30.000 Erzieherinnen demonstrieren in Köln

Von: epd
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Kita/Streiks
Eine Demonstrantin bläst am Montag bei einer Kundgebung von ver.di auf dem Heumarkt in Köln in ihre Pfeife. Der Arbeitskampf an kommunalen Kitas hat am Montag mit mehr als 20.000 streikenden Erzieherinnen und einer zentralen Demonstration in Köln seinen Höhepunkt erreicht. In fast allen Bundesländern blieben zu Beginn der sechsten Streikwoche erneut viele hundert kommunale Kindertagesstätten geschlossen, wie die Gewerkschaft ver.di mitteilte. Foto: dpa

Köln. Rund 30.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter haben am Montag in Köln für mehr Geld und einen Gesundheitstarifvertrag demonstriert. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) unterstützten bei der Kundgebung die Forderungen der Erzieherinnen.

Am Abend kamen in Fulda Arbeitgeber und Gewerkschaften zur nächsten Runde ihrer Tarifgespräche zusammen. Beide Seiten hatten zuvor ihre Bereitschaft betont, sich rasch zu einigen. Bei der strittigen Frage der Gehaltserhöhungen zeichnete sich allerdings noch kein Kompromiss ab. In Köln sagte SPD-Chef Müntefering: „Würde es mehr Männer im Beruf des Erziehers geben, dann hätte die Gesellschaft die Löhne längst angehoben.” Auch von der Leyen bezeichnete das Anliegen der Erzieherinnen als „absolut berechtigt”. „Ihre Vergütungsverordnung ist aus dem Jahr 1991 und hat sich seitdem nicht verändert”, sagte sie den Erzieherinnen. Frühförderung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien Themen, die der Gesellschaft wichtig seien: „Das alles geht aber nicht zum Nulltarif, sondern kostet Geld.” „Es muss sich etwas ändern, in der Anerkennung, an den Arbeitsbedingungen und in der Entlohnung”, sagte ver.di-Chef Frank Bsirske, dessen Organisation zu der Kundgebung eingeladen hatte. Eine Elternvertreterin zeigte sich solidarisch mit dem Anliegen der Erzieherinnen, forderte die Tarifpartner jedoch dazu auf, endlich zu einer Einigung zu kommen: „Wir alle können nicht mehr.”

Auch am Montag legten wieder Erzieherinnen in sieben Bundesländern die Arbeit nieder.

Die Gewerkschaften ver.di und GEW verlangen für die bundesweit 220.000 Beschäftigten in den kommunalen Kindertagesstätten und Sozialdiensten deutlich mehr Geld und einen eigenen Tarifvertrag für besseren Gesundheitsschutz.

Vor der Fortsetzung der Verhandlungen in Fulda sagte ver.di-Sprecher Günter Isemeyer: „Wir wollen einen schnellen Abschluss, noch in dieser Woche.” Dazu müssten sich die Arbeitgeber bewegen, forderte er.

Verhandelt werden soll in der Domstadt zunächst bis zum Mittwoch. Sollte bis dahin keine Einigung erzielt sein, gingen die Gespräche ab Mittwochabend in Berlin weiter, hieß es.

Gab es im Bereich des tarifvertraglichen Gesundheitsschutzes bereits eine Annäherung der Positionen, so liegen die Vorstellungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei den Gehaltserhöhungen noch deutlich auseinander. Während ver.di bis zu 1000 Euro höhere Bezüge fordert, haben die Arbeitgeber bislang ein Lohnplus von maximal 220 Euro angeboten. Strittig ist auch noch, wie der Gesundheitsschutz der Beschäftigten im Detail verbessert werden soll.

Die Gewerkschaften plädieren für die Einrichtung betrieblicher Kommissionen, die für den individuellen Schutz am Arbeitsplatz zuständig sein sollen. Diese Gremien sollen laut ver.di paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt werden und Entscheidungsbefugnisse bekommen.

Das lehnen die Arbeitgeber ab. Sie wollen den Kommissionen nur eine Beraterfunktion zubilligen, weil sonst Personal- und Betriebsräte in ihren Beteiligungsrechten beschnitten würden.

Dennoch bekräftigten die Arbeitgeber ihren Einigungswillen: „Wir haben ein großes Interesse, diese Woche zu Ergebnissen zu kommen”, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Manfred Hoffmann, der „Frankfurter Rundschau” (Montagsausgabe).

Nach einer Untersuchung der Techniker Krankenkasse sind Erzieherinnen und Erzieher überdurchschnittlich oft krankgeschrieben. Im vergangenen Jahr seien sie durchschnittlich 13,9 Tage krankgeschrieben gewesen, 2,7 Tage mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten, teilte die Kasse in Hamburg mit. Der Krankenstand in dieser Berufsgruppe habe damit 3,8 Prozent betragen.
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