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Aachener Lehrer stimmt Hollywood um

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
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Setzte sich durch: Der Aachener Lehrer Julian Eilmann. Foto: Andreas Schmitter
Julian Eilmann
Verschlingt nicht nur jede Seite der Tolkien-Romane: Nach einem offenen Brief von Julian Eilmann änderte Warner Bros. den Titel des zweiten Teils der Hobbit-Saga. Statt „Die Einöde von Smaug“ wird er nun „Smaugs Einöde“ heißen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Julian Eilmann ist am Ziel. Smaugs Einöde. Der Deutschlehrer des Aachener Inda-Gymnasiums hat dem Filmverleih Warner Bros. zwar keine Lektion erteilt, er hat den Hollywoodkonzern aber offensichtlich mit einem offenen Brief zum Nachdenken angeregt.

Denn wenn Ende des Jahres der zweite Teil der Verfilmung von J. R. R. Tolkiens „Der Hobbit“ in die deutschen Kinos kommt, dann heißt er nicht mehr – wie ursprünglich angekündigt und von Eilmann kritisiert – „Die Einöde von Smaug“, sondern eben „Smaugs Einöde“. „Das habe ich nicht erwartet“, sagt der Aachener.

Eilmann ist mehr als ein Freund oder Fan der Mittelerde-Geschichten. Er ist im Vorstand der Deutschen Tolkien-Gesellschaft, die sich als Bewahrer der Werke des englischen Professors und Autors („Herr der Ringe“) versteht – vergleichbar mit der Goethe- oder Heine-Gesellschaft. Nur begegnen sich in der Tolkien-Gesellschaft wissenschaftlicher Anspruch und Fantum. Als Tolkien-Fan und -Bewahrer fand er „Die Einöde von Smaug“ irreführend, klingt dies doch, als wäre Smaug ein Landstrich in Mittelerde so wie das Auenland, in dem die Hobbits wohnen. Doch Smaug ist der Drache im Hobbit-Roman. Eine wichtige Figur wie Zauberer Gandalf oder der Abenteurer Bilbo. Als Deutschlehrer sah er zudem, dass „Die Einöde von Smaug“ zwar grammatikalisch nicht falsch, aber doch recht ungelenk klang. „Es ist nicht falsch, aber schlechter Stil. Als Deutschlehrer bekomme ich dabei eine Gänsehaut“, erklärt Eilmann. Und all das hat der 32-Jährige in einem offenen Brief an Warner Bros., die Verantwortlichen für die Filme von Regisseur Peter Jackson, postuliert. Nun erfolgreich.

Der Brief hatte kurz vor Weihnachten für viel Aufsehen gesorgt – nicht nur unter Deutschlands Hobbit- und Tolkienfreunden. Der Nachrichtensender N-TV berichtete und zählte für keinen anderen Unterhaltungsbeitrag mehr Klicks im Internet. Doch auf Knopfdruck wird so ein Filmtitel nicht geändert. Erst jetzt wurde die Änderung öffentlich, ohne Begründung, aber pünktlich zur Präsentation erster Ausschnitte. Am 24. März zeigt Peter Jackson um 20 Uhr auf http://wwws.warnerbros.de/thehobbitpart1/sneak/ erste Ausschnitte.

„Schien es zwischenzeitlich so, als würde Warner Bros. die Einwände gegenüber der Titelwahl ignorieren, so hat man sich inzwischen offenbar eines Besseren besonnen“, teilt Marie-Noëlle Biemer für die 500 Mitglieder zählende Tolkien-Gesellschaft mit. Und die Vorfreude auf Teil 2 steigt damit noch mehr. „Tolkien hat mit Mittelerde einen ästhetischen und literarischen Mythos geschaffen. Er hätte diesen ersten Titel nicht gewollt“, sagt Eilmann.

Er war ein Kind von elf oder zwölf Jahren, als er Mittelerde entdeckte – im Radio. Er sah die „Herr der Ringe“-Verfilmung von Ralph Bakshis und las sich in den berühmten Werken fest. Das Thema hat ihn nie mehr losgelassen. Nicht als Jugendlichen, nicht als Student und auch nicht als Lehrer. Vor drei Jahren hat er mit seinem Lehrerkollegen Christopher Rein am Inda-Gymnasium die Tolkien-AG „Inda-Gefährten“ gegründet. Die mittlerweile 14-jährigen Schüler haben zuletzt das Merton-College in Oxford besucht, an dem John Ronald Reuel Tolkien – geboren 1892 in Bloemfountain (heute Südafrika), gestorben 1972 im englischen Bournemouth – einst lehrte.

2012 hat Eilmann einen Aachener Tolkien-Stammtisch eingerichtet, der sich jeden vierten Freitag im Monat um 19 Uhr in der Albrecht-Dürer-Stube am Fischmarkt trifft. Erstmals in Aachen findet vom 26. bis 28. April am Institut für Anglistik der RWTH darüber hinaus das deutsche Tolkien-Seminar statt. Es ist die bislang zehnte Veranstaltung dieser Art, das einzige Seminar weltweit. Und Eilmann wird über Tolkiens Gespräche vortragen – allein im Herrn der Ringe gibt es derer 80, im Hobbit immerhin noch 16.

Eilmann hat viel von und mit Tolkien gelernt. Und er sieht, wie viele Schüler es ihm gleich tun. Die spektakulären „Herr der Ringe“- und nun „Hobbit“-Filme von Peter Jackson würden Kinder und Jugendliche für Mittelerde und damit für die Bücher im Speziellen und Literatur im Allgemeinen begeistern. Das sei Leseförderung. Umso wichtiger war es ihm, dass der Titel des zweiten Hobbit-Teils einwandfrei formuliert ist.

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