30 Minuten für die Sicherheit auf der A4

Von: Udo Kals
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„Bitte folgen“: Gestern mussten wieder 25 Lastwagen der Einladung der Autobahnpolizei auf der Rastanlage Aachener Land an der A4 Folge leisten. Foto: Ralf Roeger
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Mit seinen Kollegen bei der Kontrolle: Jürgen Göbel. Foto: Ralf Roeger
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„Bitte folgen“: Gestern mussten wieder 25 Lastwagen der Einladung der Autobahnpolizei auf der Rastanlage Aachener Land an der A4 Folge leisten. Foto: Ralf Roeger

Eschweiler. Es nieselt unangenehm, als es auf der Rastanlage Aachener Land an der Autobahn 4 bei Eschweiler ein wenig voller wird. Gerade hatte Polizeihauptkommissar Jürgen Göbel noch von einem serbischen Linienreisebus berichtet, den er und seine Kollegen bei einer Kontrolle in der Vorwoche stilllegen musste, da rollt neue Kundschaft auf den Parkplatz. Ein Brummi aus Darmstadt, ein Laster mit Dutzenden Gasflaschen aus Gelsenkirchen, ein slowakischer Trucker.

Jürgen Göbel zieht den Reißverschluss seines Pullovers höher und die Mütze etwas tiefer in die Stirn, seine Beamten von der Kölner Autobahnpolizei schwärmen aus. „Guten Morgen. Ver- kehrskon­trolle. Die Papiere, bitte.“

Man kennt das ja – und die Fahrer wissen, was kommt. Nach technischen Defekten wird geschaut, nach der Sicherung der Ladung, nach der entsprechenden Kennzeichnung von Gefahrgut, nach der Einhaltung der Lenkzeiten. Nach 30 Minuten, wenn alles glatt läuft, ist die Kontrolle vorbei. Auch bei kleineren Verstößen. Manchmal dauert es aber auch etwas länger, wie etwa bei dem Serben: der Bus ver­rostet, der Fahrer ohne Lizenz unterwegs und zu lange ohne Pause am Steuer. Das kostet. „5100 Euro Bußgeld“, sagt Göbel. Die Papiere wurden auch beschlagnahmt, ein Ersatzfahrzeug für die Passagiere musste organisiert werden – ein Fahrt Richtung Adria stellt man sich schöner vor.

So teuer und unangenehm wird es selten. Und auch am Donnerstag waren die Delikte größtenteils nicht so gravierend, sagt Göbel. Aber dennoch: „Statistisch gesehen bemängeln wir bei zwei von drei Fahrern und deren Fahrzeugen etwas.“ Mal sind es die Lenkzeiten, mal ein defekter Blinker, mal funktionieren aber auch die Bremsen nicht. „Und was passiert, wenn ein Lastwagenfahrer mal eine Vollbremsung machen muss?“

So sieht Göbel die Kontrollen neben Maßnahmen wie Tempo- und Abstandsmessungen als einen weiteren wichtigen Baustein im Kampf gegen die zunehmenden Unfälle auf der Ost-West-Achse A 4 an. Nicht selten rauscht ein Lastwagen – wie erst am Mittwoch am Aachener Autobahnkreuz geschehen – in ein Stauende. Nicht selten mit dramatischen Folgen.

Die A 4 ist vor allem an und in den Baustellen zwischen Aachen und Köln ein gefährliches Pflaster. „Wir haben unsere Kon­trollen in den vergangenen Monaten intensiviert. Wobei uns schon klar ist, dass wir nur Stichproben aus dem Verkehr ziehen können“, sagt er auf der Rastanlage zur Begleitmusik vorbeifahrender Autos und Lastwagen. „Die Kontrollquote liegt im Promillebereich. Natürlich. Doch die anderen Fahrer nehmen die Aktionen und unsere Präsenz zur Kenntnis. Auch das zählt.“ Und so versprechen sich die Beamten einen verkehrserzieherischen Effekt.

Glücklich sind die Fahrer natürlich nicht, wenn sie vor sich in Laufschrift „Bitte folgen“ aufblinken sehen. Verständnis haben Fahrer wie Bernd Meyer schon. Zwar hat es den Trucker auf seinem Weg von Bordeaux ins Ruhrgebiet erwischt, weil er zu lange am Steuer saß. Aber trotzdem hält er die Kontrollen für sinnvoll, alleine aus Gründen der Verkehrssicherheit. Zumal die Überprüfung inzwischen digital und schneller als früher erfolgt. Tachoscheiben aus Papier gibt es nicht mehr, Polizeibeamte wie Dennis Melerski laden die Daten der Fahrerkarte herunter und können so an einem Computer unter anderem rasch und detailliert auswerten, wann und wie schnell der Brummi unterwegs war.

„Das hat sich gelohnt“

Als das Wetter wieder freundlicher ist, der Nieselregen hat aufgehört, lenkt Bernd Meyer seinen Laster bereits durch das Ruhrgebiet. Gegen Mittag ist auch die Arbeit auf dem Rastplatz getan. Jürgen Göbel ist überzeugt: „Das hat sich gelohnt.“ 25 Fahrzeuge wurden überprüft, 18 Ordnungswidrigkeiten geahndet. Ein Lkw wurde stillgelegt, weil er überladen war und zu große technische Mängel aufwies. Auch für einen polnischen Kleinlaster war die Fahrt bei Aachen zu Ende, sagt Göbel und schüttelt mit dem Kopf. Weil er in Schlangenlinien fuhr, wurde er angehalten. Betrunken war der Fahrer zwar nicht, doch dafür hatte sein Wagen keine Sicherheitsgurte. Das Angebot, die Mitfahrer mit Spanngurten anzuschnallen, haben die Polizisten dankend abgelehnt.

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