Aachen - 1,3 Millionen Beute: Mutmaßliche Diebe angeklagt

1,3 Millionen Beute: Mutmaßliche Diebe angeklagt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Flex” nennen Autoschlosser und Bauleute ein elektrisches Gerät von Größe und Aussehen einer Bohrmaschine.

Gemeint damit ist ein sogenannter Winkelschleifer, mit dessen rotierender Trennscheibe man Eisen, Stahl oder Beton wie Butter durchschneiden kann - falls man gerade eine leistungsfähige Flex in der Hand hält.

Das am Dienstag vor der 6. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Harald Brandt) am Aachener Landgericht wegen bandenmäßigem schweren Diebstahls angeklagte Quartett hatte wahre Meister der Flex in seinen Reihen. Sie nutzten laut Staatsanwalt die Trennscheibe, um an Geld in EC-Automaten heranzukommen.

Die vier Männer im Alter zwischen 26 und 46 Jahren hatten zwischen Kamen (Westfalen), im Münsterland, der Heinsberger Gegend, in Düren und besonders in Aachen Supermärkte, Gartencenter oder Baumärkte genauestens ausbaldowert. Hier warteten zumeist gut gefüllten Kartengeräte, oftmals nur von Bewegunsgmeldern überwacht, die sie mit Sprühdosenlack oder Sekundenkleber noch während der Geschäftszeit außer Gefecht setzten.

Die ergiebigste Beute machten sie in der Nacht zum Heiligen Abend 2008 - alle 26 Taten liegen zwischen Juli 2008 und April 2009 - in einem kombinierten Obi und Rewe Markt. Der aufgeflexte EC-Automat gab 180.000 Euro frei, die Gesamtbeute wird auf 1,3 Millionen Euro beziffert.

Die Vorgehensweise der vier Männer aus dem Ex-Jugoslawien war hochprofessionell. Tagsüber kamen sie wechselweise in die Geschäfte und schauten, wie die meist in Vorräumen angebrachten Geldautomaten gesichert waren.

Das nutze nicht immer, denn bei sieben von 26 Raubzügen blieb es bei einem Versuch. So erwies sich Wohnwelt Pallen am Aachener Kreuz als besonders widerstandsfähig, zwei Mal verscheuchte der Alarm die Täter. Sie kamen meist über die Dächer der Märkte von Kaufland, Real oder Edeka, schnitten sie mit starken Blechscheren auf und seilten sich oft über mehrerer Meter in den Innenbereich ab.

Die vier Angeklagten werden von sechs Verteidigern vertreten, von denen mehrere die Einstellung des Verfahrens beantragten. Grund: Die Anklage sei nicht genau genug formuliert, um die einzelnen Tatbeiträge festzustellen. Das Gericht lehnte ab, der Prozess geht an diesem Freitag weiter.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert