60-Minuten-Takt an Aachener und Erkelenzer Schulen: Weniger Stress

Von: Thorsten Karbach
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Aachen/Erkelenz. Diese Ruhe, sie war Axel Schneider direkt aufgefallen. Wenn der Leiter der Aachener Viktoriaschule über das 60-Minuten-Unterrichtsmodell an dem evangelischen Gymnasium spricht, dann sagt er ganz klar: „Es ist in den Schulalltag viel mehr Ruhe eingekehrt.”

Diese Ruhe rüttelt das Schulleben andernorts kräftig auf, denn die positiven Erfahrungen mit 60-minütigem statt 45-minütigem Unterricht haben das Interesse an vielen Schulen in der Region und darüber hinaus geweckt. Und denen kann Axel Schneider berichten, dass sich der Schritt gelohnt habe.

Schule kann selbst entscheiden

Nach zwei Jahren Vorlauf und zwei Jahren wissenschaftlich begleiteter Pilotphase hat sich die Schulkonferenz am Viktoria-Gymnasium einstimmig entschieden, „endgültig und bis auf weiteres” die Kinder in 60-Minuten-Stunden zu unterrichten. „So eindeutig sind diese Entscheidungen selten. Aber unsere Erfahrungen sind eben sehr positiv”, sagt Schneider.

Es sind vor allem drei Gründe, die für das Unterrichtsmodell - in den meisten europäischen Ländern Standard - sprechen: erstens besagte Ruhe, weniger Trubel auf den Gängen, weniger Stress auf den Schulhöfen. Davon berichtet auch die Erkelenzer Europaschule, die seit einem halben Jahr 60 Minuten unterrichtet. Von 8 bis 14 Uhr haben die Kinder an der Viktoriaschule fünf Zeitstunden, dazwischen zwei Pausen über 20 und zwei über zehn Minuten.

Zweitens gilt es für die Lehrer, einen ganz neuen Unterricht zu entwickeln. „Es ist ein Unterschied, ob ich 45 oder 60 Minuten vor einer Klasse stehe. In 60 Minuten gilt es, die Schüler noch stärker zu beteiligen”, erklärt Schneider. Die Lehrer würden diese Herausforderung annehmen.

In Erkelenz wird gar von einem geringeren Krankenstand berichtet. So weit will Schneider nicht gehen, er sagt aber: „Unsere Lehrer, Schüler und Eltern sind begeistert - und das ist erstaunlich.” Dritter Grund ist gewonnene Zeit in den Leistungskursen. Dort wird seit zwei Jahren vier volle Zeitstunden unterrichtet. Dafür gehen allerdings in den Grundkursen 15 Minuten verloren (120 statt 135 Minuten Unterricht).

Das NRW-Schulministerium teilte am Donnerstag auf Anfrage mit, dass es Schulen freistehe zu entscheiden, wie lang die Unterrichtsstunden seien. „Nirgendwo steht, wie viele Minuten eine Schulstunde zu dauern hat”, sagte eine Sprecherin. Die Regierung vertrete in dieser Frage keine Ideologie, höre aber immer wieder, „dass Schulen häufig sehr gute Erfahrungen” mit der Umstellung von 45 auf 60 Minuten pro Schulstunde machten.
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