Düren - 7200 Gemeindemitglieder und ein Ziel: Eine neue Orgel

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7200 Gemeindemitglieder und ein Ziel: Eine neue Orgel

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Die neuen Pedalpfeifen stehen noch in der Orgelbauwerkstatt. Foto: Stephan Johnen/Ria Flatten

Düren. Das Gröbste ist schon mal geschafft: Mehr als 800.000 von 900.000 fälligen Euros für die neue Orgel von St. Anna in Düren haben die Initiatoren dieses ehrgeizigen Projekts beisammen.

Nicht aus öffentlichen Mittel und auch nicht aus dem ohnehin schon strapazierten Säckel des Bistums Aachen, sondern aus den Portemonnaies von Herrn und Frau Jedermann, aus kleine Gaben, Sponsoring-Aktionen, Hinterlassenschaften und ähnlichen Finanz-Quellen. Die sprudeln in rezessiven Zeiten nicht mehr so munter.

Sammelbüchse - auch digital

Doch die 7200 Gemeindemitglieder haben sich davon nicht unterkriegen lassen und brechen auch nicht in lautes Wehklagen aus. Sie versuchen es mit Pfiffigkeit - und haben bisher damit offenbar viel Erfolg. So ziehen sich die Aktiven des Orgelausschusses um Ria Flatten und ihre Mitstreiter keineswegs hinter die dicken Kirchenmauern von St. Anna zurück.

Mitten in den hin und her wogenden Menschenmassen in den Einkaufsstraßen rund um Markt und Kaiserplatz hielten sie ihren Mitmenschen die Sammelbüchse unter die Nase, derweil Pfarrer Hans-Otto von Danwitz nimmermüde die Drehorgel ankurbelte und Aktive den ohne Entgelt zu Benefiz-Zwecken von dem Würselener Künstler Hans Wittl aus Aquarellen komponierten Kalender „Rund um St. Anna” unters Volk brachten.

Doch damit der Findigkeit nicht genug: Im Glauben an das große gemeinsame Ziel und mit viel Fantasie begabt, hat der Orgelausschuss das Spendensammeln längst auf die Weiten des Internets ausgedehnt. Dort, auf der Website annaorgel.de, kann sich der Interessent nicht nur für das Sponsern einer bestimmten Pfeife oder Stimme entscheiden - er kann auch auf einem Schaubild nachsehen, wo sich diese Stimme oder Pfeife innerhalb der gesamten Orgel befindet.

Ein traditionelles Musikinstrument und moderne Medien - in Düren verbinden sich beide Komponenten zu einer perfekten Synthese. Das heißt aber nicht, dass die althergebrachte Art des Spendensammelns zu kurz käme: Zuckerwecken, die ein Bäcker aus der Nachbarschaft für den guten Zweck gestiftet hatte, und eine in St. Anna aufgestellte ausgebaute Pfeife aus der inzwischen in Kroatien aufgestellten Vorgängerorgel verfehlten ihren Zweck nicht. Seit viereinhalb Jahren arbeitet die Gemeinde an diesem Ziel.

Jetzt freuen sich Kantor Hans-Josef Loevenich und Pfarrer Hans-Otto von Danwitz auf den 21. März 2010: Dann nämlich soll das Instrument in der Pfarrkirche mitten in der City, in der alljährlich während der Oktav Ende Juli viele Wallfahrer das Haupt der heiligen Anna verehren, eingeweiht werden. Gefertigt werden seine Teile von der Orgelbau-Werkstatt Metzler in Dietikon unweit von Zürich.

Mit dem Bau der neuen Orgel setzen die Dürener ein Zeichen. Denn die Metzlers (der Familien-Betrieb mit knapp 20 Mitarbeitern wird von den Brüdern Andreas und Mathias geleitet) sind nicht irgendein Orgelbaubetrieb. Ihre Werke erklingen unter anderem im Freiburger Münster oder im Salzburger Dom.

Wer sich eine Orgel anschafft, will damit ein Zeichen setzen, zeigen: Wir erhoffen uns von diesem Instrument mehr als die Begleitung des Gemeindegesangs. Ein Exemplar der „Königin der Instrumente”, wie es für das Gotteshaus im Herzen der Kreisstadt konzipiert und konstruiert wird, spricht von Ehrgeiz und von dem Wunsch, hier künstlerisch ambitionierte Konzerte veranstalten zu wollen.

Darum haben sich die Dürener für die Eröffnung einen Solisten geholt, der zumindest für den Bereich der Spätromantik als einer der größten lebenden Interpreten gilt: Daniel Roth, in Paris lebender Elsässer, betreut ansonsten die legendäre Cavaillè-Coll-Orgel in der Kirche Saint-Sulpice und gibt in Düren nicht nur ein Solo-Konzert, sondern auch noch einen Meisterkurs. Damit noch nicht genug: Zur Einweihung bringt der Klassik-Star sein neuestes Werk, „Licht im Dunkel”, zur Uraufführung mit.

Viel gehört, Metzler-Orgel gewählt

Für Kantor Loevenich, der den Bau einer neuen Orgel für St. Anna maßgeblich initiiert hat, geht mit dem Bau der Metzler-Orgel ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Zusammen mit den Entscheidungs- und Verantwortungsträgern sowie den Mitgliedern des rührigen Orgelausschusses ging er, beraten von etlichen Kollegen wie dem Heimbacher Kirchenmusiker Peter Mellenthin, auf Besichtigungstour und prüfte dabei unter anderem die Klais-Orgel in St. Audomar in Frechen bei Köln sowie andere Instrumente auf Herz und Nieren - unter anderem ein Werk aus der Fertigung von Metzler in der Pfarrkirche von Krefeld-Hüls.

Das gefiel den Dürenern so gut, dass die Schweizer Hersteller sofort in die engere Auswahl kamen und schließlich den Wettstreit für sich entschieden, obwohl die Bonner Firma Klais und die „Manufactur” Vleugels aus Hardheim im Odenwald für ernsthafte Konkurrenz sorgten.
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