Aachener Serienmörder soll öfter zugeschlagen haben

Von: dpa/zva
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Anhalter DiscoMörder
Der mutmaßliche Anhalter-Mörder Egidius Sch. mit seinem Anwalt Rainer Dietz. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Den im vergangenen Jahr verurteilten Serienmörder Egidius Sch. (53) hat im August in der JVA-Aachen ein Schreiben des Aachener Amtsgerichts erreicht. Nach dessen Inhalt kommt er als Täter für einen sechsten Anhaltermord in Frage.

Der wegen zweifacher Vergewaltigung und fünffachen Mordes an Anhalterinnen aus der Aachener Region lebenslang einsitzende ehemalige Krankenpfleger und Versicherungskaufmann soll, so heißt es in dem richterlichen Anhörungsschreiben, auf Anforderung der Staatsanwaltschaft erneut seinen Gencode untersuchen lassen.

Die neuerliche Abnahme eines DNA-Profils durch eine Speichelprobe sei nötig, so heißt es dort, weil „das Ergebnis für die Ermittlungen im vorliegenden Verfahren zum Abgleich von Tatortspuren” sein können. Das „vorliegende” Verfahren ist völlig neu.

Hintergrund ist ein in Belgien anhängiges Ermittlungsverfahren, das den gewaltsamen Tod einer Anhalterin in Belgien am 30. April 1990 aufklären soll. „Die Anhalterin wurde erwürgt”, heißt es nur lapidar in dem Anschreiben an Egidius Sch., der über seinen Anwalt Rainer Dietz (Aachen) empört verlauten ließ, er habe rein gar nichts mit dem Fall zu tun.

Die letzte ihm zugerechnete Tat beging er laut Gericht in der Nacht auf den 16. Juni 1990. Auch das 30-Jährige Opfer wollte aus einer Disko per Anhalter nach Hause fahren, er gabelte sie wie die anderen nachts auf, vergewaltigte und erwürgte sie, die Leichenreste fand man erst ein Jahr später.

Sch. hatte in dem Aufsehen erregenden Prozess vor dem Aachener Schwurgericht sein ursprüngliches Geständnis widerrufen und war durch seine beim dritten Tatopfer gefundene DNA überführt worden. Den Geschlechtsverkehr mit der damals im August 1984 erst 17-Jährigen aus Wegberg gab Sch. im Prozess zu, dies, um seine bei dem Mädchen gefundenen und später in eine Kartei eingestellten DNA-Spuren zu erklären. Diese Spuren führten schließlich im Sommer 2007 zu seiner Verhaftung. Der damals arbeitslose Versicherungskaufmann mit Wohnsitz in Viersen wurde bei einem Metalldiebstahl erwischt und gab freiwillig seine DNA ab.

Wieviele waren es?

Das Aachener Urteil gegen den Fünffachmörder wurde erst jüngst vom Bundesgerichtshof bestätigt. Allerdings hat sein Anwalt gegen diese Entscheidung wiederum Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt, die DNA-Übereinstimmung mit dem Mädchenmord von 1984 spielt hier eine zentrale Rolle.

Unabhängig von der eingelegten Beschwerde sieht Anwalt Dietz die Ankündigen, bei seinem Mandanten erneut den Gencode bestimmen zu wollen, doppelt kritisch. „Die DNA soll doch eindeutig bekannt sein”, sagt Dietz und fragt sich, was der neue Test soll. Laut Aachener Staatsanwaltschaft wollen die belgischen Ermittler dies.

Sprecher Oberstaatsanwalt Robert Deller: „Es gibt unterschiedliche Methoden. Die belgischen Kollegen wollen selber ein DNA-Muster bestimmen”, nennt er die ihm bekannten Gründe. Und dann abgleichen. Falls Sch. wieder freiwillig seinen Gencode hergibt, wird es in dem belgischen Fall Klarheit geben. Ansonsten bleibt die damals im Verfahren vor dem Aachener Landgericht bereits ausgesprochene Unsicherheit: Wieviele Opfer waren es wirklich?
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