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34. Psychotherapieseminar: Wem kann man denn noch trauen?

Von: Thomas Thelen
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Vertrauenssache: Fast jeder wünscht sich im Leben ein Klima, das Offenheit geprägt ist, das frei von Misstrauen und Schuldzuweisungen geführt werden kann. Die Wirklichkeit lässt jedoch oft eine Diskrepanz erkennen. Foto: imago/Gustavo Alabiso

Aachen. „Kann man denn überhaupt noch jemandem trauen?” Jedem ist der Gedanke wohl schon einmal durch den Kopf geschossen, wenn er von einem Menschen enttäuscht wurde.

Enttäuschung ist eine vollkommen normale Reaktion, doch oft bleibt es nicht dabei: Wer schlechte Erfahrungen mit seinen Mitmenschen gemacht hat, ist nicht nur enttäuscht, sondern wird sogar misstrauisch und entwickelt möglicherweise sogar eine feindselige Haltung gegenüber anderen.

Oder gegenüber Institutionen - etwa gegenüber Geldinstituten im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Und ist Vertrauen erst zerstört, kann es lange dauern, bis es wieder aufgebaut ist.

Vertrauen und Werte: Für Professor Waltraut Kruse sind dies „die wahrscheinlich attraktivsten Themen, die Psychotherapie, Psychiatrie, Psychologie und Pädagogik aktuell zu bieten haben”. „Vertrauen und Werte - Basis psychischer Gesundheit”: Mit dem Thema des 34. Westdeutschen Psychotherapieseminars vom 27. Februar bis zum 1. März treffen Kruse und ihre Mitstreiter einmal mehr den Nerv der Zeit.

„Angesichts der Relativität von materiellen Werten, die derzeit vielen Menschen bewusst wird, aber auch angesichts der Tatsache, dass wir dem permanenten Fortbestehen des Wohlstandes zu sehr vertraut haben, gewinnt die Reflexion von Werten und von Vertrauen eine ganz besondere Bedeutung.”

Schon in der Erziehungsberatung, erst recht aber in der Psychotherapie mit Jugendlichen und Erwachsenen zeige sich, so Kruse, dass das Vertrauen des Menschen in die eigenen Kräfte, in das soziale Umfeld, aber auch in die Schöpfung überaus wichtig für eine positive, tragfähige Lebensperspektive sei.

„Ohne diese Formen von Vertrauen fehlt dem Menschen Optimismus, fehlt ihm eine positive Lebenseinstellung”, sagt Kruse, die mit ihren Professoren-Kollegen Beate Herpertz-Dahlmann, Siegfried Gauggel, Frank Schneider und Henning Saß die Aachener Seminartage organisiert. Veranstaltet wird das Seminar von der Westdeutschen Arbeitsgruppe für Psychotherapie und Psychosomatik in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen und der Ärztekammer Nordrhein.

Ist also Vertrauen ohne Werte nicht denkbar? Kruse: „Wenn ich vertraue, dann ist damit auch die Überzeugung und Erfahrung ausgedrückt, dass sich die persönlich bedeutsamen Werte zumindest in Teilen umsetzen lassen.” Das heißt auch: „Ich kann erst dann wirklich vertrauen, wenn mir meine Werte - also das, was mein Leben trägt und diesem ein Ziel gibt - bewusst sind.” Schon Kinder könnten ihre Werte verbal, im Spiel, im Verhalten anderen Menschen gegenüber ausdrücken. Und ihnen müsse auch die Chance gegeben werden, dies zu tun.

Von bleibendem Wert

Zum einen, so Kruse, erfahre sie in der Psychotherapie immer wieder, dass Menschen angesichts grundlegender gesellschaftlicher, technischer, vor allem aber wirtschaftlicher Veränderungen die Frage stellten, was für sie bleibenden Wert besitze, worauf sie ihr eigenes Vertrauen gründen könnten. „Zum Beispiel zeigt die aktuelle Finanzkrise, wie rasch das Thema Vertrauen zum entscheidenden Lebensthema werden kann.” Zum anderen spiele in einer Zeit, in der die Menschen auf zahlreiche, vielfach konkurrierende Weltanschauungen träfen, die Frage nach der Bedeutung von Werten wie auch nach der Bedeutung von Vertrauen eine überragende Rolle.

Eine besondere Bedeutung komme den Themen „Vertrauen” und „Werte” in Grenzsituationen zu. „Grenzsituationen führen uns die Verletzlichkeit und Endlichkeit unserer Existenz besonders vor Augen”, sagt Kruse. Gerade in Grenzsituationen werde deutlich, ob das eigene Leben getragen sei von Bindungen, von Ideen und eben von Werten. „Gerade in Grenzsituationen kommen Vertrauen und Werte auf den Prüfstand.”

Karten für die vier öffentlichen Vorträge zum Preis von 15 Euro

Beim 34. Westdeutschen Psychotherapieseminar im Aachener Eurogress dreht sich vom 27. Februar bis zum 1. März alles um das Thema „Vertrauen und Werte - Basis psychischer Gesundheit”. Folgende öffentliche Vorträge stehen auf dem Programm:

Den Eröffnungsvortrag am Freitag, 27. Februar (Beginn 17 Uhr), hält Professor Dominik Gross (Aachen) zum Thema „Vertrauen in den Grenzsituationen unseres Lebens”.

Am Samstag, 28. Februar, stehen zwei Vorträge mit anschließender Diskussion auf dem Programm: Von 11 bis 12.15 Uhr referiert Professor Andreas Heinz (Berlin) zum Thema „Neurobiologische Grundlagen von Vertrauen und Werten”. Von 12.45 bis 14 Uhr referiert Professor An-dreas Kruse (Heidelberg) zum Thema „Vertrauen des Menschen in eigene Kräfte - Überlegungen zur Entwicklung im Lebenslauf und zur Psychotherapie”.

Den Abschlussvortrag am Sonntag, 1. März (11 bis 12.30 Uhr), hält Professor Wilfried Härle (Heidelberg) - er spricht zum Thema „Glaube als Vertrauen”.

Karten für alle vier Vorträge zum Preis von 15 Euro (10 Euro für Studenten und Schüler) sind in allen Vorverkaufsstellen Ihrer Tageszeitung und an der Tageskasse erhältlich. Weitere Informationen auch unter 0241-5101-175.
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