Aachen - Aachener Kurpark Classix: Von huschenden Geistern und Leuchtherzen

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Aachener Kurpark Classix: Von huschenden Geistern und Leuchtherzen

Von: Sabine Rother
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Herzensangelegenheit: Soul-Diva Sarah Connor auf der Bühne im Aachener Kurpark. Foto: Andreas Steindl
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Immer gut für einen Spaß: Moderator Malte Arkona sorgt dafür, dass die Classix for Kids eine quicklebendige Angelegenheit werden. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Eh Oh, Eh Oh Oh“: Nicht nur die entzückten Mädchen aus ihrem Fan-Club, auch Michael Schmitz-Aufterbeck, Generalintendant des Theaters Aachen, und andere mehr oder weniger tonsichere Zuschauer singen bereitwillig ins Mikrofon, das ihnen Sarah Connor bei ihrem Song „Rodeo” entgegenstreckt.

Sie ist von der Bühne geklettert, die Security-Männer rücken beunruhigt näher, aber alles ist gut, das Eis ist nach einem etwas schleppenden Konzertstart gebrochen. Das Publikum feiert die „Soul Sinfonie“ – eben typisch Kurpark Classix. Zur inzwischen siebten Ausgabe des Festivals hatte Veranstalter Christian Mourad am Abend zuvor das Publikum im Aachener Kurpark gewohnt charmant und eloquent begrüßt. „Ich bin ein miserabler Sänger und ein inkompetenter Musiker – deshalb haben wir ja unser Herzstück, unser Juwel, das Sinfonieorchester Aachen“, sagte Mourad, während man hinter den dünnen Zeltwänden bereits eine Sopranstimme beim Einsingen hörte. Die „Night at the Opera” war der klassische Auftakt zum Festival im Park.

Ein leuchtender Himmel

Rauschende Bäume, ein leuchtender Abendhimmel – da ist die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers „Oberon“ mit ihren musikalischen Bildern von huschenden Geistern und Elfen geradezu ideal. Zart und schön arbeitet das Orchester die Feinheiten heraus, Generalmusikdirektor Kazem Abdullah dirigiert inspirierend und mit beschwingter Freude. Kompositionen von Giuseppe Verdi und Richard Wagner – beide 1813 geboren – prägen den Großteil des festlichen Abends, der mit Musical-Evergreens ausklingen soll, schwungvoll und mit lockerem Humor von Malte Arkona moderiert, der bisher lediglich bei den Classix for Kids im Einsatz war – eine gelungene Neuerung.

Aus dem Aachener Opernensemble sind Jelena Rakic (Sopran), Sanja Radiši (Mezzosopran), Patricio Arroyo (Tenor) sowie Hrólfur Saemundsson (Bariton) und Woong-jo Choi (Bass) mit dabei, als Gäste kommen Ünüsan Kuloglu (Tenor) und Emily Newton (Sopran) hinzu, die in der anstehenden „Fidelio“-Premiere im Theater den Florestan und die Leonore singen werden. Sie alle entführen die Zuschauer an den Hof von „Don Carlo“ oder in die Halle der Wartburg, wo „Tannhäuser” seinem Schicksal nicht entgeht und das Herz der edlen Elisabeth bricht. Die perfekt von Andreas Klippert vorbereiteten Sängerinnen und Sänger des Opernchors und des Sinfonischen Chors haben großen Anteil an diesem wunderschönen Abend.

Dramatik und Temperament

Arkona baut kleine Interviews, Inhaltsangaben und auch ein bisschen Klatsch augenzwinkernd und geschickt ein. Temperamentvoll nach all der Dramatik und Leidenschaft: flotte Musical-Kost von „My Fair Lady“ bis „Annie get your Gun” – hier können die Damen in ihren edel-dezenten Abendroben und die ernsthaften Herren Witz und Rhythmus ausleben.

Um Herzensangelegenheiten geht es auch beim Crossover-Konzert mit Sarah Connor, deren Band sich die Bühne mit Musikerinnen und Musikern des Sinfonieorchesters unter der Leitung von Volker Hiemeyer teilt. Herzballons steigen auf, im Fanclub herrscht große Aufregung, es erglühen Leuchtherzchen – doch der Funke will zunächst nicht so recht auf alle überspringen.

Sarah Connor – Damenfrack mit glitzernder Bauchbinde und Hochsteckfrisur – ist Profi genug, um das zu spüren. Sie steuert dem unbehaglichen Gefühl selbstironisch und mit Hinwendung zu ihren Fans entgegen. Soul-Klassikern wie Dusty Springfields „Son of a Preacher Man“ oder Nat King Coles „Smile“ interpretiert sie einfühlsam und gesanglich auf hohem Niveau – aber das Fanpublikum will „seine“ Sarah Connor, ob das Motto „Soul Sinfonie” lautet oder nicht. Endlich dann „Skin On Skin“, „If It’s Magic” und Kostproben aus der CD, die zurzeit in Arbeit ist – „Close to Crazy“. Das Orchester breitet sinnliche Klangteppiche aus, die Band mit Gitarrist Torsten Goods, der sich auch als talentierter Gesangspartner zeigt, so wie die beiden stimmkräftigen Background-Sängerinnen Leyla Bostic und Yenzin Jahn sorgen für eine gute Show. Endlich geht die Post ab. „Rodeo”, „I’m Living to Love You” – Sarah Connor schöpft bei nahezu jedem Song die Kapazitäten ihrer Stimme vom lasziven Hauchen bis zur „Rockröhre” aus. In ihren Songs erzählt sie viel von Liebe und Schmerz, glücklichen und traurigen Tagen. Sie schöpft aus eigenem Erleben, und das spürt ihr Publikum. Es ist kein ganz leichter Abend für die Künstlerin – aber schließlich sind alle glücklich, auf der Bühne und im Park.

Feuerwerk der guten Ideen

Da hat es Malte Arkona bei seiner „Tierschau” am sonnigen Sonntagmorgen schon leichter. Der Stammmoderator der Classix for Kids reitet auf dem Pony „Schneewittchen“ (übrigens ein Wallach) in seine „Manege“. Was für ein Spaß. Es folgt ein Feuerwerk der guten Ideen (Konzept Sebastian Jacobs und Michael Dühn). Kazem Abdullah dirigiert mit leichter Hand sein Orchester und sagt auch hin und wieder persönlich einen Titel an. Malte Arkona setzt gemeinsam mit dem Kinderchor des Theaters (Einstudierung: Andreas Klippert) ein Konzept um, bei dem Tiermotive in der Musik vom „Hummelflug“ über Rossinis „Katzenduett“ (es singen und maunzen Soetkin Elbers, Alice Lackner) bis zum „Baby Elephant-Walk” von Henry Mancini mit spannenden Informationen verknüpft werden. So können nicht nur 14 Kinder beim Ratespiel einen Besuch mit Malte und Kazem Abdullah im Aachener Tierpark gewinnen. Tierparkleiter Wolfram Graf-Rudolf kommt persönlich auf die Bühne, legt dem Moderator ein stattliches Straußenei in die Hand und erzählt kindgerecht vom Brutverhalten großer und kleiner Vögel. Immer wieder wechseln Aktion (etwa eine Polonaise) mit Plaudereien im jungen Publikum ab. „Dein Lieblingstier?“ „Ein Krokodil.“ „Und dein Lieblingstier?“ „Ein Seeadler…“ – selbst bei verblüffenden Antworten nimmt Malte sein Publikum ernst. Und mit „Oh dubidu, ich wär so gern wie duhuhu“, einem der schönsten Titel aus dem „Dschungelbuch”, erweist er sich dann auch noch im Kurpark als Musicalprofi, und alle machen mit.

Und Montagabend Joe Cocker

Ein großes Erlebnis nicht nur für die Kleinen, während sich die Großen bereits auf die „Last Night” mit dem Sinfonieorchester und spanischen Klängen freuen. Das prachtvoll aufleuchtende traditionelle Feuerwerk beschließt dann am späten Abend als optisches Highlight die Kurpark Classix 2013. Allerdings nicht ganz: Denn Montagabend folgt erstmals ein allerdings schon ausverkauftes „Da capo“: Weltstar Joe Cocker auf der Open-Air-Bühne im Kurpark.

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