56 Gewalt-Opfer in rheinischer Kirche

Von: dpa
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Düsseldorf. Bei der Evangelischen Kirche im Rheinland melden sich weiterhin Opfer von sexueller Gewalt oder Misshandlungen in kirchlichen Einrichtungen.

Bisher seien in den vergangenen Jahren insgesamt 56 Meldungen eingegangen, sagte Vizepräses Petra Bosse-Huber am Montag in Düsseldorf. Die meisten Vorfälle seien strafrechtlich verjährt, viele lägen bis zu 50 Jahre zurück, auch die meisten Täter seien inzwischen gestorben. Aktuell laufen aber nach Angaben der Kirche noch vier Disziplinarverfahren. Die Konsequenzen könnten vom Verweis bis zur Entfernung aus dem Dienst reichen, sagte Bosse-Huber.

„Der Skandal hat dazu geführt, dass wir in allen Landeskirchen ein sehr hohes Niveau der Aufmerksamkeit und Entschlossenheit haben, gegen Täter vorzugehen und Opfern beizustehen”, sagte der rheinische Präses Nikolaus Schneider. Der Theologe ist auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In zwölf Fällen sei Pfarrern sexuelle Gewalt vorgeworfen worden, in 21 Fällen richteten sich die Vorwürfe gegen andere Mitarbeiter der Kirche oder der Diakonie, sagte Bosse-Huber. 23 Berichte betrafen Misshandlungen in Heimen, Schulen oder Internaten. Darüber hinaus meldeten sich auch 14 Personen aus anderen Landeskirchen sowie drei Opfer von Übergriffen aus der katholischen Kirche bei der rheinischen evangelischen Kirche.

Die große Welle der Berichte über Gewalt auch in evangelischen Einrichtungen der Kirche sei vorüber, sagte Bosse-Huber. Derzeit würden deutlich weniger Fälle als noch 2010 gemeldet. Man dürfe aber in den Anstrengungen zur Aufklärung nicht nachlassen. Pauschale Entschädigungszahlungen gebe es für die Opfer in evangelischen Einrichtungen nicht. Es gebe aber Angebote zur materiellen Unterstützung der Betroffenen sowie für Therapien und Beratungen.

Seit 2003 gibt es in der Evangelischen Kirche im Rheinland ein verbindliches Verfahren für den Umgang mit Verdachtsfällen auf entsprechende Straftaten. Dieses sieht Hilfe für die Opfer und andererseits die konsequente strafrechtliche und disziplinarische Verfolgung der Taten vor.

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