher. Frank Goosen, der zwischen Duisburg und Dortmund schwer angesagte Ruhrpott-Poet bringt sie auf den Punkt: die Geschichten von früher, die Erinnerungen an die harte Arbeit untertage oder im Stahlwerk. Maloche! Und die ganze Laberei darüber.

Als die Asche sich auf die weiße Wäsche setzte, „weiße noch”, oder der Funkenflug, der die Nylons löcherte, oder als „Omma” noch dreimal am Tag das Fensterbrett fegte. Goosen erzählt davon - aber vor allem vom Leben heute.

Geschichten zwischen „dammals” und „getz”, die Kontraste, die Spannungen - das ist das Ruhrgebiet. Heute unterbricht die freundliche Touristenführerin hoch oben auf dem Panoramadach von Zeche Zollverein in Essen ihre Erklärungen zu Kohle, Stein und Staub, wenn in weiter Ferne eine gewaltige weiße Wolke aufsteigt: „Da, sehen Sie hin! Das ist die Kokerei in Bottrop, da wird gerade der Koks gelöscht!” Attraktion, Rauch über dem Pott! Im grünen Ruhrgebiet, wo die Luft so herrlich rein ist, qualmt es also doch noch in einer Ecke.

Früher war das natürlich anders. Und früher wäre ja auch kein Mensch auf die Idee gekommen, die Kinder ins Auto zu packen, um drei Tage lang die Welt an Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe zu erkunden.

Heute machen das Abertausende (viele natürlich auch ohne den Nachwuchs), zumal im Jahr der Kulturhauptstadt „Essen für das Ruhrgebiet”, im Jahr, das mit Ruhr2010 betitelt wird und auf der Homepage http://www.ruhr2010.de in seiner fast schon erschlagenden Fülle und Vielfältigkeit dokumentiert wird.

Aus eben diesem Anlass gibt es hier nun den ersten Teil eines Drei-Tages-Trips, der als Vorschlag für eine Kurzreise mit Kindern (die Testpiloten in dieser Geschichte sind sechs und elf) unter dem Titel „Ruhrgebiet für Einsteiger” gedacht ist.

1. Tag

Zeche Zollverein Essen: Wenn wir davon ausgehen dürfen, dass auch Sie sich erst einmal einen „Grundkurs Ruhrpott” genehmigen wollen, dann sollten Sie auf der weltweit schönsten Zeche und ehemals größten Kokerei beginnen, der Unesco-Weltkulturerbestätte, ein fantasievoller Riese mit Vergangenheit, mit Kunst, Kultur, Kreativität und Zukunft: auf der Zeche Zollverein (http://www.zeche-zollverein.de).

Nehmen Sie sich bitte viel Zeit und starten Sie im Besucherzentrum, das Sie über die größte freistehende Rolltreppe des Landes in der alten Kohlenwäsche neben Schacht XII erreichen. Die industriehistorischen Führungen geben den perfekten Einblick in Arbeit und Leben im Pott.

Auf dem Denkmalpfad Zollverein zwischen gigantischen Maschinen wird der „Weg der Kohle” begangen und erzählt. Es stimmt, was Ute Durchholz, Sprecherin der Zeche Zollverein, sagt: „Man versteht die Arbeit auf der Zeche besser, wenn man sie sich erklären lässt.” Und das nehmen auch die Kinder, für die im übrigen auch spezielle Führungen angeboten werden, mit Begeisterung auf. Achtung: Da die Besucherzahlen stetig wachsen, wird bei den Führungen eine Reservierung empfohlen.

Welches Potenzial industriegeschichtliche Riesen wie die Zeche durch ihre Wandlung in fantasievolle Kulturstätten besitzen, ist auf Zeche Zollverein in vielen Facetten zu erfahren. Bis zu seiner Stilllegung 1986 wurden im größten Steinkohlebergwerk Europas insgesamt 220 Millionen Tonnen „Schwarzes Gold” abgebaut, rund 8000 Bergleute standen hier in Lohn und Brot. Heute bestaunen täglich tausende Besucher die Architektur, die Geschichte, die Größe und Chancen der Weltkulturerbestätte. Wer die weiten Wege über Zeche und Kokerei geht, findet Orte der Gegenwartskunst, der Kreativwirtschaft, kann staunen und entdecken - und nicht nur in der ehemaligen Kompressorenhalle gut essen. Aber ebendort ganz besonders: in der New World Cuisine des „Casino Zollverein”.

Das Ruhrmuseum ist ein absolutes Muss auf Zeche Zollverein (http://www.ruhrmuseum.de). Im Januar eröffnet, steuert das Haus in den kommenden Tagen einem nie geahnten Rekord entgegen: dem 300000. Besucher! Gehen Sie zunächst in das Portal der Industriekultur, wo die herausragenden Orte der schwerindustriellen Geschichte, die beispielhaft für den Wandel des einstigen Kohlenpotts stehen, multimedial präsentiert werden. Hier finden Sie garantiert genügend Impulse für Ihre weitere Reise.

Im Portal nicht verpassen: den stimmungsvollen Panoramaimagefilm im „RUHR.360¡”. Und danach ab ins Museum: Die bewegte Geschichte der Region wird auf drei Etagen erzählt. Erdgeschichte, vorindustrielle Zeit, die Historie der Industrialisierung, der Strukturwandel - aber nicht staubtrocken, sondern mitreißend dargebracht. Für Kinder gibt es eine Ruhrmuseum-Rätseltasche mit vielen Anregungen und kostbaren Fundstücken. Gegenwart, Gedächtnis, Geschichte - in diesem Museum schwingen Emotionen mit.

Noch ein Tipp: Sollten Sie am Wochenende die Zeche besichtigen wollen, so ist dringend geraten, mit der Tram-Kulturlinie 107, Haltestelle „Zollverein”, anzureisen (Infos zum gut ausgebauten ÖPNV im Revier auf http://www.vrr.de).

Tetraeder Bottrop: Sollten Sie am Abend Lust auf einen besonderen Spaziergang mit hohem Belohnungseffekt haben, schwingen Sie sich ins Auto, fahren Sie nach Bottrop zum Tetraeder. Vom Parkplatz Beckstraße aus stiefeln Sie am besten über die Teerstraße (im Park rechter Hand) auf die ehemalige Halde der Schachtanlage Prosper. Das Tetraeder (kostenfrei zu erklimmen) ist eine begehbare Aussichtsplattform in Form einer Pyramide.

Hat man die Haldenspitze erreicht (was dauert), geht es über die Stahltreppen bis hinauf zum höchsten von drei Panoramaplateaus in 42 Metern Höhe. Das Gefühl von Leichtigkeit, das diese Konstruktion auszeichnet, ist beeindruckend. Schwindelfrei sollten Sie allerdings sein. Der Blick von dort oben aufs Revier entschädigt für alle Mühen.

Ein paar Tipps

Der Drei-Tages-Trip, den wir hier vorstellen, ist nicht mehr als ein Schnupperkurs. Das Ruhrgebiet ist so reich an Sehens- und Erlebenswertem. Das Museum Folkwang, das Fahrrad- und Wanderparadies Ruhrtal, der inzwischen auch für den Personenverkehr geöffnete Rhein-Herne-Kanal, die Schalke-Arena, der Landschaftspark Duisburg-Nord, Kloster Kamp, DASA Dortmund, die Drei-Burgen-Stadt Hattingen . . .

Internet-Tipps: Kulturhauptstadt - das spektakuläre Programm der quirligen Metropole Ruhr gibt es hier auf einen Blick: http://www.ruhr2010.de

Ruhr-Tourismus - einen guten Einstieg in die Urlaubs- oder Ausflugsplanung ermöglicht das Portal http://www.ruhr-tourismus.de Gedrucktes (mit guten Hotel- und Gastronomieadressen):
Ruhrgebiet Kulturhauptstadt 2010: Handbuch für individuelles Entdecken; Tanja Köhler und Norbert Wank, Verlag Reise-Know-How: Viel Wissenswertes über das Ruhrgebiet, gute Karten, 17,50 Euro.

Ruhrgebiet. Mit tagesaktuellen Veranstaltungstipps und großer Reisekarte; Baedeckers Reiseführer, 17,95 Euro.

RuhrKompakt: Handbuch Ruhrgebiet; Achim Nöllenheidt, Klartext: Viele Bilder, gute Erklärungen, viel Neues - auch für Ureinwohner, 14,95 Euro.

Geo-Special Ruhrgebiet. Gute Reportagen, erstklassige Bilder, bunter Mix mit reichlich Service und informativem Dossier, 8 Euro.

Lesen Sie nächste Woche Teil 2!
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