Aachen - 14 Jahre Haft für den „Dicken”

14 Jahre Haft für den „Dicken”

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mit wüsten Beschimpfungen und der Drohung „Sie werden noch von mir hören” quittierte der Angeklagte G. aus Aachen die Urteilsbegründung.

Dann unterbrach der Vorsitzende und schickte nach einer kurzen Beratung den bis zum Ende völlig uneinsichtigen Angeklagten zurück in die Zelle.

Zuvor hatte der Vorsitzende Richter der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, Harald Brandt, den 43-Jährigen zu 14 Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht hält den Angeklagten für schuldig, federführend am internationalen Drogenhandel beteiligt gewesen und wegen zweier Straftaten überführt zu sein.

G. wurde 2007 durch den Einsatz verdeckter Ermittler gefasst, etwa 15.0000 abgehörte Telefonmitschnitte und eine insgesamt mehr als zweijährige internationale Ermittlungsarbeit der Polizei hatten ihn nach Meinung des Gerichts überführt. Am 44. Verhandlungstag nach mehr als eineinhalb Jahren war die Zeit dann endlich reif für ein Urteil.

Im komplizierten Verfahren gegen den Drogenboss begründete Brandt am Freitag, warum die Kammer „den Dicken aus Aachen”, wie ihn zwischen 2004 und 2007 die Polizeifahnder titulierten, zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilte.

Der letzte Deal Anfang 2007 mit 227 Kilogramm reinem Heroin, den er einfädelte, sei zwar von den verdeckten Ermittlern „Johan” und „Omar” aus Belgien „angestoßen” worden, so Brandt.

Doch habe G. alle Mittel in der Hand gehabt, den Handel abzuwickeln, bevor das Heroin in Istanbul beschlagnahmt wurde. Die erste Tat im Jahr 2005 - da fing man 60 Kilo Haschisch, 10 Kilo Amphetamine und 25 Kilo Streckmittel auf dem Weg nach Halle ab - sei unter laufender Bewährung begangenen worden, eine schlechte Empfehlung für die Richter.

Der Angeklagte sei von Beginn an „völlig uneinsichtig” gewesen, habe die damals komfortablen Strafzumessungsangebote der Kammer in den Wind geschrieben, erklärte Brandt noch vor dessen Verweisung aus dem Gerichtssaal - G. kochte inzwischen vor Wut und beschimpfte den Kammervorsitzenden.

225 Kilo reines Heroin

Die 225 Kilo reinstes Heroin stellten unverschnitten einen Handelswert von mindestens 13 Millionen Euro dar, begründete auch Staatsanwältin Jutta Breuer ihren Antrag, der ebenfalls auf 14 Jahre Haft lautete.

Drei weitere Mittäter aus Köln und Halle sind bereits verurteilt, auch in Belgien, in Charleroi, ist ein Verfahren in diesem Drogenkrimi bereits abgeschlossen.

In seinem „letzten Wort” hatte der seit einem tätlichen Angriff auf einen seiner zahlreichen Verteidiger an den Händen gefesselte G. stundenlang ein Manuskript abgelesen.

Damit hatte er minutiös darlegen wollen, dass die Polizei in seiner Sache Akten „fälsche” und die Telefonate falsch übersetzt seien.
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