14-jähriger Tatverdächtiger gibt Rätsel auf

Von: Markus Peters, ddp
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Festnahme im Fall Kassandra
Wolfgang Siegmund, Leiter der Mordkommission, fasst sich auf einer Pressekonferenz am Samstag (03.10.2009) in Mettmann an den Kopf. Im Fall der in einen Gully-Schacht geworfenen Kassandra hat die Polizei einen 14-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Die 9-jährige war nach dem Verlassen eines Spieltreffs nur wenige hundert Meter von ihrem Elternhaus entfernt verschleppt worden. Foto: dpa

Velbert/Mettmann. Nach der Festnahme eines 14-jährigen Tatverdächtigen im Fall der schwer misshandelten Kassandra aus Velbert-Neviges herrschte am Wochenende im Wohnort des Mädchens eine Mischung aus Entsetzen und Erleichterung.

„Schrecklich, dass der Junge aus unserem Ort kommt”, sagte eine Mutter, die am Samstagabend mit ihrer siebenjährigen Tochter zur Kirche ging. „Es ist unglaublich, mit 14 ist man doch selbst noch ein Kind. Wie kann man das dann einem kleinen Mädchen antun?” Sie habe nach der Tat ihre Tochter nicht alleine auf die Straße gelassen.

Das Verbrechen hatte in dem 20.000-Einwohner-Ort für große Unruhe gesorgt. Am Samstag war gegen den Jugendlichen Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden. Er soll am Nachmittag des 14. September die neunjährige Kassandra nach ihrer Schulaufgabenbetreuung abgepasst und sie dann schwer misshandelt haben. Schließlich soll er das lebensgefährlich verletzte Kind in einen Kanalschacht gesperrt haben. Das Mädchen war nach ihrer Rettung vorübergehend in ein künstliches Koma versetzt worden.

Hinweise auf weitere Tatbeteiligte hat die Polizei nicht. Nach Angaben eines Polizeisprechers kannten sich der Tatverdächtige und das Mädchen von einem gemeinsam besuchten Jugendtreff, auch war der Jugendliche mit Kassandras Geschwistern befreundet. Der 14-Jährige kommt aus geordneten Verhältnissen und besucht eine Förderschule für kommunikations- und emotional gestörte Kinder, wie der Leiter der Mordkommission, Wolfgang Siegmund, berichtete. Er ist schon seit seiner Grundschulzeit als verhaltensauffällig bekannt und war deshalb auch schon kurz nach der Tat ins Visier der Ermittler geraten.

Schnell fanden sie heraus, dass er zu den regelmäßigen Besuchern der Einrichtung gehört, in der Kassandra ihre Hausaufgabenbetreuung erhielt. Dort interessierte sich der Junge auffallend für die Gruppe mit sechs- bis zwölfjährigen Kindern, die von ihm regelmäßig schikaniert wurden. Schließlich beschwerten sich Eltern über ihn und wiesen darauf hin, dass er für diese Gruppe zu alt sei.

Die Leitung des Jugendtreffs verfügte, dass der 14-Jährige nicht mehr in die Einrichtung darf, wenn die Kinder noch da sind; dennoch suchte er weiter den Kontakt zu den jüngeren Besuchern. Auch zum Tatzeitpunkt wurde der Junge an der Einrichtung gesehen und eindeutig identifiziert. Doch bei seinen zahlreichen Vernehmungen durch die Polizei sei er gelassen und „völlig gefühllos” geblieben, sagte Siegmund. Auch wenn er sich bei seinen Aussagen in Widersprüche verwickelte, habe er doch „auf jeden Topf einen passenden Deckel gehabt”.

Dies sei für einen 14-Jährigen höchst unüblich. Als Kriminaltechniker des Landeskriminalamts am Freitag Faserspuren von der Kleidung des mutmaßlichen Täters an der blutverschmierten Jacke Kassandras und einem von der Polizei nicht näher bezeichneten Tatwerkzeug nachwiesen, reichten die Beweise für einen Haftbefehl aus. Der Junge weist die Vorwürfe zurück und wird inzwischen von einer Rechtsanwältin vertreten. Seine geschockten Eltern glauben seinen Unschuldsbeteuerungen. Kassandra befindet sich laut Polizei auf dem Weg der Besserung. „Ihr geht es jeden Tag besser”, sagte Siegmund. Sie werde voraussichtlich keine bleibenden körperlichen Schäden behalten. Vernehmungsfähig ist sie jedoch noch nicht.

Die Neunjährige war am Abend des 14. September von der Nachmittagsbetreuung in einem katholischen Jugendtreff nicht nach Hause zurückgekehrt. In der Nacht zum 15. September wurde sie von einem Suchhund der Polizei in einem verschlossenen Kanalschacht in rund 1,50 Meter Tiefe gefunden. Das Mädchen war schwer misshandelt und lebensgefährlich verletzt worden. Die Ärzte diagnostizierten ein Schädel-Hirn-Trauma sowie innere Bauchverletzungen. Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch fanden sich nicht.
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