Aachen - 55. Misereor-Fastenaktion in Aachen eröffnet

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55. Misereor-Fastenaktion in Aachen eröffnet

Von: Angela Delonge
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Festlich in Szene gesetzt: Der Gottesdienst zur Eröffnung der Misereor-Fastenaktion in der Aachener Kirche St. Jakob wurde von der ARD live übertragen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Mit einem atmosphärisch dichten Gottesdienst in der voll besetzten und in festlichem Purpur ausgeleuchteten Aachener Pfarrkirche St. Jakob ist am Sonntag die 55. Misereor-Fastenaktion eröffnet worden. Die bundesweite Aktion steht unter dem Leitwort „Wir haben den Hunger satt!“ Damit ruft das weltweit größte katholische Hilfswerk während der Fastenzeit zur Solidarität mit den Hungernden und einem veränderten Konsumverhalten auf.

An dem Gottesdienst, der live von der ARD übertragen wurde, nahmen Gäste aus Paraguay, Kolumbien, Bangladesch und Niger teil. Die musikalischen Akzente bei der Gestaltung des Pontifikalamts waren wohl gesetzt: Zusammen mit drei Instrumentalmusikern sorgten Chor Courage und Klassikchor von St. Jakob unter Leitung von Regionalkantor Thomas Linder für feierliche Klänge in der Kirche.

Geleitet wurde der mehrsprachige Gottesdienst vom Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff. Ihm zur Seite standen Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pfarrer Andreas Mauritz von St. Jakob, Bischof Juan Bautista Gavilán aus Paraguay, Bischof Ambroise Ouédraogo aus Niger sowie Weihbischof Theotonius Gomes aus Bangladesch.

In seiner Predigt wies Bischof Mussinghoff auf die Sorgen und Nöte der rund 870 Millionen hungernden Menschen hin. Hunger gebe es in Afrika, Asien, Lateinamerika und auch in Deutschland. Hunger könne auch durch unser Verhalten wirkungsvoll bekämpft werden: „Wir glauben doch. Wir haben Vertrauen in Gott. Jesus handelt wunderbar. Er tut es auch heute. Und wir können auch etwas tun, wenn wir auf Jesus hören und wenn wir den Hunger wirklich satt haben.“

Im Anschluss an die Predigt eröffnete Monsignore Spiegel offiziell die Fastenaktion – mit einem leeren Korb in der Hand. Der symbolisiere die Not der Menschen, die nichts zu essen hätten, so Spiegel: „Das kann uns nicht ruhig lassen – uns, für die das tägliche Essen selbstverständlich ist. Wir sollten es satt haben, dass es immer noch Hunger gibt, dass im 21. Jahrhundert Körbe leer bleiben.“

Landwirtschaft im Fokus

Beim anschließenden Empfang in der Aula Carolina wurden das Thema Hunger und die damit in Zusammenhang stehenden Aspekte wie Klimawandel, Landraub, Handelsstrukturen und Nahrungsmittelspekulation erneut aufgegriffen. Den ebenso unkonventionellen wie charmanten Fragen der Moderatorin Angela Maas stellten sich: Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, NRW-Ministerin Angelica Schwall-Düren, Schwester Raquel Peralta aus Paraguay, Abdoul Moumouni Illo aus Niger, Silvia Moss aus Aachen, Aachens Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, Monsignore Spiegel sowie Weihbischof Gomes aus Bangladesch.

An das „Pappschächtelchen“, das auch früher schon in der Fastenzeit als „besondere Form des Abgebens“ vor allem bei Kindern beliebt war, konnten sich sowohl der OB als auch die Ministerin gut erinnern. „Gerade Kinder brauchen solche Symbole“, sagte Philipp und verwies auf die Notwendigkeit, ein neues Konsumbewusstsein herzustellen. Denn: „Wir in Europa sind nicht alleine auf der Welt.“ Auch die Ministerin lobte die „humanitäre Verbundenheit“, die die Aktionen in der Fastenzeit ermöglichten.

Mit Schwester Raquel Peralta präsentierte sich eine leidenschaftliche Kämpferin für die Rechte der einheimischen Kleinbauern in Paraguay, wo nur zwei Prozent der Bevölkerung über 80 Prozent des Landes besitzen. „Seit Jahrzehnten warten wir auf eine Landreform. Ohne mehr Gerechtigkeit bei der Landverteilung können die Probleme unseres Landes nicht gelöst werden“, fordert Peralta.

Den Fokus auf die Landwirtschaft legte auch Abdoul Moumouni Illo, studierter Physiker und Leiter der Caritas in Niger: „Wir haben mit 3,3 Prozent pro Jahr das höchste Bevölkerungswachstum der Welt. Aber unsere Bauern können nur sechs Monate im Jahr produzieren. Wir brauchen bessere Arbeitsmöglichkeiten und besseres Saatgut – resistent gegen Dürre und Insektenplagen.“ Verantwortungsvolles Unternehmertum wie das der Aachener Bäckerei Moss beeindruckt Illo. Die Bäckerei unterstützt die Fastenaktion mit dem Verkauf eines Solibrotes. Inhaberin Silvia Moss: „50 Cent je verkauftem Brot gehen an Misereor.“

Nahrung im eigentlichen und im übertragenen Sinne veranlasste Bischof Gomes und Monsignore Spiegel zu philosophischen Exkursen über die Zivilisation. Gomes: „Mit der Landwirschaft beginnt jede menschliche Kultur.“ Die Frage „Wie können wir alle satt werden?“ beantwortete Pirmin Spiegel mit dem Aufruf: „Lassen Sie uns mit den Fastenaktionen dafür kämpfen, dass wir in Zukunft nicht mehr eine erste, zweite, dritte und vierte Welt haben, sondern einen einzigen Erdplaneten. Lassen Sie uns mehr Mensch sein.“

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