Aachen - Aachener mucken auf: „Befreit die heißen Quellen”

Aachener mucken auf: „Befreit die heißen Quellen”

Von: Elke Silberer, dpa
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Großer Monarch Heiße Quellen Aachen
Professor Wolfgang Becker steht vor dem etwa 50 Quadratmeter großen Gaffiti in Aachen, an dem der Künstler Hook arbeitet. Das Wandbild entsteht an der heißen Quelle „Großer Monarch”, die zu seinen Füßen unter einem Kanaldeckel fließt. Becker möchte mit dem Kunstwerk darauf hinweisen, dass hier die Quelle vor sich hin dümpelt. Er ist empört. Wie kann man mit den heißen Quellen nur so umgehen: „Es ist furchtbar, wie sie unter Kanaldeckeln eingezwängt sind.” Anonym unter Gehwegen, unerkannt auf Parkplätzen, wie der „Große Monarch” auf einem Parkplatz in der Innenstadt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wolfgang Becker ist empört. Wie kann man mit den heißen Quellen nur so umgehen: „Es ist furchtbar, wie sie unter Kanaldeckeln eingezwängt sind.” Anonym unter Gehwegen, unerkannt auf Parkplätzen, wie der „Große Monarch” auf einem Parkplatz in der Innenstadt. Die Autofahrer haben keine Ahnung, dass es unter ihnen dampft und strömt. Das wird jetzt anders.

Zu Ehren des Monarch hat Becker ein 50 Quadratmeter großes Graffiti produzieren lassen. Am Samstag wurde es fertig: Groß, offensiv und modern leitet es den Blick auf den gewöhnlichen Kanaldeckel, der die Quelle verdeckt.

Stinkt - ist aber heilsam

Die alten Römer könnten sicher nichts mit dem großen blubbernden Wesen „Jabba” in der grafisch dargestellten Wasserlandschaft anfangen. Für Becker ist das Kunstwerk der beiden FH Studenten Bernard und Hook ein Schritt in die richtige Richtung. Die Aachener sollten ihren Quellen wieder achten: „Es ist eine Tatsache, dass (Kaiser) Karl sich wegen der Quellen hier angesiedelt hat.” Die Römer übrigens auch. Im nass-kalten Aachener Klima kroch ihnen das Rheuma in die Knochen. Wie gut tat da ein Bad im heißen Schwefelwasser. Stinkt zwar auch heute noch stellenweise nach faulen Eiern, war aber äußerst heilsam.

In Aachen entspringen Mineralquellen, die zu den heißesten Mitteleuropas zählen. Die heißeste hat 74,6 Grad. „In Aachen haben wir sechs genutzte und neun ungenutzte Thermalquellen”, sagt der Thermalwasserexperte der Stadt Aachen, Ekkehard Steinmetz. Darunter sind Quellen mit den klangvollen Namen Pockenpützchen, Kuchbrunnen oder Rosenquelle. Früher gab es noch mehr, aber die sind mittlerweile verschlossen oder gar nicht mehr auffindbar.

Der Duft der faulen Eier

Der pensionierte Museumsdirektor Becker spricht übrigens von Duft, den er in der Stadt wieder erreichen will: „Es geht darum, die Quellen aus diesem elenden Zustand zu befreien.” Er will den Dampf des Wassers sehen und riechen. Vielleicht bewegt sich die Stadt ja zu Kaiser Karls 1200. Todestag im Jahr 2014. „Ich hoffe, dass es gelingt, die Stadt zu überzeugen, einige Projekte zu finanzieren.” An Ideen für weitere künstlerische Projekte mangelt es ihm nicht.

Auch andere machen sich stark für die heißen Quellen. Die „Bürgerstiftung Lebensraum Aachen” setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die verborgenen, verplombten Quellen wieder Teil des Stadtbildes werden. „Wir wollen die Quellen wieder an die Oberfläche holen”, sagt Sprecherin Gisela Warmke. Die Bürger fordern Freiheit für die Quellen. Sie sollen wieder sprudeln und dampfen.
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