Aachener Kreuz: Maroder Beton, neue Brücken

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
8087632.jpg
1963 gebaut, inzwischen marode: Die geschwungene Brücke (Bildmitte), über die der Verkehr aus den Niederlanden kommend in das Autobahnkreuz Aachen geführt wird, muss neu gebaut werden – ein gewaltiges Unterfangen. Foto: Flying-eye
8087698.jpg
Unten wird gewohnt, oben rollt in luftiger Höhe der Verkehr zwischen Europaplatz und Aachener Kreuz auf der A 544: Die Haarbachtalbrücke weist enorme statische Defizite auf und wird neu gebaut. Foto: Harald Krömer
8087637.jpg
Überprüfung läuft: Ob die Autobahnbrücke, über die in der Nähe des Aachener Tivoli der Verkehr auf der A 4 läuft, abgerissen werden muss, wird sich bald entscheiden. Foto: Harald Krömer

Aachen. Bald feiert die Großbaustelle Aachener Autobahnkreuz Jubiläum. Im September läuft der Umbau des Verkehrsknotens fünf Jahre. Die Straßen- und Brückenbauer sind im Kosten- und Zeitrahmen – was das ursprüngliche Projekt betrifft. Auf 75 Millionen Euro plus Inflationsrate ist der Ausbau des Kreuzes taxiert.

„Da sind wir gut im Rennen“, sagt Projektleiter Ernst Gombert vom Landesbetrieb Straßenbau. Auch zeitlich liegen die Arbeiten bislang ungefähr im Zeitplan. Das allzu ehrgeizige Ziel Spätsommer 2014 wurde schon kurz nach Baubeginn auf 2015 verschoben. „Das wäre auch heute noch realistisch“, sagt Gomberts Kollege Klaus Erdorf. Wäre.

Denn realistisch ist inzwischen eher, dass die Bau- und Planungskolonnen noch ein paar Jahre beschäftigt sind und zumindest ihr Zehnjähriges rund ums Aachener Kreuz feiern können. Denn wegen der maroden Bausubstanz von Brücken und Straßen stehen noch einige, ursprünglich nicht eingeplante Baustellen an – was die Autofahrer rund um Aachen nicht besonders freuen dürfte. Schließlich könnte es sein, dass mancher Brückenabriss und -neubau parallel stattfinden wird. Ein Überblick.

Dass sich die Fertigstellung des Aachener Kreuzes zumindest bis ins Jahr 2017 verzögert, liegt an dem nötig gewordenen Abriss und Neubau der Brücke, auf der der Verkehr aus den Niederlanden über die A 4 ins Kreuz rollt. War die 1963 errichtete Brücke aus den ursprünglichen Überlegungen zum Um- und Ausbau des Verkehrsknotens herausgenommen worden, wird der sogenannte Überflieger nun doch wegen seines maroden Zustands und aus wirtschaftlichen Gründen angepackt.

So wäre eine Sanierung der 134 Meter langen und 15 Meter breiten Brücke deutlich teurer als ein Neubau. Eine Komplettsperrung der Trasse ist nicht möglich, da es keine adäquate Ausweichmöglichkeit für den Verkehr aus den Niederlanden gibt. So muss im Kreuz auf stark beengtem Raum neben der jetzigen eine Behelfsbrücke gebaut werden. Eigentlich sollte mit dem deutlich mehr als zehn Millionen Euro teuren Projekt noch in diesem Jahr begonnen werden. Nun wird beim Landesbetrieb mit einem Baustart Ende 2015 gerechnet. Geplant ist eine Brücke, die mit 172 Metern Länge und 22,50 Meter Breite deutlich größer als die bisherige sein wird.

Ein nicht minder spektakuläres Projekt steht auf der A 544 in Richtung Europaplatz an. Zwischen den Anschlussstellen Würselen und Rothe Erde muss mit der Haarbachtalbrücke ein riesiges Bauwerk erneuert werden. Die Daten: Für 22 Millionen Euro entsteht eine 160 Meter lange, 31 Meter breite und 18 Meter hohe Brücke, die sich über den Haarbach in Aachen spannt. Eigentlich sollte schon Mitte 2013 mit dem Abriss – und dem Neubau – begonnen werden. „Das Projekt hat sich immer wieder verzögert und ist immer komplexer geworden“, sagt Projektleiter Thomas Krumschmidt.

Doch 2016 soll es endlich losgehen. Und es wird auch höchste Zeit. Schließlich hieß es schon 2011, dass der Abriss in „kürzest möglicher Zeit“ erfolgen müsse, da die Brücke „enorme Defizite in statischer und baulicher Hinsicht“ aufweise. Nur durch jährliche Sonderprüfungen könne der Betrieb aufrechterhalten werden, sagt Krumschmidt. Dabei wird der Bau der weiterhin vierspurigen, jedoch künftig um zwei Standspuren verbreiterten Brücke spektakulär sein, verspricht der Diplom-Ingenieur.

Zunächst wird in Fahrtrichtung Aachener Kreuz neben der alten eine neue Brücke gebaut, über die der Verkehr übergangsweise vierspurig in beide Richtungen rollen wird. „Es ist uns wichtig, dass der Verkehr nicht auf eine Fahrbahn pro Fahrtrichtung verengt wird und so weitere Probleme entstehen“, sagt Krum­schmidt. Ist diese Umgehung fertig, geht es der 1955 erbauten Brücke an den Beton. „Wir können die Brücke leider nicht einfach abreißen, sondern müssen sie sukzessive zurückbauen“, bedauert der Experte.

Der Grund: Die Brücke ist mit 18 bis 20 Metern zu hoch, als dass die Arbeiter mit schwerem Gerät riesige Betonstücke einfach wegpicken und in die Tiefe stürzen lassen können. Ein Rückbau also, ein langwieriges Unterfangen. Ist dies abgeschlossen, wird wieder gebaut. Dieses Mal der Teil der neuen Haarbachtalbrücke für den Verkehr in Richtung Europaplatz. Zum Schluss kommt die Krönung des Projekts, sagt Krumschmidt. Nachdem der Verkehr auf das neue Teilstück umgelegt worden ist und nun dort vierspurig rollt, wird die zuerst gebaute und genutzte Hälfte über temporäre Pfeiler an die andere Hälfte geschoben und verbunden. „Ein großes und aufwendiges Verfahren, das noch nicht so oft umgesetzt worden ist“, sagt der Brückenbauer. Er rechnet für 2019 mit der Freigabe der Brücke. „Unter drei Jahren ist das kaum zu machen.“

Ende 2014 dürfte feststehen, was auf der A 4 zwischen dem Aachener Kreuz und der niederländischen Grenze passiert. Derzeit laufen Untersuchungen, ob die beiden Autobahnbrücken über die Krefelder Straße und an der Kläranlage Soers nochmals saniert werden können oder abgerissen werden müssen. „Ein Abriss und Neubau wären an dieser Stelle eine Herausforderung“, sagt Klaus Erdorf vom Landesbetrieb, der von einem Neubau ausgeht.

Im Laufe des nächsten Jahres wird klar sein, ob die A 4 bis zur Anschlussstelle Aachen-Laurensberg sechsspurig ausgebaut wird. „Wir haben jetzt schon viel Rückstau im Berufsverkehr“, sagt Erdorfs Kollege Ernst Gombert. „Mit Blick auf die geplanten Unternehmensansiedlungen im Rahmen des Campus-Projekts würde das Sinn machen.“ Den sechsspurigen Ausbau hat die rot-grüne Landesregierung für den neuen Bundesverkehrswegeplan angemeldet. Was auf jeden Fall ansteht, ist eine Komplettsanierung der A 4-Fahrbahn vom Aachener Kreuz bis zum Grenzübergang Vetschau. Die Autofahrer, sagt Erdorf, müssen weiter mit den Baustellen leben.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert